Die AKWs der IT

Der Atomausstieg ist lt. Bundesregierung beschlossene Sache und soll bis 2022 erfolgen. Lohnt es sich daher noch Kernenergietechnik zu studieren? Die Antwort lautet, vielleicht überraschenderweise: Ja! Unabhängig WIE man zum Thema Kernkraft steht, es ändert nichts daran, dass uns die Meiler (und insbesondere deren Altlasten) noch eine ganze Weile begleiten werden.

Quelle: Eigene Aufnahme (übrigens NICHT von einem AKW ;-)

Und hier folgt nun der äußerst elegante Übergang zum Thema „Datenhaltung“:

Anfang der 90er entwickelten Unternehmen wie Microsoft und IBM Software, von der anfangs allem Anschein nach (und durchaus im Gegensatz zu AKWs) nicht zwingend ausgegangen wurde, dass sie seitens der Kundschaft eine wirkliche Relevanz erhalten sollten. Die Sprache ist von „MS Access“ und „Lotus Notes“. Besonders bei Banken kam Lotus Notes zum Einsatz und befindet sich dort teils heute noch im Einsatz. MS Access findet von kleinen über mittlere bis zu großen Unternehmen ebenfalls noch reichlich Verbreitung. Das liegt durchaus nicht daran, dass es sich um „moderne Software“ handelt, sondern einfach daran, dass hier mit bestechend einfachen Methoden „quick and dirty“ eine Datenbank erstellt werden konnte (bzw. kann), wobei unbedingt anzumerken ist, dass es sich hier nicht um Datenbanken „im klassischen Sinne“ handeln würde, sondern wohlgemerkt um Dateien. Jedem IT-ler ist der Unterschied durchaus bekannt. Gerade im Zuge der EU-Sicherheitsregularien, die in den nächsten Jahren an Bedeutung zunehmen dürften, stellt das mittelfristig ein Problem dar. Lohnt es daher noch, sich in Access und/oder Lotus-Notes auszukennen? Auch hier lautet die Antwort, vielleicht überraschenderweise: Ja!

Genauso wie bei AKWs werden die unendlich vielen Access- (und auch Excel-) Dateien noch unendlich lange in Abklingbecken vor sich hin-strahlen und Daten führen, die sukzessive konvertiert werden müssen. Dazu müssen allerdings andere Systeme entwickelt werden und bis es soweit ist, können diese Daten auf keinen Fall einfach gelöscht werden.

Im Grunde sind mittelfristig alle Speicherungen von schützenswerten Daten den Sicherheitsrichtlinien anzupassen. Das ganze Dateiverfahren ist Datenschützern ein Graus. Wie soll denn auch auf diesem Wege sichergestellt werden, dass z.B. Daten von Bewerbern, die nach einem bestimmen Zeitraum „zu verschwinden haben“ auch wirklich rückstandsfrei gelöscht werden? Wie sollen Daten, die in Datenbankdateien lungern mit adäquatem Aufwand (Zeit UND Kosten) in sichere Systeme überführt und administriert werden? Das wird wohl noch ein Weilchen auf sich warten lassen und bis dahin glühen MDBs und ACCDBs weiter munter vor sich hin und irgendjemand muss sich auch weiterhin damit auskennen.

Es sei denn, die Bundesregierung (oder das EU Parlament) beschließt die Abschaltung bis zum Tag X (z.B. dem Sanktnimmerleinstag)

Show your support

Clapping shows how much you appreciated Thorsten Lieder’s story.