Im Kontakt mit künstlicher Intelligenz

Gedanken zu KI. Was ist sie und was kann sie für unseren Alltag bedeuten?

Was ist künstliche Intelligenz:

Künstliche Intelligenz (KI) ist der Versuch menschliche Intelligenz computerisiert so nachzuahmen, dass ein Computer eigenständig in der Lage ist Probleme zu bearbeiten. Es fällt oft schwer genau zu definieren ab wann die Vorgabe der ‚Intelligenz’ erfüllt ist, da Intelligenz an sich eine weiche Definition ist. Thematisch unterschieden wird in der Wissenschaft zwischen der sogenannten starken und schwachen KI. Während die starke KI eine Intelligenz anstrebt, die kreativ nachdenken, Probleme lösen kann und über Bewusstsein und Emotionen verfügt, versucht die schwache KI lediglich konkrete Anwendungsprobleme zu meistern. Dies führt auch dazu, dass wir als Konsumenten meist schon (unbewusst) viele Erfahrungen mit schwacher KI gemacht haben, wohingegen die starke KI noch in der visionären Stufe feststeckt. Grundsätzlich gilt: context is key! Denn ohne ihren Kontext sind jedwede Arten von Daten nutzlos.

Künstliche Intelligenz im Alltag

Die Wahrscheinlichkeit im Alltag schon einmal mit einer Form KI in Kontakt gekommen zu sein ist groß. Vermutlich auch ohne sich dessen bewusst zu sein. KI ist standardmäßig teil von Suchmaschinen, Spracherkennung, maschinellen Übersetzungen, Datenanalysen, Texterkennung und Computerspielen wie auch dem Straßenverkehr. Mehr und mehr wird sie mittlerweile auch für den Kundenservice eingesetzt. Sei es als textbasierter Nachrichtendienst oder selbst im Telefonservice.

Es gibt immer wieder Studien, die zeigen, dass viele Konsumenten die Bots sogar gegenüber Menschen bevorzugen. Schlichtweg weil sie vorhersehbarer agieren und umgehender zur Verfügung stehen ohne an Bürozeiten gebunden zu sein.

Doch gerade im Bereich Kundenservice gibt es für KI noch einige Beschränkungen, da ein Programm bis jetzt nicht in der Lage sein wird eigenständig kreative Lösungen zu komplexen oder individuellen Problemen zu liefern. Allerdings erkennen gute Programme wann sie ihre Kapazität erreicht haben und werden einen an einen Menschen weiterleiten. Für die gängigen Probleme, die anhand ausführlichen theoretischen Wissens gelöst werden können, sind sie allerdings sehr hilfreich und auch nützlich um Menschen mehr Zeit zu geben sich mit wichtigeren und komplexeren Themen auseinanderzusetzen.

Amelia und Watson

Ein gutes Beispiel hierfür ist ‚Amelia’ von IPsoft. Sie wurde nach Amelia Earhart benannt und verwaltet im Moment unter anderem Handelsplattformen von Shell und einer der größten US Banken. Sie wird auch von einer japanischen Firma als Kosmetikberater verwendet. Sie führt tausende von Gesprächen zur selben Zeit auf der gesamten Welt in über zwanzig Sprachen. Entwickelt wurde sie durch IPsoft, einer Firma die Chetan Dube ein Mathematikprofessor der New York University vor zehn Jahren gegründet hat.

Amelias größter Konkurrent ist momentan Watson. Ein Computerprogramm von IBM. Es hatte 2011 besonders große Bekanntheit erlangt, als es in der amerikanischen Quizshow Jeopardy in drei Folgen gegen frühere Champions antrat und haushoch gewann. Der Computer war zum Spielzeitpunkt nicht mit dem Internet verbunden. Die spezielle Schwierigkeit bei Jeopardy ist, dass die als Antworten gestellten Aufgaben meist mehrdeutig formuliert sind und häufig eine Verknüpfung mehrerer Fakten benötigen dabei aber innerhalb von fünf Sekunden gelöst werden müssen.

Seit letztem Herbst hört man wieder mehr von Watson, da IBM kurz davor ist einen neuen Email Client zu veröffentlichen, der mit Hilfe von Watson das Format Email wieder handhabbarer machen soll. Verse Email soll unter anderem einen großen Teil der Vorsortierung der Emails übernehmen, sodass die Wichtigsten wieder obenauf sind und nicht in der Menge untergehen wie so oft der Fall. Der intelligente Sortierer dahinter wird Watson sein.

Kritik an künstlicher Intelligenz

Es gibt auch immer wieder negative Stimmen zur KI, die sich besorgt zeigen, dass viele Arbeitsplätze durch die intelligenten Programme wegfallen werden. Der Astrophysiker Stephen Hawking ging sogar vor kurzem so weit künstliche Intelligenz als eine potentielle Bedrohung für die Menschheit zu bezeichnen. „Da der Mensch durch langsame biologische Evolution beschränkt ist, könnte er nicht konkurrieren und würde verdrängt werden.“ Darüber ob dies wirklich der Fall sein wird, lässt sich zweifeln. Fest steht allerdings, dass Länder wie Indien, die eine große Industrie aufgebaut haben im Bereich des outsourcten Service sich Gedanken machen müssen wie sie diese erhalten oder umstrukturieren können, um auch in Zukunft im Geschäft zu bleiben.

Befürworter der KI sehen langfristig darin keine Gefahr, da ihr Argument ist, dass der Arbeitsmarkt in historischer Perspektive auch die Industrialisierung und Digitalisierung gut überstanden hat, da mit neuen Technologien auch neuartige Jobs geschaffen werden. Die Hoffnung ist, dass KI Programme uns letztendlich mehr Zeit verschaffen und auch Ruhe um uns die wesentlichen Dinge zu kümmern.

Wie geht es weiter

Der größte Fortschritt wurde 2014 vor allem im Bereich des sogenannten vertieften Lernens erzielt. Dieses konzentriert sich häufig auf Bilder. Diese sind einfach zu verstehen für einen Menschen, aber sehr schwer zu entziffern für eine Software. Forscher der Firma Facebook waren in der Lage ein System zu erstellen, dass fast so gut wie ein Mensch erkennen konnte ob ein auf zwei verschiedenen Fotos dargestellter Mensch dieselbe Person ist.

Diese Entwicklung allein sollte uns dazu anregen unsere Instinkte im Bezug auf Privatsphäre zu verändern. Die amerikanische Polizei nutzt heutzutage schon Youtube Videos um lokale Gangs im Auge zu halten oder um eine Drogenrazzia zu rechtfertigen. All dies geschieht momentan noch manuell, aber könnte in den nächsten Jahren vollautomatisiert geschehen und dadurch auch umfangreicher sein. Dies hat viele Vorteile, birgt aber auch die Gefahr dass alle Bilder von uns, egal ob selbst ins Netz gestellt und mit unserem Namen im Kontext oder nicht und egal aus welchem Kontext, mit der eigenen Person verbunden werden können und abrufbar sind.

Originally published at www.teleforwarding.de on March 19, 2015.

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