Bericht vom ersten Get-Together des Strohbloggers im S-House

© Erwin Krug / GRAT

Ich darf heute über meine erste erfolgreiche Veranstaltung als Strohblogger zum Thema Strohdämmung berichten.

Tun ist besser als überlegen und abwarten

Als ich den Termin für dieses Get-Together fixiert habe, war es anfänglich mein Ziel, Menschen, die bereits ein Strohhaus haben und welche die sich dafür interessieren einen Raum für Erfahrungsaustausch zu geben. Ich war mir damals gar nicht sicher, ob sich für diese Thema überhaupt genug InteressentInnen und vor allem auch StrohhausbewoherInnen finden würden. Rückblickend bin ich heute sehr froh darüber, dass ich für das Infotreffen Strohballenhaus einfach einen Termin ausgeschrieben habe, ohne mir noch lange über die Details der Veranstaltung den Kopf zu zerbrechen.

Obwohl es in Österreich sicher mindestens 500 Häuser mit Strohdämmung gibt, hatte ich in den ersten Wochen keine Anmeldung. Nach einem Gespräch mit Herbert Gruber vom ASBN habe ich das Konzept der Veranstaltung noch einmal adaptiert. Ich entschied mich den Fokus mehr auf potentielle Bauherren und -frauen zu richten, und zum geplanten Infoblock auch noch die Besichtigung unseres mit Stroh gedämmten Einfamilienhauses auf die Agenda zu nehmen. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten und es trudelten nach und nach Anmeldung ein. Schließlich hatte ich erfreuliche 20 Anmeldungen.

Doch 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn überkam mich dann noch einmal ein kurzer Zweifel, denn außer mir und den Kollegen von der GRAT war noch immer niemand da. Kurz war ich besorgt, ob überhaupt jemand auftauchen würde. Sehr erleichtert war ich als ein paar Minuten später die erste vermeintliche Besucherin durch die S-Housetür hereinkam. Die Dame stellte sich jedoch als Reporterin von den Niederösterreichischen Nachrichten vor und sagte sie wäre auf der Suche nach dem Strohblogger. Ich war verblüfft, denn noch bevor die ersten “wirklichen” BesucherInnen eingetroffen waren, sollte ich schon Publicity bekommen. Danach ging es allerdings Schlag auf Schlag, das S-House füllte sich und ich konnte mit meinem Vortag beginnen.

© Erwin Krug / GRAT

Als Bauherr und Bewohner eines mit Stroh gedämmten Hauses konnte ich bei der Veranstaltung meine Erfahrungen an ein interessiertes Publikum weitergeben. Weil ich ja sozusagen nur User und (noch) kein Experte für Strohdämmung bin, war ich allerdings auch sehr froh, dass ich bei der Beantwortung einiger Fragen Unterstützung von Dr. Dipl.-Ing. Robert Wimmer und seinem GRAT-Team bekommen habe.

Eine neue Wohnsiedlung mit Strohballenhäusern entsteht in Böheimkirchen

© Erwin Krug / GRAT

Im Rahmen einer Führung durch das S-House wurde seitens der GRAT auch ein brandneues Demonstrationsprojekt mit CO² neutralen strohgedämmten Wohngebäuden vorgestellt. Die Wohnsiedlung soll im Rahmen des Life Cycle Habitation Projektst realisiert werden. Das Projekt soll gleich neben dem S-House in Böheimkirchen entstehen, der Baubeginn ist bereits 2017, und potentielle zukünftige BewohnerInnen können sich schon heute anmelden.

Nach der S-House Führung erfolgte ein Ortswechsel in mein Strohgedämmtes Einfamilienhaus und die TeilnehmerInnen konnten einen Eindruck vom Leben im Strohballenhaus bekommen.

© Strohblogger

Was ich dazugelernt habe:

  1. Lebensdauer: Das älteste Strohballenhaus in Europa (Frankreich) wurde 1921 gebaut und ist heute 95 Jahre alt. Die ersten Strohballenhäuser wurden um 1900 in den USA im Bundesstaat Nebraska gebaut. Einige davon stehen heute noch. Polystyrol (EPS) wurde 1950 patentiert und mit dem breiten Einsatz als Dämm-Material hat man bekanntlich erst nach der Ölkrise, Mitte der 70er Jahre begonnen. Die nachgewiesene Lebensdauer eines Strohhauses ist heute somit rund doppelt so lang als beispielsweise für ein Haus, das mit EPS gedämmt wurde.
  2. Schimmelpilze und ihre Sporen sind praktisch überall in unserer täglichen Umgebung vorhanden. Die Konzentration darf aus gesundheitlichen Gründen ein gewisses Maß nicht übersteigen. Mikrobiologische Messungen der BOKU haben ergeben, dass die zulässigen Belastungen bei Strohdämmung deutlich unterschritten werden, und die Sporenanzahl im Stroh mit fortschreitender Zeit erfreulicherweise sogar noch weiter abnimmt.
  3. Wir brauchen noch mehr Menschen die mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Häuser mit Stroh dämmen. Es bedarf schon einiges an Entschlossenheit um ein Strohhausprojekt wider die vielen Unkenrufe wirklich umzusetzen, und so eine Veranstaltung bestärkt eine/n in diesem Vorhaben.
  4. Über das Thema Strohdämmung muss unbedingt weiter informiert werden. Das große Interesse der BesucherInnen motiviert mich an dem Thema weiter dran zu bleiben.

Wer war da?

© Erwin Krug / GRAT

Einige Besucherinnen und Besucher hatten schon konkrete Projekte in Planung oder auch schon in Arbeit. Andere wiederum überlegten noch und wollten Informationen einholen. Sehr gefreut hat mich Michael Palfi, der sich bei mir als der Lehmblogger vorgestellt hat, kennenzulernen. Michael hat ein innovatives Lehmputzverfahren mit Lieferung im Silo und höchsten Qualitätsansprüchen entwickelt. Auch die Gemeinde Böheimkirchen mit Umweltgemeinderätin Maggie Dorn-Hayden war vertreten. Eine Strohhausplanerin aus meiner Nachbargemeinde und einen Strohhausbewohner und Tech-Unternehmer aus Michelbach durfte ich ebenfalls kennenlernen. Leider konnte ich aufgrund des zeitlichen Rahmens nicht mit allen Teilnehmenden persönlich sprechen. Es freut mich aber sehr, dass so viele Menschen vor haben Stroh als Dämmstoff einzusetzen.

An alle Teilnehmende noch einmal ein ganz großes Dankeschön fürs kommen und für euer großes Interesse an meinem Thema!

Wie immer freue ich mich über Feedback von euch.

Don’t be shy, write me a comment or an email! strohbolgger@a1.net