BEEF4BRANDS: Konferenz-Rückblick

Am 02. Juni 2016 fand die Beef4Brands II in München statt. Die Speaker überzeugten mit ihrer Expertise und der Qualität ihrer Präsentationen. Das MUNICH DIGITAL INSTITUTE hatte das Speaker-Lineup wohl überlegt.

Die folgende ausführliche Zusammenfassung basiert auf Eindrücken der Konferenz für digitale Markenführung und sind mir sowie Christian Müller von sozial-pr bis heute im Kopf hängen geblieben.

Wer auf der Suche nach einer kurzen Zusammenfassung ist, interessiert vielleicht die folgende Infografik:

Ganze Infografik unter: https://de.pinterest.com/pin/424042121146524110/

Zahlen, Daten und Fakten sind unsere Freunde

Zu Beginn der Konferenz gab Philipp Hoffrichter, Mitarbeiter am MUNICH DIGITAL INSTITUTE, mithilfe von Zahlen und Fakten — die besten Freunde eines Digital Marketers — Einblicke zur digitalen Markenführung in der DACH-Region im europäischen Vergleich.

So spielt die Digitalisierung für Marken eine immer wichtigere Rolle: Einerseits entwickeln 50 Prozent der Marken ihre Positionierung weiter oder bauen diese aus. Rund 25 Prozent der Marken hingegen definieren ihre Markenwerte neu, da sie das Potenzial der digitalen Transformation erkannt haben.

In seinem Fakten-Check berücksichtige Philipp Hoffrichter auch die Herausforderungen, mit der die Marken zu kämpfen haben. Für 57 Prozent der Befragten besteht die größte Schwierigkeit im Aufbau der benötigen digitalen Fähigkeiten und Talente. Das sich ständig ändernde Konsumverhalten — besonders der jüngeren Generationen — wird von 51 Prozent als Problem angesehen. Die erhöhte Geschwindigkeit (40 Prozent) sowie die Ausdifferenzierung der Kundenkontaktpunkte (43 Prozent) sind weitere Herausforderungen, mit denen sich Marken aufgrund der schnelllebigen Gesellschaft auch in Zukunft auseinandersetzen müssen.

Vor allem, was die inhaltliche Kommunikation angeht, haben DACH-Marken im Vergleich zum Rest Europas Nachholbedarf. So ist die Kommunikation von 81 Prozent der Unternehmen in den UK inhaltsgetrieben. In Polen ganze 56 Prozent. Die DACH-Region bildet mit 55 Prozent das Mittelfeld.

Unter Beobachtung: Warum Markenführung Monitoring braucht

In seinem Vortrag zeigte Dr. Luv Singh von MINDGEIST, wie das Netz nicht nur als Beeinflussungsmedium, sondern als zentrales Beobachtungsmedium genutzt werden kann. Die Frage, was bei wem positive Resonanz erzeugt und wie dieses emphatische Wissen für eine ganzheitliche Markenführung einfließen kann, stand im Zentrum seiner Präsentation.

Dabei beschrieb Dr. Luv Singh zunächst, wie das öffentliche Internet, das unterschiedlichste Interessengruppen beherbergt, als Spiegel gesellschaftlicher Meinungsbildung fungiert. Dabei gibt es sowohl aktive User, wie Unternehmen, Journalisten, Werber usw., die das Meinungsbild bestimmen oder zumindest direkt beeinflussen. Die Mehrheit besteht aus passiven Usern, den Lesern, die zu den im Raum stehenden Meinungen Feedback geben und diese diskutieren. Social Media fungieren bei diesen Aktivitäten als Informationsgatekeeper. Mithilfe von Algorithmen entscheiden diese, welche Informationen im Zusammenhang mit einem Begriff Relevanz hat. Diese Gatekeeper bewerten also die Meinungsbilder des öffentlichen Internets.

