Kick-off zum Strohballenhaus in Wien

Heute möchte ich über die Kickoff-Veranstaltung für ein Strohballenaus in Wien, im Coworking Space PARCADEMY |anders denken berichten. Hans-Peter Waldbauer und Peter Schubert wollen mit ihrer großartigen Initiative, im Wiener Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof, mit einer Baugruppe, ein Strohballenhaus mit 12 Wohneinheiten errichten. Eine Baugruppe (nicht zu verwechseln mit einer Baugrube :-) sind mehrere Personen die gemeinsam ein Wohnhaus errichten. Ein großes Haus also, mit vielen Baufrauen und -herren. Mitten in Wien soll das Haus aus Stroh, Holz und Lehm nach Passivhaus-Standard errichtet werden und anschließend auch möglichst autark betrieben werden. Derzeit ist es allerdings noch nicht fix, ob das Wohnhaus im Entwicklungsgebiet Nordwestbahnhof gebaut werden kann, weil der Umwidmungsprozess noch im Laufen ist. Wenn alles gut geht und der angestrebte Baurechtsvertrag an die Baugruppe vergeben wird, dann steht der Realisierung nichts mehr im Wege.

Warum ein Strohballenhaus in Wien?

Ein perfektes Raumklima mit den allerbesten gesundheitlichen Voraussetzungen waren immer Hans-Peters Wohntraum. Genau den gleichen Wunsch hegte seit langem auch der Architekt und Projektentwickler Peter Schubert und er war somit als der perfekte Projektpartner prädestiniert. Die zwei Initiatoren haben bereits viel Arbeit in die Vorplanung investiert und sind mit dem Kick-off Termin in der PARCADEMY nun erstmalig an die Öffentlichkeit gegangen um für weitere Baugruppen-Mitglieder zu werben. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Unter den Besuchern waren viele potentielle Interessenten für die Baugruppe und auch interessierte Fachleute aus den verschiedensten Bereichen, wie zum Beispiel die Expertin für autarkes Wohnen Theresa Steininger von www.wohnwagon.at.

Die Inspiration ein Strohballenhaus in Wien zu bauen hat Hans-Peter Waldbauer in Frankreich bekommen, als er erstmalig ein 7-Stöckiges Wohnhaus aus Stroh gesehen hatte. Das französische Projekt hat gezeigt, dass auch mehrgeschossiger Wohnbau in der Stadt mit den Baustoffen Stroh, Holz und Lehm realisierbar sind.

Das Projekt:

Bei dem Vortrag von Hans-Peter und Peter wurde der bisherige Planungsstatus des Projektes vorgestellt. In 6 Geschossen sollen 12 Wohneinheiten, Gemeinschaftsräume, wie Dachterrasse, Küche und Sauna untergebracht werden. Das Projekt soll auch leistbar sein und deswegen wird auf ein optimales Raumnutzungskonzept gesetzt. Das Konzept soll Gemeinschaft und gleichzeitig auch best mögliche Privatsphäre gewährleisten. Auf Balkone soll verzichtet werden, ebenfalls um die Kosten nicht in die Höhe zu treiben. Das Haus soll möglichst aus Naturbaustoffen mit wenig Primärenergieaufwand (=Energie die zur Herstellung eines Gebäudes nötig ist) hergestellt werden und im laufenden Betrieb weitest gehend autark funktionieren. Wie weit man dabei gehen kann, wird sich erst im Laufe des weitern Planungsprozesses unter der Einbindung von weiteren Baugruppenmitglieder zeigen.

Für mich als der Strohblogger war natürlich sehr interessant, dass auch hier bei einem sehr aufgeschlossenen Publikum die klassischen Stroh-Vorurteile ein Thema waren. Brandschutz, Ungeziefer und Pilzsporen wurden natürlich auch hier angesprochen. Das Thema “Stroh brennt wie Zunder” habe ich ja bereits in einem eigenen Artikel behandelt. Alle weiteren Fragen hat der Schweizer Architekt Werner Schmid sehr treffend auf seiner Homepage beantwortet.

Eine für mich neue Frage ist bei dem Kick-off ebenfalls aufgetaucht:

Kann man auch Biostroh für die Dämmung eines Wohngebäudes verwenden?

Weil diese Frage bei der Veranstaltung für meine Begriffe nicht “optimal” beantwortet werden konnte, habe ich dazu noch etwas recherchiert und mich mit zwei Experten des Baustroh-Produzenten, der Firma Sonnenklee ausgetauscht. Gleich vorweg kann ich sagen: Ja Biostroh kann ganz beruhigt als Baustoff und Dämm-Material verwendet werden! Es ist richtig, dass bei Stroh aus konventionellem Anbau durch den Einsatz von Fungiziden, die Schimmelpilze und ihre Sporen zum Großteil abgetötet werden. Möchte man Bio Stroh verwenden ist es wichtig, dass man ein paar Dinge beachtet. Schon vor der Ernte sollte ein Fachmann mit Erfahrung die vorherrschenden Bedingungen am Feld überprüfen. Das heißt die Erntefläche muss trocken genug sein und auch der Anteil von Beikraut darf nicht zu hoch sein. Des weiteren bietet zum Beispiel die Firma Sonnenklee die Möglichkeit das Stroh von Reststaub zu befreien, was die Sporen Anzahl noch weiter senkt. Zum Thema Schimmelpilze habe ich übrigens auch in einem meiner vorigen Artikel schon ein paar Informationen bereit gestellt. Zum Thema Bauen mit Biostroh bin ich auch auf einen aktuellen Artikel in der Presse gestoßen.

Zum Schluss möchte ich noch ein großes Lob für die Location, den Coworking Space PARCADEMY aussprechen. Es war großartig organisiert, inklusive spitzen Buffet und sogar ein Video wurde vom Vortrag aufgenommen und wird bald auf ihrem Youtube-Kanal bereitgestellt. Die Betreiber Philipp Rodleitner, Robert Stix und Felix Frey, ermöglichen mit ihrem Veranstaltungsprogramm anders denken, dass private Initiativen sich in einer professionellen und coolen Umgebung präsentieren können. Grandios!!

Die nächsten Schritte zum Strohballenhaus in Wien?

Die ersten zwei Baugruppentreffen sind bereits geplant. Interessenten können ab sofort über die Homepage www.field8.info mit den Initiatoren Kontakt aufnehmen.

Ja und natürlich freue auch ich mich wieder über jede Rückmeldung von Euch! Feedback oder Fragen wie immer einfach an contact@strohblogger.com senden!

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