Uli, der Selbstgerechte: Bayern-Boss mit Heiligenschein auf Tour

Es ist wieder Zeit für die “Abteilung Attacke”. Uli Hoeneß, die heilige Kuh der Fans des FC Bayern, poltert wegen der aus seiner Sicht ungerechten Haftstrafe. Mit seiner Selbstgerechtigkeits-Tour hatte der Bayern-Boss bereits im Februar in Osthessen Station gemacht.

Er ist schon ein armer Kerl, dieser Uli. Da zeigt er sich selbst an — weil ihm die Ermittler im Nacken sitzen? — und muss dennoch in den Knast. So scheint Uli Hoeneß, Präsident von Deutschlands Serienmeister FC Bayern München, sich tatsächlich zu sehen.

Anstatt einfach Gras über die Sache mit seinem Steuermalheur wachsen zu lassen, poltert er nun wieder. Zuletzt auf einer Gala im Steuerparadies Liechtenstein.

“Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen. Aber in diesem Spiel habe ich klar gegen die Medien verloren. Täglich waren 10 bis 12 Journalisten vor unserem Haus. Tag und Nacht. Sie haben in VW-Bussen übernachtet. Das wollte ich meiner Familie nicht mehr zumuten. Wir hätten ja Revision am Bundesgerichtshof machen können. Das wäre vielleicht ein Jahr gegangen. Dann wäre es vielleicht wieder zurück ans Landesgericht gegangen. Dann wäre vielleicht wieder ein Jahr vergangen. So wäre ich vielleicht jetzt noch im Gefängnis.” So zitierte ihn die Schweizer Zeitung “Blick” am Mittwoch (10. Mai 2017).

Aha! Nicht Hoeneß selbst hat aus seiner Sicht seinen Knastaufenthalt zu verantworten. Die Medien sind laut dem Bayern-Boss schuld.

Kann ja sein, dass der Uli sich ungerecht behandelt fühlt. Clever sind seine Aussagen jedoch nicht. Zeugen sie doch wenig von Einsicht. Vielmehr erscheint da jemand dem Großteil der Gesellschaft entrückt.

Es ist merkwürdig, dass Hoeneß erst jetzt Schlagzeilen mit seiner Selbstgerechtigkeits-Tour macht, nachdem ein Medium aus dem Ausland darüber berichtet hat. Schließlich ist es nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass der Präsident des FC Bayern sich vor großem Publikum über seine Behandlung von Seiten der deutschen Justiz beschwert.

Anfang Februar ist Hoeneß Gastredner auf dem Sparkassen-Forum in Rotenburg an der Fulda gewesen. Neben der örtlichen Sparkasse ist die heimische Zeitung Ausrichter des Forums, auf dem jährlich Prominente zu Wort kommen.

Hoeneß ist bereits zum zweiten Mal Gast des Sparkassen-Forums gewesen. Diese Ehre wurde zuvor noch keinem zuteil. Das erste Mal ist pikanterweise kurz vor dem Platzen der Hoeneß’schen Steuerbombe im Jahr 2013 gewesen.

Uli Hoeneß auf dem Sparkassen-Forum 2013

Dass die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg und die Hessische/Niedersächsische Allgemeine Hoeneß, kurze Zeit nachdem er Freigänger wurde, erneut einlud, darf als nette Geste gewertet werden. Warum sollte man Hoeneß die Resozialisierung verwähren. Zudem möchte doch jeder wissen: Wie war es für den prominenten Häftling im Knast? Hat das Gefängnis ihn verändert?

Vor mehr als 1000 Gästen zeigte sich Hoeneß zu Beginn demütig. Er habe mit solch einer Einladung nicht gerechnet, sagte er.

„Das hat mich damals total bewegt, dass die Leute bereit waren, mich wieder in die Gesellschaft aufzunehmen.“ (Uli Hoeneß auf dem Sparkassen-Forum in Rotenburg an der Fulda 2017)

Es fiel jedoch auch ein Satz wie ihn der Bayern-Boss nun in Liechtenstein fallen ließ:

„Ich bin der einzige, der eine Selbstanzeige gemacht hat und im Gefängnis saß.“

Dem mit vielen Bayern-Fans gespickten Publikum stieß das im Februar nicht sauer auf. Der Uli ist für einen Großteil unter ihnen ohnehin eine Art heilige Kuh. Die schlachtet man nicht, indem man sie kritisiert oder kritisch nachfragt. Vielmehr war von vielen Fans nach Hoeneß’ erneuter Wahl zum Präsidenten des FC Bayern zu hören: “Zum Glück ist er wieder da.”

Dem Fan kann man eine derart undifferenzierte Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit Hoeneß noch durchgehen lassen. Dem Geschäftsführer der Hersfelder Zeitung — sie gehört zur Hessische/Niedersächsische Allgemeinen — , der das Forum moderierte, weniger. Hoeneß’ Aussage und deren aus dem Stehgreif schwer nachprüfbaren Inhalt ließ er unkommentiert.

Auch in ihrer Berichterstattung machte sich die Zeitung wenig Mühe, noch einmal genauer hinzusehen. Zwar ließ sie die Aussage nicht unter den Tisch fallen, beließ es jedoch bei folgenden Sätzen:

Hoeneß ist in Form — und die beinhaltet auch, ungemein facettenreich zu sein. Er ist mal laut, mal leise, mal offensiv, mal defensiv. Er kann bei einem Thema sogar beides sein — vor allem dann, wenn er über seine Steuersünde und seine Zeit im Gefängnis berichtet. Das alles tat sich ja kurz nach seinem Besuch 2013 in Bad Hersfeld auf. Er steht zu seinen Fehlern, sagt aber auch: „Ich bin der einzige, der eine Selbstanzeige gemacht hat und im Gefängnis saß.“ (Am 10. Februar 2017 auf hna.de veröffentlicht)

Auch bei der Überschrift blieb die Zeitung devot. So, als wollte sie es sich mit ihrem Star-Gast nicht verscherzen. “Sparkassen-Forum: Uli Hoeneß als Gast ungemein facettenreich” lautete der Titel. Kein Wunder also, dass erst jetzt ein breites Publikum Wind von Hoeneß’ Selbstgerechtigkeits-Tour bekommt.