Die Geister, die ihr rieft
Achtung: Kann Spuren von Polemik enthalten
Die FAZ startet einen Studentenweckruf, ich bin Student , gerade wachgeworden und fühle mich angesprochen.
Es gibt eine Sache, die mich an den sprachlich teilweise wirklich tollen Weckrufen (“Es ist, als ob es tausend Mappen gäbe, und hinter tausend Mappen keine Welt”) stört. Nämlich das sie von der FAZ kommen.
Die alte Tante FAZ, zumindest im Politikteil absichtlich und gerne das Sprachrohr des konservativen, gehobenen, in Ledersesseln schwere Zigarren rauchenden Bürgertums.
Muss ich daran erinnern, dass es gerade Ihr und euresgleichen es seid, die Strebsamkeit und Linientreue fordern? Das ihr ´68 bestimmt noch nicht so viel Sympathie für die Marxisten, Trotzkisten und Maoisten aufbrachtet, wie ihr es scheinbar heute tut? Und dass das verfluchte Bologna-System viele Väter und Mütter hat, aber ganz bestimmt nicht die Studenten, denen Ihr ihr eigenes Gefängnis zum Vorwurf macht?
Und beschwert Ihr euch wirklich über zu viele Praktika? Als Medienunternehmen? Als Unternehmen in einer Branche, die dafür berüchtigt ist, unzählige Praktika vorauszusetzen, unzählige Praktikanten aufzunehmen, diese aber miserabel zu bezahlen? Für unsere gegenwärtige Arbeitswelt sind zehn mal mehr die Wirtschaftsbosse unter euren Lesern verantwortlich, als es die Studenten sind.
Abschließend: Verdammt, ihr habt ja noch nicht einmal komplett unrecht. Manche der Dinge, die euch an den Studenten stören, stören mich auch. Aber glaubwürdig wäre diese Kritik , wenn sie von Rudi Dutschke käme. Oder vielleicht von der TAZ. Aber von euch?
Ich glaube eher: Die Studenten heute sind genau so, wie Ihr sie immer haben wolltet. Herzlichen Glückwunsch.