Um das Internet als Beobachtungsmedium zu nutzen und die für eine Marke relevanten gesellschaftlichen Meinungsbilder herauszufiltern, stellte Dr. Luv Singh 3 Grundsätze der Imagemessung vor:

1. Alle Interessengruppen müssen einbezogen werden.

2. Das Beobachten steht im Vordergrund. Nicht das Stellen von Fragen.

3. Relationen müssen erfasst werden, um nachzuvollziehen, was gefühlt zusammen bzw. fernliegt.

Um die besten Ergebnisse zu erzielen, kombiniert MINDGEIST Psychologie und Soziologie mit den Vorzügen von Web- und Data-Mining. Unter Web- und Data-Mining versteht man die systematische Anwendung statistischer Methoden auf große Datenbestände bzw. auf das Web mit dem Ziel, neue Querverbindungen und Trends zu erkennen. Dabei werden zunächst relevante Begrifflichkeiten festgelegt und mit Web- und Data-Mining Muster erschlossen. Die gefundenen Muster werden dann in ein Deutungsmodell überführt und das Ergebnis grafisch aufbereitet.

Der Hearables Hype oder Kickstarter Kampagnen als Marketing

Nach dem zahlenfokussierten Vortrag von Dr. Luv Singh folgte Sascha Pallenberg, Gründer und Chef von Mobilegeeks, als kleines Kontrastprogramm. Er sprang für den leider ausgefallenen Marijo Sarac von Bragi ein.

Bragi erregte vor einiger Zeit mit einer sehr erfolgreichen Kickstarter Kampagnen für The Dash Aufsehen. The Dash sind nach eigener Aussage „the world’s first wireless smart earphones“. Das klingt nach guten Marketing, doch Sascha Pallenberg fand deutliche Worte für den Kickstarter Star:

Quelle: BEEF4Brands Facebook: http://ow.ly/LsVZ301aGAU

Seine Aussage war deutlich: Kickstarter Kampagnen dienen heute auch als Marketingtool und sind längst nicht mehr reine Finanzierungswege. Dazu kommt, dass der Erfolg von Kickstarter — oder generell Crowdfunding — Kampagnen stark von der Qualität des Kampagnen Videos und der begleitenden Kommunikation abhängen. Kleine Projekte haben damit kaum eine Chance, da sie sich den nötigen Aufwand schlicht nicht leisten können.

Generell werden Hearables aktuell noch überbewertet. The Dash und andere Lösungen sind technisch, ähnlich wie Smartwatches, noch weit von sinnvollen und wirklich nützlichen Lösungen entfernt. Sascha Pallenberg machte deutlich, dass die großen Entwicklungssprünge in diesem Bereich erst noch bevorstehen.

Food4Thought: Mi dem richtigen Inhalt im richtigen Netzwerk zur richtigen Zeit

FOODBOOM ist eine der am schnellsten wachsenden Communities auf Facebook. Es verwundert nicht, dass das Startup in den ersten drei Monaten nach Gründung 25 Mio Videoabrufe mithilfe von Videos via YouTube, Facebook und mobile Apps erzielte.

Sebastian Heinz, Gründer und Geschäftsführer, stellte den Teilnehmern vor, mit welchen analytischen Mitteln die Inhalte von FOODBOOM auch in Echtzeit optimiert und diese dann strategisch ausgespielt werden. Den Kreislauf den FOODBOOM also nutzt, um seine eigenen produzierten Inhalte erfolgreich auszuspielen, bestehen aus Product Management, Analytical Reporting und Live Optimierung.

Die Inhalte von FOODBOOM werden nach den täglichen Anforderungen und Bedürfnissen der Zielgruppe produziert. Sebastian Heinz ist überzeugt, dass man mit dem richtigen Inhalt im richtigen Netzwerk zur richtigen Zeit, die maximale Aufmerksamkeit seiner Zielgruppe auf sich ziehen kann. Die Zahlen und die Cases, die er auf der Konferenz für Markenführung präsentierte sprechen für seine agile Content-Strategie.

