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Warum mir Yoga und nicht Red Bull Flügel verleiht

Mein Tag als Yogini bei Peace Yoga Berlin

Text: Nadine Mittag
Fotos: Bettina Schönemann

Erst kürzlich habe ich beschlossen, meinem Leben mehr Slow Living zu verpassen. Slow Living, ihr wisst schon, der neue Trend für ein entschleunigteres, besseres Leben — so heißt es zumindest. Das bedeutet vor allem einen Rückzug aus dem Alltag, hin zu mehr Erholung und Selbstbestimmung. Das klingt doch extrem spannend und für mich nach einer echten Herausforderung, die es neben dem Job und anderen Alltagspflichten zu meistern gilt. Daher habe ich entschieden, mich in verschiedenen Slow Living-Bereichen wie Ernährung, Sport und Wellness auszuprobieren.

Auf Tuchfühlung mit Jivamukti Yoga

Den Anfang macht Yoga. Ja, ganz richtig gelesen. Ich, die eher Sportmuffel als Sporty Spice ist, habe mich im wunderschönen Yogastudio Peace Yoga Berlin zum ersten Mal auf die Yogamatte begeben und tollkühne Yogaübungen gemacht. Klingt unglaublich, ist aber wahr. Tja, was tut man nicht alles für Slow Living?! Eines schon mal vorweg: Es war mega anstrengend und wirklich schweißtreibend aber hinterher fühlte ich mich so entspannt wie schon lange nicht mehr, einfach himmlisch. Doch zurück zum Anfang.

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An einem Donnerstagmorgen machte ich mich ganz stolz mit meiner Eco Yogamatte, die mir freundlicherweise von ASANAYOGA, einem nachhaltigen Shop für Yogamatten, Yogakleidung und Meditationszubehör, zur Verfügung gestellt wurde, auf den Weg zu Peace Yoga Berlin, um an einer Jivamukti Open Class teilzunehmen. Laut meiner Recherche soll es eines der schönsten Yogastudios Berlins sein. Ich war mit Moritz, einem der Gründer und zertifizierter Jivamukti Yogalehrer, verabredet. Er sollte mir das Studio zeigen und mich ein wenig auf das vorbereiten, was da auf mich zukommt. Moritz entpuppte sich als äußerst netter und zuvorkommender Yogalehrer, der von Jivamukti Yoga mindestens genauso überzeugt ist, wie ich vom Konzept des Slow Living.

Für alle, die bislang nur wenig Erfahrungen mit Yoga gemacht haben: Das Jivamukti Yoga 1984 von den „Gurus“ David Life und Sharon Gannon entwickelt worden und vereint die physischen, philosophischen und spirituellen Aspekte des Yogas. Jiva bedeutet Seele, während Mukti für die Befreiung steht. Demnach geht es beim Jivamukti Yoga auch um die „Befreiung der Seele“. Dabei ist Jivamukti Yoga mehr als nur eine Abfolge von Körperübungen und zählt zu einer der neun international anerkannten Stile des Hatha Yoga. Es umfasst sowohl Übungen des klassischen Yogas als auch Meditation, das Singen von Mantren (Chanling) und das Studium uralter Texte.

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Moritz hatte mir als Testkurs die Jivamukti Open Class empfohlen. Die Jivamukti Open Class ist ein Kurs, in den jeder kommen kann, egal ob Yoga-Anfänger oder schon Fortgeschrittener. Das gute an dem Kurs ist, dass man in seinem eigenen Tempo üben kann und während der Übungen Unterstützung vom Yogalehrer bekommt. Die Asanas (Yogahaltungen) setzen sich aus unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zusammen, weshalb der Kurs für jedes Level geeignet ist. In diesem Kurs werden klassische Yogalehren modern in Bezug zu unserem Leben auf und neben der Yogamatte gesetzt. Singen, Atmen, Meditieren, Entspannen

Dass es sich bei dieser Methode um ein physisch und intellektuell herausforderndes und äußerst anregendes Yoga handelt, sollte ich sehr schnell merken. Voller Spannung wartete ich also mit zehn anderen Yogis und Yoginis in dem 120 m² großen Yogaraum auf den Beginn des Kurses. Zugegeben, nervös war ich schon. Die anderen Teilnehmer in dem Kurs sahen irgendwie alle wie Vollprofis aus. Was, wenn ich als Einzige die Übungen nicht auf die Reihe kriegen würde? Ok, ganz ruhig, du schaffst das, dachte ich.

