Auch Trolle brauchen Liebe.
Hallo liebe Nicht-Almans,
hier ist jemand, den Ihr auch mal angegriffen habt, ein Alman, ein linkes Arschloch, ein stolzer Bessergestellter, der alle anderen verachtet. Denkt Ihr zumindest.
Und wisst Ihr was? Beinahe alle Eure Kritikpunkte unterstütze ich. Wir würden super gut übereinkommen. Ich habe nicht mal studiert und wenn ich es hätte, würde ich damit nicht prahlen. Ich mag keine Form von künstlicher Besserstellung und bin mindestens genauso unzufrieden damit. Und ich liebe es sagen zu können, was ich denke, finde es anstrengend politisch korrekt zu sein und irgendwer ist immer nervig am shitstormen. Ich bin kein hipper Public-Veganer, niemand der Flüchtlinge zur Selbstdarstellung “ausbeutet”. Ich stehe für Rechte von Schwulen und Transgendern, aber ich bin das selbst gar nicht und ärgere mich darüber, dass Heterosexuellen pauschal so viel unterstellt wird, was ich nicht repräsentiere. Ich wurde sogar angegriffen! Von Schwulen, von Feministen, von Transgendern und anders Sich-Diskriminiert-Fühlender, nur weil wieder mal Alles missverstanden werden sollte. Ich kenne die Trollszene und war schon ein Teil davon. Ich bin für Anonymität im Internet, gegen Klarnamen-Pflicht und finde auch nicht alles voll mega geil, super cool. War dafür auf der Straße, evtl. mit Euch! Witzigerweise wurde ich sogar häufiger von genau denen angegriffen, die Ihr Almans nennt.
Dennoch greife ich diese Menschen nicht persönlich an, um sie Scheitern zu sehen. Nein. Warum nicht? Weil ich besser sein will als diese. Was Ihr rechtfertigt ist eine zweite Form von Angst “vor denen da”, Schwäche und Rache. “Die sind so und wir stellen es bloß!” und ihr vergesst komplett, dass ihr hier genau das Gleiche macht, nur mit anderen Mitteln. Die dort kritisieren alles und Ihr kritisiert zurück, versteckt Euch nur dabei. Ihr seid auch “Gutmenschen”, nur auf der anderen Seite, die die irgendwas anderes als ein Ideal ansehen als “die da”. Ja, super Satire, aber wann ist es eigentlich mal fertig damit und es wird wieder versucht eine Gesellschaft aufzubauen, die nicht nur aus Fronten besteht? “Ja, die anderen machen es ja auch nicht!”.
Dann fangt an! Sonst seid Ihr genauso heuchlerisch, wie das, was Ihr so rührend kritisiert und so anarchistisch angreift. Ja, dann würdet auch Ihr angegriffen werden, evtl. sogar von beiden Seiten gleichzeitig. Aber erst da erkennt man, wie langweilig dieser Kleinkrieg zweier Seiten ist, die sich kaum was nehmen, außer in der Wahl ihrer Mittel. Wenn man das zu Ende denkt, bemerkt man die Sinnlosigkeit des Unterfangens. “Mir gefällt nicht, wie die sich verhalten, also verhalte ich mich einfach mindestens genauso schlimm, nur umgekehrt, das wird alles ändern!”.
Eure Artikel hier sind ein guter Anfang, aber so ernsthaft und emotional entlarvend, das könnten schon fast Alman-Artikel sein. Komisch. Vielleicht seid Ihr ja gar nicht so anders, nur zufällig in dem einen Schützengraben ohne Klar-Profilbild, weil das ja das Erkennungsmerkmal ist. Ihr seid nur eine weitere Gruppe derer, die sich diskriminiert fühlt und respektiert und ernstgenommen werden will und Ihr habt solche Angst davor, dass das einer rausfindet — dann wäre man ja genauso angreifbar. Das ist auch voll verständlich, so gehts uns allen. Ist gar nicht so schlimm. Die Fronten sind der Krebs, nicht ihr, nicht die anderen. Dieser Artikel funktioniert in beide Richtungen.
All Eure Fronten auf beiden Seiten führen zu nichts, weil wir nämlich doch auf der gleichen Erde rumleben müssen. Hier kann niemand weg.
Euer Simon.