Der Zyklus, mit dem FOODBOOM seine Inhalte produziert besteht aus sieben Schritten. Im ersten Schritt wird im Social Web nach Inspiration gesucht (Inspiring). Sobald ein Trend aufgespürt ist (Choosing), wird genau geplant, welche Komponenten wie eine intelligente Shopping-Liste für den Inhalt benötigt werden (Planning). Anschließend wird ein Step-by-Step Guide für das Rezept ausgearbeitet sowie evtl. Tipps von Experten berücksichtigt (Doing). Mithilfe von ausführlichen Tutorials stellt FOODBOOM sicher, dass die erstellten Rezepte leicht nach zu kochen sind (Knowing). Mit Dokumentationen, themenspezifischen Videos sowie Produkt-Tests wird die Interaktion sowie die Neugier der Zielgruppe gesteigert (Loving). All diese Schritte der gezielten Markenführung dienen dazu, das Teilen der besagten Inhalte herbei zu führen (Sharing). Endziel ist es, die Aufmerksamkeit der Zielgruppe kontinuierlich auf die Marke zu lenken.

Grafische Zusammenfassung von FOODBOOM-Vortrag am 02. Juni 2016, BEEF4BRANDS München

Content Marketing: Bei DATEV nichts Neues

Christian Buggisch, Leiter Corporate Publishing bei DATEV, stellte in seinem Vortrag die These auf, dass Storytelling nur eines von vielen kommunikativen Mitteln ist und aktuell sehr stark gehyped wird. Seiner Meinung nach kann es, wie auch andere Kommunikationsmethoden, dazu dienen, Botschaften zu transportieren.

Zu Beginn seiner Präsentation sprach er über die für ihn gültige Definition von Content Marketing und Storytelling. Content Marketing, wie Buggisch Thomas Knüwer zitierte, ist die Erzeugung, Kuratierung und Distribution relevanter Inhalte für eine klar definierte Zielgruppe. Um Storytelling zu definieren, nutzte Christian Buggisch Gedanken von Aristoteles: Dabei steht der Begriff für eine Methode, um Inhalte zu vermitteln. Es handelt sich um eine Form uneigentlichen Sprechens, in dem das Gemeinte in Bildern und Geschichten verpackt wird.

Laut Christian Buggisch ist Content Marketing basierend auf seinen Definitionen nichts Neues für DATEV. Am Beispiel der Kundenzeitschrift veranschaulichte er, wie DATEV aus einer aktuellen Diskussion Inhalte wie Meldungen, Magazine, Essays, Kommentare und weitere Beiträge erstellte, um die Zielgruppe über einen komplexen Sachverhalt zu informieren und ihr zusätzliche Hilfe mit weiteren Texten zu bieten.

Der Content Marketing Ansatz von Christian Buggisch scheint pragmatisch zu sein und sich genauestens auf die Bedürfnisse der eigenen Zielgruppe einzustellen. DATEV zeigt, dass (nicht nur) im B2B-Bereich eine einfache und klare Content Marketing Strategie ausreicht, um eine Botschaft erfolgreich zu platzieren.

Weitere Aspekte zum Thema Content Marketing, Storytelling und Aristoteles hat er in einem lesenswerten Blog-Beitrag zusammengefasst : https://t.co/QV3aNAXOoE

Grafische Zusammenfassung von DATEV-Vortrag am 02. Juni 2016, BEEF4BRANDS München

Rollenwechsel: Wie sich Marken im digitalen Zeitalter positionieren müssen

Wofür die Agentur edenspiekermann steht, konnte Steven Cook nicht nur durch den sprachlichen, sondern auch durch den visuellen Teil seiner Präsentation, klar auf den Punkt bringen: Der Mensch steht im Mittelpunkt aller Kommunikations-Kampagnen.

Aufgrund der Globalisierung sind Begegnungen, aber auch Interaktionen zwischen Menschen viel einfacher als früher. Somit ist auch die Kommunikation einer Marke dort, wo die Menschen sind. Also überall. Dies hat aber auch zur Folge, dass Marken nicht nur mit ihren Vorteilen, sondern auch mit ihren Nachteilen überall auffindbar sind. Marken muss bewusst werden, dass sie überall und jederzeit von Menschen beobachtet werden.