Moritz, der Yogalehrer, begann auf einem Instrument zu spielen, dass aussah wie ein Akkordeon, sich aber anhörte wie eine Orgel. Als er seinen Mund öffnete und ich seine Wahnsinnsstimme hörte, war ich etwas überrascht. Er hätte gefühlt auch glatt Opernsänger werden können. Jedenfalls begannen wir, Mantras, heilige Verse, als Einstimmung auf die nachfolgenden Übungen zu singen. Danach folgten Atem-und Meditationsübungen, bevor wir mit den Asanas, den Körperübungen, begannen. Zur lockeren Einstimmung begannen wir mit dem Sonnengruß, eine Übung, die 12 Bewegungen impliziert und Körper, Geist und Seele aktivieren soll. Gar nicht so einfach, sich zwölf Bewegungen zu merken. Aber irgendwie schaffte ich es und der Sonnengruß gelang. Zwischen den nachfolgenden Übungen wie Fisch, Hund, Pflug, Dreieck, Bogen, Schulterstand, Krieger, Baum sowie Kopfstand und Rad, versuchte ich mich auf meine Atmung zu konzentrieren und nicht allzu verschwitzt und bekloppt bei den Übungen auszusehen. Schließlich wurde ich ja auch noch fotografisch für euch begleitet. Gott sei Dank konnte ich mich bei den Übungen auf einem Yogablock abstützen. Ich fragte mich, wann die Entspannung einsetzen würde. Doch bis ich die spürte, dauerte es heftige 90 Minuten und ich war mindestens einmal drauf und dran, aufzugeben. Mitten im „Krieger“ erinnerte ich mich jedoch wieder an das wohlbekannte Sprichwort „Was dich nicht umbringt, macht dich härter“, weshalb Aufgeben für mich keine wirkliche Option darstellte.

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Yoga ist wirklich eine wunderbare Erfindung. Klar, man muss sich darauf einlassen. Aber wenn man es tut, erfährt man eine dermaßen angenehme Wohltat für den Körper und die Seele, das kann man sich kaum vorstellen. Aller Anfang ist schwer, auch beim Yoga. Doch Übung macht den Meister. Nach ein paar Monaten hat man bestimmt den Dreh raus. Meine persönliche Lieblingsübung war eindeutig der Baum, denn da kann man nicht viel falsch machen und es sieht sehr nach professionellem Yoga aus. :-) Auch der Krieger, welcher den Körper kräftigen, das Durchhaltevermögen stärken sowie Mut fördern soll, sieht so toll aus, dass er es im Ranking meiner Lieblings-Yogaübung ganz nach oben schafft. Wie das klingt, meine Lieblings-Yogaübung! Ich hätte es wirklich nicht für möglich gehalten, doch mein erstes Mal Yoga war unglaublich entspannend und inspirierend. Ich habe mich so dermaßen fallen lassen, dass ich am Ende, als Moritz jedem Kursteilnehmer kurz den Nacken zur Entspannung massierte, beinahe eingeschlafen wäre.

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Ich habe mich ehrlich wie neugeboren gefühlt. Mit einem unglaublich guten Gefühl ging ich nach dem Yogakurs nach Hause. Ich hätte Bäume ausreißen können, so beflügelt fühlte ich mich. In dem Moment wurde mir klar, dass das keine einmalige Angelegenheit war.

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