Skye auf Gehrung

“Ein Kompakt-LS wie aus dem Bilderbuch, der in jedem Hifi-Laden Angst und Schrecken unter den Fertigboxen verbreiten würde. Gute Chassis, hervorragende Abstimmung, was will man mehr!?” (D.A.U. Hörtreff)

Teil 1 — Die Findungsphase

Seit nunmehr einigen Monaten träume ich davon meine eigenen Lautsprecher zu bauen. Vor langer Zeit habe ich in meinem Bachelorstudium bereits erste Erfahrungen mit dem Selbstbau von Lautsprechern gesammelt, die ich über Wochen hinweg durch das Lesen von Forenbeiträgen wieder aufgefrischt habe. So bin ich von der Klang & Ton über Intertechnik hin zu Acoustic Design Wohlgemut gekommen und habe geglaubt am Ende meiner Suche angekommen zu sein. Ich entschloss mich die SB 18 ADW zu bauen. Noch eine kurze Recherche im Hifi-Forum und zack ein neuer Bauvorschlag war da — Gazzas Skye. Nachdem ich mein Interesse im Forum bekundet hatte und erste Hinweise erhielt, hatte ich Glück und ein Forenmitglied bot mir seine Newtronics BM 17–8 (Tiefmitteltöner) zum Schnäppchenpreis an. Jetzt stand fest, ich baue die Skye.

Zunächst musste ich also den Warenkorb für meine Frequenzweiche erstellen. Ein bisschen Hilfe aus dem Hifi-Forum und die Bauteile waren klar. Eingekauft habe ich folgende Teile nach vielen Preisvergleichen bei ehighend.de

MOX 10W 1,5Ω
MOX 10W 0,68Ω
MOX 10W 33,0Ω
MOX 10W 10,0Ω
Kondensator 400V 3,90µF
Kondensator 400V 5,60µF
Luftspule 0,7mm 0,29Ω 0,15mH
Luftspule 1,0mm 0,32Ω 0,47mH
Pilzkernspule 1,2mm 0,195Ω 2,2mH
Sonofil
BR 50mm x 145mm

Beim Lautsprechershop Strassacker habe ich den Seas 27 TFF (Hochtöner) bestellt und weil ich in Karlsruhe wohne auch direkt abgeholt. Das war unproblematisch und ging super schnell. Ausserdem habe ich dort noch eine Noppenmatte, Anschlussklemmen und Lautsprecherkabel für die Frequenzweiche gekauft.

In der für Lautsprecherfreaks unvollständig ausgestatteten Werkstatt meines Vaters, habe ich dann einen ersten Prototyp des Gehäuses aus MDF zusammengebaut. Den Zuschnitt habe ich recht günstig und auch ziemlich genau vom Bauhaus gekauft. Dann habe ich die Stichsäge ausgepackt und versucht, die angezeichneten, perfekten Kreise auszusägen. Ja gut, das wurde eher schief als perfekt, aber es funktionierte. Am selben Tag habe ich zufällig einen Bekannten getroffen, dem ich von meinem Vorhaben erzählte. Er war begeistert und hat mir angeboten, mich beim Gehäusebau zu unterstützen. Das war wie ein Jackpot für mich. Tischkreissäge, Fräszirkel und Festool-Oberfräse, es ist einfach alles da, was man benötigt.


Teil 2 — Das Gehäuse

Mit der Ausstattung stiegen dann aber auch die Ambitionen. Der 1:1 Nachbau von Gazzas Skye kam nicht mehr in Frage. Viel schöner ist es doch, wenn so ein Gehäuse auf Gehrung gesägt wird. Mein Bekannter hatte noch ein großes Stück 21mm Multiplex Birke da. Unsere Messung hat ergeben, dass wir dennoch kurz zum Baumarkt mussten. Dort gab es ein schönes Stück vom gleichen Holz, das wir eingepackt haben und endlich konnten wir starten.

Zuschnitt Birke Multiplex 21mm

Vorder- und Rückseite: 
205mm x 360mm

Ober- und Unterseite: 
205mm x 308mm

Seiten: 
308mm x 360mm

Beim Zuschnitt haben wir darauf geachtet, dass überall rechte Winkel entstehen und dass die Seiten mit gleicher Länge auch mit der gleichen Einstellung der Säge geschnitten werden. So kamen am Ende sehr genaue Bretter dabei raus. Als nächstes stand die Gehrung an. Ein Probeschnitt hat uns die gute Einstellung der Säge bestätigt. Also haben wir losgelegt und die Bretter an allen Seiten auf die gleichen 45° gesägt.