Im Leben eines Menschen geht es immer um Beziehungen. Egal ob in der Arbeit oder in der Freizeit, Menschen bewegen sich immer in diesen von ihnen selbstbestimmten Kreisen. Damit eine Marke erfolgreich sein kann, muss sie laut Steven Cook, es den Leuten gleichtun. Sie muss sich über die Beziehung mit der eigenen Zielgruppe definieren und diese pflegen.

Alle Aspekte, die mit Content zu tun haben, müssen den Menschen oder viel mehr die Zielgruppe in den Mittelpunkt stellen. Content Creation, Content Advertisement, Content Distribution und Content Presentation dienen dazu, die Bedürfnisse und Probleme der Zielgruppe offenzulegen und dafür passende Lösungen bereitzustellen.

Viele Menschen sind der Informationsflut bereits überdrüssig. Aus diesem Grund vertreten einige Experten aus Marketing und PR die These, dass es bei Weitem nicht mehr ausreicht, nur Geschichten zu erzählen (Storytelling). Auch Stefan Schütz thematisierte dies in einem seiner Blog-Beiträge: Auf Geschichten / Worte sollen Taten folgen und aus diesem Grund aus Storytelling Storydoing werden. Es geht darum Marke …

„etwas zu tun, etwas zu schaffen, etwas in Angriff zu nehmen und einen Anlass zu bieten, über ein Thema zu sprechen, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und im wahrsten Wortsinn anders anzugehen.“

Auch Steven Cook steht für diesen Ansatz und animiert Marken dazu, Neues auszuprobieren und aussagekräftige Bilder zu liefern.

So schlussfolgerte Steven Cook, dass Marken die Distanz zur Zielgruppe nicht mehr wahren sollten. Vielmehr sollen sie Begegnungen schaffen, die für den Menschen einmalig und damit einprägsamer sind als bloße Werbung oder Storytelling.

Grafische Zusammenfassung von edenspiekermann-Vortrag am 02. Juni 2016, BEEF4BRANDS München

Das ist doch der Gipfel! Mammut und seine digitale Content-Strategie

Ich muss gestehen, dass ich mir für diesen Vortrag keinerlei Notizen gemacht habe. Es muss an Christian Gisi’s Vortragsweise gelegen haben. Der Head of Marketing Communications bei Mammut ging in seiner Präsentation der Frage nach, ob Content Marketing oder Marketing für Content die richtige Vorgehensweise ist. Anders als andere Marken in ihrem Segement, setzt der Hersteller von Bergsport-, Keltter-, Outdoor- und Schneesport-Ausrüstung in der Werbung auf eine Content-Marketing-Strategie. Und das seit vielen Jahren.

„Schöne Bergbilder können alle. Und gute Produkte können auch alle. Wir müssen einen Unterschied machen.“ Christian Gisi

Mammut sieht das Markenimage als Schlüssel für langfristigen Erfolg. Dabei werden emotionale Faktoren als wichtiger eingeschätzt als rationale Kriterien. Content ist der zentrale Faktor in der Kommunikation. Das Überraschende: Für Christian Gisi ist der direkte ROI irrelevant. Damit unterscheidet sich Mammut sowohl mit seiner Marketing-Strategie als auch als Marke erheblich von seiner Konkurrenz. Emotionale Bindung steht im Vordergrund.

Christian Gisi überzeugte aber nicht nur mit seinen Präsentationsqualitäten oder seiner Kreativität. Er begeisterte die #Beef4Brands-Teilnehmer vor allem mit der Auswahl an Inhalten, die Mammut für seine Werbungen in Zusammenarbeit mit der webguerrillas GmbH produziert. Im Vordergrund jeder Kampagne steht eine spektakuläre Geschichte, die sowohl von den Medien als auch von der Zielgruppe wahrgenommen, diskutiert und geteilt wird.

Zu den präsentierten Content-Pieces zählte eine Bilder-Kampagne zum Thema Nacktwandern …

… und ein erstaunliches 360° Video.

