Das größte Strohballen-Gebäude Österreichs entsteht jetzt mit Bürgerbeteiligungsmöglichkeit

GESA

Das Haus des Lernens, ein neues Heim für die Gemeinnützige Sanierungs- und Beschäftigungs-Gmbh (GESA) in St. Pölten, wird mit Stroh gebaut, und bietet BürgerInnen die Möglichkeit sich an einem nachhaltigen und sinnvollen Projekt zu beteiligen.

Als Strohblogger freut es mich natürlich immer sehr, wenn neue innovative Projekte im Bereich des Strohballenbaus entstehen. Momentan tut sich einiges in der österreichischen Strohballenszene.

Heute werde ich über ein wichtiges Leuchtturmprojekt berichten, das nicht nur durch seine innovative Bauweise neue Maßstäbe setzt, sondern auch durch sein Finanzierungsmodell.

In St. Pölten entsteht das erste dreigeschossige Strohballengebäude im Auftrag der GESA, einer Non-Profit-Organisation, die benachteiligten Menschen die Möglichkeit bietet einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Der mehrgeschossige Strohballenbau ist in Europa in den letzten Jahren bereits weit fortgeschritten. Deshalb freut es mich besonders, dass es nun auch in Österreich das erste Referenzprojekt zum mehrgeschossigen Strohbau gibt.

Auf der Gleichenfeier und im anschließenden Gespräch mit Johann Lechner, dem Geschäftsführer der GESA, habe ich einige Informationen über das Strohballengebäude und über das angestrebte Crowdinvesting Modell in Erfahrung bringen können.

Der Strohblogger auf der Gleichenfeier

©Strohblogger

Bei der Feier waren die zentralen Akteure des Projekts, wie erwartet anwesend. Empfangen wurden die Gäste von Johann Lechner, dem Geschäftsführer der GESA und dem beauftragten Architekten Martin Aichholzer.

Nach einer kurzen Ansprache von Johann Lechner und der anschließenden Weintaufe, gab es eine Führung von Martin Aichholzer, der Konstruktionsweise und das Raumnutzungskonzept des Objekts erläuterte. Sehr interessante Hintergrundinformationen lieferte auch Erwin Schwarzmüller der das Projekt bereits von Beginn an begleitet hat. Auch einige GESA-Mitarbeiter, die zukünftigen NutzerInnen des Gebäudes, waren bei der Führung dabei, und konnten einen ersten Eindruck ihrer neuen, gesunden und freundlichen Arbeitsumgebung bekommen.

Die Stimmung vor Ort, die ich wahrgenommen habe, war sehr positiv. Ich hatte den Eindruck, dass alle Teilnehmenden, unabhängig von ihrer Rolle, froh waren Teil eines so sinnvollen Bauprojekts sein zu dürfen. Diese anregende Stimmung übertrug sich auch auf mich und bestärkte mich wieder einmal am Thema Stroh „dran“ zu bleiben.

Die GESA…

©Strohblogger

…ist eine Non Profit Organisation die benachteiligten Menschen in eigenen Projekten beschäftigt, sie dabei auch ausbildet und damit den Weg in den Arbeitsmarkt öffnet. Das Team der GESA bietet Beratungsdienstleistungen und Schulungsprogramme an, und stellt in ihrer Kreativ- und Holzwerkstatt auch Produkte her, die im eigenen Verkaufsraum ausgestellt werden.

Die Ansprüche an ein neues Raumkonzept für die GESA waren also vielfältig und es galt unterschiedlichste Bedürfnisse ihrer NutzerInnen bei der Planung und Errichtung des neuen Projekts miteinzubeziehen.

Das neue Gebäude soll allen Mitarbeitern ausreichend Platz bieten und es wird Büros, Beratungsräume, Lehrwerkstatt und einen großen Sozial- und Veranstaltungsraum geben. Der Veranstaltungsraum soll auch externen Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt ist somit in dreierlei Hinsicht einzigartig und beispielhaft: Es ist innovativ, es ist nachhaltig und leistet einen sozialen Beitrag an die Gesellschaft.

Das Projekt

©Strohblogger

Das Haus des Lernens hat eine Nutzfläche von 1.235 m² auf 3 Geschossen und es werden 450 m³ Holz, 50t Lehm und 2.000 Strohballen verbaut. Für die absolut nachhaltige Bauweise werden möglichst regionale Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, welche keine Umwelt- und Entsorgungsprobleme verursachen verwendet. Es wird auch darauf geachtet, dass keinerlei Schadstoffbelastung entsteht und eine gesunde Umgebung für die Menschen in dem Gebäude geschaffen wird. Im Genehmigungsverfahren hat Stroh als Dämmstoff alle Auflagen erfüllt, und auch punkto Brandschutz gibt es trotz 3-geschossiger Bauweise keinerlei Probleme.