Brett auf Gehrung sägen

Nachdem die Bretter fertig waren, haben wir uns erstmal eine Pause gegönnt und zu abend gegessen. Gut gestärkt ging es zurück ans Werk. Um die Oberfräse kennen zu lernen haben wir einen Probeschnitt gemacht und dann zunächst die Bassreflexöffnungen mit einem Radius von 34mm ausgefräst.

Hochtöner mit Fräszirkel ausfräsen

Nach dieser einfachen Übung haben wir uns an die Versenkung des Hochtöners gemacht. Diesen haben wir zunächst mit einer Schieblehre vermessen und dann den Außenradius circa 4mm tief eingefräst. Der zur Verfügung stehende Fräskopf war leider nur 6mm breit, daher mussten wir diesen Vorgang drei mal wiederholen, bis genügend Material für die Verschraubung des Hochtöners stehen blieb. Dann haben wir die zwei “Ohren” für den Plus- und Minus-Pol ausgefräst. Zuletzt wurde der Innenradius ausgeschnitten und die “Ohren” mit der Stichsäge komplett ausgeschnitten. Mit Beitel und Schmirgelpapier wurden die Reste entfernt und es entstand eine sehr glatte Oberfläche. Der erste Passtest zeigte, dass wir alles richtig gemacht haben und der Seas 27 TFF wie angegossen in die Aussparung passte.

Als nächstes mussten wir die Aussparung für den Tieftöner machen. Dazu haben wir die geraden Kanten angezeichnet und dann zunächst den oberen und unteren Halbkreis ausgefräst. Mit einem Parallelanschlag haben wir schließlich die Geraden ausgefräst. Zu guter letzt kamen wieder Beitel und Schmirgelpapier zum Einsatz. Wir mussten darauf achten, die äußeren Kanten der Frontwände nicht kaputt zu machen — diese wurden durch den Gehrungsschnitt leicht brüchig.

Fertig gefräste Schallwand

Die Arbeit hat uns so viel Spaß gemacht, dass es uns gar nicht auffiel, wie spät es bereits war. Um 1 Uhr nachts haben wir schließlich unser Feierabendbier getrunken und unser Werk bestaunt. Wir haben uns dazu entschlossen das Verleimen auf einen anderen Tag zu schieben, um unseren Qualitätsansprüchen gerecht werden zu können.

Neuer Tag neue Fortschritte. Das Verleimen des Gehäuses ging recht einfach von der Hand. Zunächst haben wir die Holzstücke nebeneinander mit Paketklebenband zusammengeklebt. Dieses Klebeband hat sich als deutlich stärker und somit einfach handzuhaben erwiesen als einfaches Malerkreppband. Dann haben wir mit wasserfestem Ponal die Schnittkanten ausgiebig gefüllt.

Verleimung

Beim Einleimen des Bodens ist uns aufgefallen, dass der Boden ca. 1mm zu kurz geraten ist. Um keine Lücke entstehen zu lassen, haben wir sehr feine Holzspäne mit Ponal gemischt und in die Ritze gedrückt. Nach der Trocknung konnten wir keine Luftlöcher mehr ausmachen. Also eine ganz gute Variante sowas zu reparieren :)

Ponal + Holzspäne als Dichtung

Den notwendigen Druck haben wir zunächst mit Spanngurten hergestellt und dann durch stramm gezogenes Paketband gesichert. Weil wir das Gehäuse später noch schleifen wollten haben wir uns über Flecken keine Gedanken gemacht.

Fertig zum Trocknen
Vor dem Schleifen

Nachdem die Gehäuse getrocknet waren haben wir sie abgeschliffen und die Kanten angefast. Die starke Phase, wie sie Gazza vorschlägt haben wir ignoriert, weil wir eine sehr leichte Phase eleganter fanden. Ich hoffe, das wirkt sich klanglich nicht so extrem aus.

Fertige Gehäuse

Für kurze Kabelwege haben wir uns entschlossen, die Anschlussklemmen Parallel zu den Hochtönern zu verbauen. So entsteht eine schöne Symmetrie.