Weitere lesenswerte Artikel zur Marke Mammut:

Grafische Zusammenfassung von Mammut-Vortrag am 02. Juni 2016, BEEF4BRANDS München

Sprint oder Marathon-Lauf? THE DIGITALE mit der ISPO.com Messe zum Sport-Leitmedium

Peter Bilz-Wohlgemuth, Head of Concept Development, und Gunnar Jans, Chefredakteur Sport und Sport Business, stellten das neue Medium ISPO.com vor und zeigten, wie das Content-Marketing-Konzept und die Digitalisierungsstrategie der ISPO von THE DIGITALE umgesetzt wird.

Dabei setzt die Agentur bei seiner textuellen Arbeit auf redaktionelle Grundsätze. Denn nur so kann eine hohe Content-Qualität erzielt werden. Es überrascht also nicht, dass sowohl Gunnar Jans als auch Karsten Lohmeyer für THE DIGITALE gewonnen wurden. So kann die Agentur die an sich selbst auferlegten hohen Anforderungen an die Qualität der Text-Arbeit mit Leichtigkeit umsetzen.

Unternehmen können aufgrund ihrer Produkt- und Branchen-Wissen mitunter besser auf die Anforderungen, Probleme und Bedürfnisse der Kunden eingehen, als in vielen Fällen die Fach-Medien. Durch die regelmäßige Veröffentlichung von relevanten Beiträgen auf einer firmeneigenen Plattform können Unternehmen zu eigenen Publishern werden.

„Unternehmen erkennen, dass sie mit ihrer Marke zum Medium werden können.“ Gunnar Jans

Im Fall von ISPO.com haben THE DIGITALE und die Messe München einen bisher unbefriedigten Bedarf erkannt. Bisher gab es schlicht kein umfassendes Portal rund um Sportmessen, Hersteller und aktuelle Entwicklungen der Branche. Das neue Portal schließt damit eine Lücke und bietet Informationen — in hoher journalistischer Qualität — die über die Branche hinaus wirken.

So werden neben News-Meldungen auch umfassende Artikel auf dem Portal erstellt, die ein Thema vollständig abdecken und alle relevanten Aspekte aufgreifen. Diese Schwerpunktartikel werden kontinuierliche aktualisiert, wodurch sie zu ersten Anlaufstelle für (Such)Anfragen zum jeweiligen Thema werden.

Eine Strategie, die zu hohen Zugriffszahlen und noch größerer Sichtbarkeit des Portals führt. Die auf der BEEF4BRANDs ebenfalls thematisierten geringen Kommentarzahlen sind nur scheinbar ein Problem. Realistisch betrachtet sorgen die hohe inhaltliche Qualität und die umfassende Aufbereitung der Inhalte für eine hohe Leserbindung und einen positiven Übertrag auf die Marke und Messe. Das Ziel wird damit absolut erreicht.

Weitere lesenswerte Artikel zum Thema Unternehmen, Marke und Medium:

Grafische Zusammenfassung von THE DIGITALE-Vortrag am 02. Juni 2016, BEEF4BRANDS München

Storys muss man leben, nicht erzählen

Als Impuls jenseits der klassischen Markenwelt diente der Vortrag von Sina Trinkwalder. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von Manomama. Manomama fertigt Kleidung und Stofftaschen nicht nur in Augsburg, sondern nutzt dafür auch lokal und regional hergestellte Rohstoffe. Das Unternehmen setzt auf eine faire und wirklich nachhaltige Produktions- und Wertschöfpungskette und unterscheidet sich damit massiv von der sonstigen Textilbranche.

Sina Trinkwalder hat der Werbung vor Jahren den Rücken gekehrt und sich zum Ziel gesetzt, Jobs für Menschen zu schaffen, die sonst keine Chance haben. Da Augsburg ehemaliger Textilstandort ist, lag es nahe, in diesem Bereich zu beginnen. Und obwohl Manomama weder von der Politik noch von den Banken Chancen eingeräumt wurde, beschäftigt das Unternehmen heute zahlreiche Mitarbeiter und wächst seit Jahren.