Die Wände sind aus Holz konstruiert und mit Stroh gedämmt, außen befindet sich eine Holzfassade und innen werden die Wände mit Lehm verputzt. In Teile der Dachkonstruktion und in schwer zugängliche Auskragungen wird völlig neuartig Stroh als Dämmung eingeblasen. Das Haus verfügt über ein intelligentes Beschattungs- und Lüftungs-System, das vor allem im Sommer eine Überhitzung vermeiden soll. Der Liftschacht ist eine Vollholzkonstruktion und muss aus Brandschutzgründen mit Rigips verkleidet werden. Auch die Böden sind intelligent und nachhaltig konstruiert. Es gibt keinen Estrichbeton, sondern es werden Holzböden aus der Region eingebaut und eine ökologische Schüttdämmung übernimmt den Lärm- und Wärmeschutz.

Das Haus des Lernens ein Beispiel für weitere Projekte in ähnlicher Größenordnung

Weil die Baukosten nicht wesentlich von einer herkömmlichen Bauweise abweichen, könnte das Haus des Lernens ein Musterprojekt für weitere Objekte zum Beispiel im gemeinnützigen Wohnbau sein. Viele Wohnungsprojekte in ländlichen Gemeinden sind genaue in dieser Größenordnung und Martin Aichholzer und das gesamte Projektteam haben bewiesen, dass auch solche Projekte äußerst erfolgreich realisiert werden können. Zu einem vernünftigen Preis könnte somit ganz leicht neuer gesunder Wohnraum geschaffen werden der noch dazu keine Umweltbelastungen für zukünftige Generationen verursacht.

Die Beteiligungsmöglichkeit

Jeder der sich an diesem Zukunftsweisenden innovativen, sozialen und ökologischen Projekt beteiligen möchte, kann das jetzt auch ganz einfach tun. Die GESA hat entschieden rund ein Drittel des Projekts über Crowdfinancing zu realisieren. Über qualifizierte Nachrangdarlehens haben Privatpersonen bis Ende Oktober 2017 die Möglichkeit ihr Geld in ein Strohballenhaus zu investieren. Ich denke das ist eine sehr interessante Anlagemöglichkeit mit recht hoher Sicherheit. Bei den aktuellen Sparzinsen ist das eine absolut überlegenswerte Alternative.

Hier die Eckdaten:

Mindestbetrag: 500€, Maximalbetrag: 50.000€
Verzinsung: 1% bei 3 Jahre Bindungsfrist, 1,5% bei 5 Jahre Bindungsfrist, bei 2% 10 Jahre Bindungsfist. Zinsen werden wahlweise jährlich ausbezahlt oder auf Wunsch auch am Konto gutgeschrieben.
Veranlagungsart: Qualifiziertes Nachrangdarlehen
Kündigung: Jederzeit möglich. Rückzahlung erfolgt innerhalb von 4 Monaten ab Kündigung.
Informationsblatt und Anmeldeformular können bei der GESA ab sofort angefordert werden: johann.lechner@gesa-noe.at oder office@gesa-noe.at oder telefonisch 02742/21169–130.
Link zur GESA-Webseite

Mein Follow Up beim Haus des Lernens:

Die Fertigstellung des Projekts ist für März 2018 geplant. Derzeit steht bereits die komplette Holzkonstruktion und es wird gerade die Strohdämmung eingebracht. Sobald alle Stroharbeiten erledigt sind, wird der Lehmputz an den Innenwenden aufgebracht und da werde ich voraussichtlich wieder dabei sein und natürlich auf meinem Blog berichten.

Und wenn du das nächste Mal deinen Bürgermeister triffst, vielleiht erzählst du ihm ja von dem beispielhaften Projekt in St. Pölten und fragst ihn sogar warum es in Eurer Gemeinde so etwas noch nicht gibt. Oder du schreibst mir gleich jetzt sofort hier einen Kommentar oder auch ganz persönlich ein E-Mail. Ich würde mich freuen!

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Links:

GESA
Martin Aichhozer MAGK Architektur
Erwin Schwarzmüller (FB)

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