Anschlussklemme

Teil 3— Die Frequenzweiche

Zunächst habe ich die Weiche auf ein DIN A5 großes Stück Papier gezeichnet, die Größe passte gut auf die Grundfläche der Skye. Bei der Gestaltung der Weiche habe ich mich an dem Beispiel von Niklas aus dem Hifi-Forum orientiert. Ich wollte den Anschluss an Terminal und Chassis so einfach wie möglich halten und habe daher Lüsterklemmen verwendet. Unsicher bin ich mir noch bei dem 5W Widerstand hinter der Spule im Hochtonzweig — ich weiss nicht, ob die unterschiedliche Leistung ein Problem darstellt.

Zeichnung der Frequenzweiche

Nachdem ich die Zeichnung fertig hatte, habe ich mir zwei Brettchen zugeschnitten und getestet ob diese durch die Öffnung des Tiefmitteltöners passen. Als alles passte habe ich angefangen, die Bauteile auf dem Brettchen anzuordnen. Ich habe mit dem Tieftonzweig begonnen und Teil für Teil mit Heißkleber befestigt. Dann habe ich die Anschlusskabel gekürzt und sie schließlich zusammen gelötet. Das hat mit meiner sehr günstigen Lötstation von Lidl tatsächlich auch sehr gut funktioniert. Am Ende habe ich noch etwas mehr Heißkleber verwendet, um die Bauteile richtig zu befestigen.

Fertige Frequenzweiche

Zuletzt habe ich mich dann doch gegen die Lüsterklemmen entschieden und einfach alles verlötet. Da es so kurzfristig war, gibt es leider kein alleiniges Bild davon.


Teil 4 — Die Hochzeit

Der spannendste Teil beginnt. Wie werden sich Gehäuse, Frequenzweiche und Chassis mit einander vertragen?

Ein erster Test zeigt, dass die Chassis gut passen. Zu dieser Gelegenheit habe ich auch die Frequenzweiche einmal “trocken” verlegt, um sie auf Fehler zu testen. Alles funktioniert — Hochton kommt oben, Tief- und Mittelton unten.

Trockenübung Frequenzweiche und Chassis

Also habe ich die Frequenzweiche auf die Transportsicherung vom Newtronics BM 17–8 geklebt und ins Gehäuse befördert. Die Noppenschaummatten musste ich gar nicht verkleben, sie klemmten perfekt. Nachdem Frequenzweiche und Noppenschaum drin waren habe ich das Bassreflexrohr eingeschlagen. Dort haben wir wirklich gute Arbeit geleistet, es passte perfekt.

Kurz vor der Fertigstellung
Jetzt noch die Chassis einlöten

Die Chassis ließen sich ganz einfach anlöten, nur stieß ich jetzt auf ein Problem, das ich noch garnicht bedacht hatte. Ich brauche ja noch Schrauben! Also ab ins Bauhaus. Dort gab es nach langem Suchen leider nur Edelstahlschrauben, die meine Bedürfnisse erfüllen konnten. Also kein Erfolg, weil Schwarz sollten sie schon sein. Zum Glück hat mir der Mitarbeiter einen heißen Tipp gegeben und mich zum Schrauben Jäger im Karlsruher Rheinhafen geschickt. Nach kurzer Wartezeit hatte ich 25 schwarze Kreuzschlitzschrauben, die perfekt passten in der Hand. Lieber hätte ich Torx gehabt, aber ich bin ja Kompromissbereit :)

Endlich sind die Lautsprecher (fast) fertig. Nur das Öl fehlt noch. Gerne höre ich auf eure Tipps in den Kommentaren, was ihr mir da vorschlagt. Es soll auf keinen Fall “fleischig” werden, aber eine gewisse Rötung fände ich schon ganz geil, weil ich einen Tisch und ein Regal aus Kirschholz habe. Da wäre eine gewisse Zugehörigkeit doch ganz cool. Als Ständer dienen momentan noch meine Papplautsprecher — Reste aus meinem alten Auto. Diese sollen aber durch Liegestühle im 10° Winkel abgelöst werden. Sobald diese gebaut werden gibt es ein Update.

Zum Klang wurde schon viel geschrieben. Sie spielen in einer Klasse evtl. sogar ein bisschen über meinen Magnat All Ribbon 5 — und das ohne eingespielt zu sein. Der Bass ist immens und ich bin überglücklich. Am liebsten lausche ich auf Hotel California von den Eagles. Auch Pink Floyds Wish You Were Here oder Metallicas Nothing Else Matters klingen einfach nur genial. Wer in Karlsruhe ein ähnliches Projekt anstrebt, kann mir gerne eine Nachricht schreiben und vielleicht können wir dann einen Termin zum Probehören ausmachen.

Show your support

Clapping shows how much you appreciated Simon Knipper’s story.