Entsprechend praxisnah, pragmatisch und leidenschaftlich war Sina Trinkwalders Vortrag dann auch. Sie prangerte, und das völlig berechtigt, die Absurdität vieler Storytelling Ansätze an. Wenn Geschichten für Unternehmen und Marken erst erfunden und aufwändige inszeniert werden müssen, läuft etwas falsch.

Ihr Appell: Lebt eure Storys, dann braucht ihr kein Storytelling, keine Kampagnen und andere werden eure Geschichte erzählen. Ein Ansatz, den sie selbst mit Manomama lebt. Auf Blog, Facebookseite und Twitter wird genau dann kommuniziert, wenn es etwas zu erzählen gibt. Wenn nicht herrscht Sendepause. Ihre Kommunikation, so Sina Trinkwalder, gestaltet sie rein intuitiv. Das gilt auch für ihre Vorträge und öffentlichen Auftritte.

So inspirieren Sina Trinkwalders Vortrag war, so überzeugend ihre Aussagen klingen: Ein wenig Einordnung ist sinnvoll. Sie hat völlig Recht damit, dass erfundene und konstruierte Geschichten sinnlos sind. Viel besser ist es, gute Geschichten zu leben und es zu tun. Doch dann muss auch aktiv darüber gesprochen werden. Nicht jeder hat Sina Trinkwalders Sichtbarkeit und Kontakte und kann seine Geschichten von anderen erzählen lassen.

Gestaltet Sina Trinkwald ihre Kommunikation intuitiv? Ja, das glaube ich sofort. Doch ihre Intuition basiert auch auf jahrelanger Erfahrung in der Werbebranche. Eine Voraussetzung, die andere Unternehmen nicht haben. Eine rein intuitive Kommunikation ist daher nur sinnvoll, wenn die Grundlage dafür vorhanden ist.

Zu guter Letzt ist mir noch ein Moment im Gedächtnis geblieben. Sina Trinkwalder wurde gefragt, ob die Marke Manomama auch ohne die Marke Sina Trinkwalder bestehen könnte. Sina Trinkwalder antwortete darauf, dass das Unternehmen schon jetzt an mehr als 200 Tagen im Jahr ohne sie auskommen muss. Das ist richtig, beantwortet die eigentliche Frage jedoch nicht.

Manomama lebt als Marke und Proiekt in großen Teilen von Sina Trinkwalder und ihrer Personenmarke. Wenn Letztere wegbrechen würde, könnte das Unternehmen zwar weiterarbeiten, doch ob es auf Dauer die für die wirtschaftliche Existenz notwendige Sichtbarkeit hätte, wage ich zu bezweifeln. Manomama ist Sina Trinkwalder. Nicht in der täglichen Arbeit, wohl aber in der Wahrnehmung. Das zeigt aus meiner Sicht, wie wirkungsvoll — und wichtig — Marken tatsächlich sein können.

Grafische Zusammenfassung von Sina Trinkwalder-Vortrag am 02. Juni 2016, BEEF4BRANDS München

Twitter: Social Statements als Erfolgsformel

In seiner Session zeigte Sascha Welters, Head of Brand Strategy Twitter, wie wirkungsvoll Twitter-Kampagnen mit gesellschaftlichen Themen sein können.

Als Erstes stellte Sascha Welters das Mission-Statement von Twitter vor. Im Grunde geht es darum Menschen die Möglichkeit zu geben, Informationen und Nachrichten in Echtzeit und ohne Hindernisse zu erlangen.

Doch warum nutzen die Leute Twitter überhaupt? Laut Twitter, wird der Microblogging-Dienst von Usern verwendet, weil …

  • 59 Prozent auf der Suche nach Echtzeit-Updates sind.
  • 43 Prozent den Kanal ausgewählt haben, um sich mit 140 Zeichen bewusst kurz auszudrücken.
  • 38 Prozent mit anderen Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt treten können.

