Die Farce, es allen Recht machen zu wollen

Ich habe sowohl privat als auch beruflich schon den ein oder anderen negativen bis beleidigenden Kommentar bezüglich dem, was ich tue, abbekommen, und ziemlich sicher kennst du das auch. Dem einen passt die persönliche Arbeitsweise nicht, der andere hätte das Problem ganz anders gelöst und wieder einem anderen passt sowieso nichts von dem, was man tut.

Früher war dieser Umstand ein großes Problem für mich. Ich bin ein sehr friedensbedürftiger Mensch, und jede Form von Konflikt bereitet mir sehr schnell Magenschmerzen. Ich habe nach bestem Willen versucht, jedes Problem so gut es nur ging so zu lösen, das alle anderen damit zufrieden sind und ich den Bedürfnissen aller anderen gerecht werde.

Heute weiß ich, dass das unmöglich ist.

Es allen recht machen zu wollen, ist eine Farce. Das funktioniert möglicherweise in einem kleinen Team mit wenigen Kollegen oder in einer Partnerschaft, aber nicht für den Rest der gesamten Menschheit. Gerade Menschen, die ein großes Publikum besitzen, werden diesem Anspruch niemals gerecht.

Das aktuell für mich persönlich passendstes Beispiel ist das kommende Videospiel Resident Evil 7. Diese Videospielreihe hat eine lange Tradition und schlug in den letzten Jahren vermehrt unterschiedliche Richtungen ein. Angefangen als Survival-Horror mit festen Kamerawinkeln hat sich die Reihe bis heute zu einer schieren Action-Orgie entwickelt. Vielen Spielern passte diese Entwicklung ganz und gar nicht, und mit dem kommenden siebten Teil der Reihe schlägt Entwickler Capcom erneut einen anderen Weg ein: der alte Survival-Horror von früher, gepaart mit moderner Technik und einer beklemmenden Ego-Perspektive.

Doch selbstverständlich sind auch damit nicht alle glücklich. Die einen wollen wieder mehr Action, die anderen halten nichts davon mehr für die Marke Resident Evil.

Würde nun Capcom versuchen, es allen potentiellen Gamern recht zu machen, so würden sie kein neues Spiel dieser Reihe jemals mehr auf den Markt bringen: es ist schlicht unmöglich. Ein beklemmender Psycho-Horror mit ausufernden Action-Elementen, einer packenden Story, neuen und zugleich altbekannten Charakteren in einer neuen und zugleich altbekannten Welt? Nein, das ist nicht möglich, weil Capcom hier Gegensätze bedienen müsste, die nicht zu bedienen sind.

Und so ist es mit allem, was auch wir tun.

In meinem Fachbuch Apps für iOS professionell entwickeln achte ich darauf, die grundlegenden Techniken und Methoden zur App-Entwicklung vorzustellen, ohne alle verfügbaren Funktionen und Frameworks aufzuführen und zu erläutern. Dieser Fokus ist mir wichtig, und der Großteil meiner Leser scheint damit auch sehr zufrieden und glücklich zu sein (wenn man den Amazon-Bewertungen und Reviews im Internet Glauben schenken darf). Dennoch hagelt es natürlich auch bisweilen Kritik, in der dieser Ansatz als schlecht und unbequem befunden wird. Auch für mein zweites Fachbuch Swift im Detail gab es teils minderbemittelsten (sorry, aber es ist so) Spott und Häme im Netz, in der ohne jede Sachlichkeit Aussagen fallen wie „Hätte man aus dem Papier des Buches doch lieber Klopapier gemacht“. Ich wolle mich nur wichtig machen war ebenfalls eine der absurd traurigen Aussagen, ausgerechnet von einem älteren Autorenkollegen, von dem ich ein wenig mehr Hirn erwartet hätte.

So etwas ist verletzend und kann einen ernsthaft an dem eigenen Tun (ver)zweifeln lassen. Ich habe aber gelernt, dass all diese Aussagen Dritter letzten Endes absolut unbedeutend sind. Jeder Mensch hat andere Ideen und Vorstellungen von diesem Leben und wir können unmöglich erwarten, mit etwas, das wir tun, allen anderen gerecht zu werden. Vielmehr ist es wichtig, dass wir selbst zu 100% zu dem stehen können, was wir leisten, und dass wir stolz darauf sind. Denn nichts ist schlimmer, als sich für die Meinung anderer zu verbiegen und etwas zu tun, was wir womöglich selbst gar nicht so vertreten. Denn auch dann wird es Kritik geben — nur von einer anderen Seite. Und wenn wir dann nicht einmal selbst hinter dem stehen, was wir da getan haben, weil wir uns von den Stimmen anderer haben leiten lassen, ja, dann ist die Situation wahrlich traurig und unangenehm.

Entweder glauben wir an das, was wir tun, und können das auch stolzen Hauptes nach außen hin vertreten, oder wir sollten es lassen. Die subjektiven Meinungen anderer sind nämlich genau das: subjektiv. Andere wissen es prinzipiell eben nicht besser oder können es besser, sie schreien einfach nur am lautesten. Wenn es auch nur einen Menschen gibt, der mit unserem Tun zufrieden ist, dann haben wir eigentlich schon unser Ziel erreicht. Denn wenn es einem Menschen gefällt, dann kann es noch vielen vielen anderen gefallen.

Und wenn wir selbst nur dieser Mensch sind, sollte das schon ausreichen und uns stolz genug machen.

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