Da der Beitrag von Sascha Welters zum Themenblock „Haltung“ zählte, äußerte sich der Head of Brand Strategy auch zu diesem Thema. Für ihn ist Haltung keine Strategie. Haltung muss aus der Unternehmenskultur selbst heraus entstehen. Demnach transportiert Social Media die Haltung einer Marke — sie ist es nicht. Voraussetzung ist aber hierfür die Bereitschaft zur Interaktion mit einer Zielgruppe — mit anderen Menschen über die eigene Marke zu diskutieren.

„Ihr glaubt nicht, wie oft ich bei Firmen bin, die Social Media machen wollen, ohne mit Menschen reden zu müssen.“ Sascha Welters

Zu den internationalen Cases, die der Head of Brand Strategy präsentierte, zählten:

  • Ben & Jerry’s Haltung zum Thema Klimaschutz und #COP21
  • Dove’s Haltung zum Thema Diskriminierung in Social Media #speakbeauty
Quelle: The Dove #SpeakBeautiful Effect | See the impact of your words online, YouTube, DOVE US, 11.03.2016
  • Always und die Frage, wann die Aussage #LikeAGirl zu einer Beleidigung geworden ist
Quelle: Always #LikeAGirl, YouTube, Always US, 26.04.2016
„Twitter ist mehr als 140 Zeichen Text!“ Sascha Welters
Grafische Zusammenfassung von Twitter-Vortrag am 02. Juni 2016, BEEF4BRANDS München

BEEF Talk! Über Buzzwords und Definitionen

In der Abschlussrunde der Konferenz diskutierten Sascha Pallenberg von mobilegeek, Thomas Knüwer, Geschäftsführer und Gründer von kpunktnull, Sascha Welters, Sebastian Heinz und die beiden Moderatoren Christian Henne, Geschäftsführer MUNICH DIGITAL INSTITUTE und Daniel Hanke, Vorstand Klenk & Hoursch über Markenführung zwischen Werbung und Content Marketing.

Für Thomas Knüwer beginnt die Problematik bereits beim Begriff Content Marketing. Diese Art des Marketings existiert seit Langem, aber heute behauptet jeder es zu können.

„Werbung ist kein Content Marketing. Wir brauchen verlässliche Definitionen für die Begriffe.“ Thomas Knüwer

Für Sascha Pallenberg ist die klassische Bannerwerbung tot. Mobilegeeks „sei aus der Nummer raus“ und kennzeichnet Werbung als solche. Für ihn ist es wichtig, dass Unternehmen und ihre Kommunikatoren endlich Farbe bekennen, sich nicht hinter Buzzwords verstecken und Werbung beim Namen nennen sollen. Er ist der Überzeugung, gute Werbung wird gesehen.

Für Sebastian Heinz von FOODBOOM muss Werbung einen Mehrwert bieten. Er warnt davor, Kunden nicht für doof zu verkaufen. Denn sie erkennen Werbung. Aus diesem Grund steht für ihn eine gute Geschichte im Vordergrund.

Nach Sascha Welters Erfahrungen interessieren sich kleine und mittelständische Unternehmen weder für Content Marketing noch für Social Media. Deutsche Firmen stehen neuen Entwicklungen skeptisch gegenüber und wollen vorab wissen „Klappt das?“. Auch Sascha Welters kann ihnen diese Frage nicht beantworten.

Der digitale Bremsfaktor sind für Thomas Knüwer die Entscheider, die nicht digital und in Social Media unterwegs sind. In der Tat gibt es im Moment nur 3 Top-Manager, die über einen Twitter-Account verfügen — Irgendwie schockierend, nicht wahr?!

Was bleibt für Marketers und Kommunikatoren? Das Potenzial von nun an bessere Markenführung zu betreiben oder sie ggf. zu optimieren. Genügend Anregungen und Best Practices hat ihnen die Konferenz sicherlich gegeben.

Grafische Zusammenfassung von BEEFTalk-Vortrag am 02. Juni 2016, BEEF4BRANDS München

P.S: Der Hinterkopf, den Sie sicherlich auf einigen Bildern bemerkt haben, gehört zu Daniel Hanke,Vorstand Klenk & Hoursch. ;)