ARBEITSVERTRAG — NEW WORK-KONFORM!

Sonja Jacinto
Sep 3, 2018 · 5 min read

Könnt ihr euch noch an euren ersten Arbeitsvertrag erinnern, als ihr vielleicht noch nicht in einer Personalabteilung gearbeitet habt? War er für euch verständlich? Ich habe mich immer gefragt, ob er wirklich von jedem Mitarbeiter gelesen wird. Ob alle Inhalte, die sich darin befinden, gültig sind und von jedem verstanden werden. In meiner Arbeit als Sachbearbeiterin in der Personalabteilung eines Konzerns, habe ich mich immer auf unsere Anwälte verlassen. Aber ich wundere mich noch heute, dass diese schwerverständlichen Dokumente von Arbeitnehmern ohne Nachfragen unterschrieben werden. Ist es ihnen wirklich egal? Naja, sind wir mal ehrlich, wir klicken im Internet auch ganz oft OK ohne das Kleingedruckte gelesen zu haben. Meist haben wir Glück und haben keine Waschmaschine gekauft. Jetzt bei cosee nerven mich diese Arbeitsverträge. Wir sagen von uns, dass wir new work konform arbeiten und kommen dann mit einem Mamutvertrag um die Ecke, den keiner versteht. Vor allem sind viele Inhalte nicht so, wie wir sie tatsächlich leben. Widerspricht sich hier Arbeitsrecht und Realität!? Als Verantwortliche der Personalabteilung (Teilbereich der Tinkas) habe ich Bauchweh, solche Arbeitsverträge auszuhändigen.

Vor zwei Jahren nahm ich an einer Fortbildung Arbeitszeitrecht teil und merkte schnell, dass ich die Anwältin, welche die Fortbildung gab, mit meinen Fragen überforderte. Sie wunderte sich darüber, dass wir als Arbeitgeber nicht die Mitarbeiter ausbeuten oder unnötige Regeln aufstellen wollen. Der Gedanke, dass man Mitarbeiter glücklich macht, Freiheiten bietet und das Arbeitsleben und -Umfeld angenehmer gestaltet, war ihr fremd. Meine Ideen, dass man Arbeitszeit auf Abruf andersherum anbieten könnte, ließen sie nur den Kopf schütteln. Ich erklärte ihr, dass es doch nicht immer auf lange Sicht planbar sei wie viel man arbeiten möchte und es für den Mitarbeiter angenehm wäre, mal 30 oder 35 und dann wieder 40 Stunden die Woche zu arbeiten ohne ständig den Arbeitsvertrag anzupassen. Auch bei anderen Kontakten mit Anwälten merkte ich schnell, dass lösungsorientiertes Handeln und Denken keine Eigenschaft waren, die diese Anwälte mit sich bringen. Meist muss man als Unternehmen einen Vorschlag machen, um dann zu hören: „Nein, so geht das nicht. Machen Sie einen anderen Vorschlag.“

Letztes Jahr lernte ich dann zufällig Britta Redmann (Rechtsanwältin, welche sich auf Arbeitsrecht und New Work spezialisiert hat) kennen. Ich hatte vorher ihr Buch „Agiles Arbeiten im Unternehmen“ gelesen und war begeistert. Für mich war sie die erste Anwältin, die ich kennenlernte, die Agilität versteht. Wir verabredeten uns auf einen Kaffee auf der Personalmesse Zukunft Personal in Köln. Ich wollte feststellen: Denkt sie wirklich so lösungsorientiert? Was denkt sie über einen Arbeitsvertrag, der Agilität und deutsches Recht vereint und dazu noch von jedermann verstanden werden kann. Unser Gespräch war super interessant und ich fuhr mit dem Wunsch nach Hause, diesen Arbeitsvertag möglich zu machen.

Die Vorstellung dadurch mehrere Unternehmen kennenzulernen, die agil arbeiten, aber doch jedes für sich eine andere Denke bezüglich der Vorteile für Mitarbeiter hat, faszinierte mich. In einem Workshop könnte man beispielsweise vier verschiedene Urlaubsmodelle erarbeiten, die wie Bausteine in einem Arbeitsvertrag eingesetzt werden können. Je mehr Unternehmen daran teilnehmen, um so interessanter wird es für jedes Unternehmen. Allein die verschiedenen Arbeitszeitmodelle oder die Orte an welchen gearbeitet werden darf, bieten jede Menge individuelle Bausteine. Mit dieser Vielfalt hat man ein breites Angebot, um für Bewerber und Mitarbeiter attraktiv zu sein. Der Gedanke an den Mehrwert für alle begeistert mich. Zusätzlich kann man sich die Kosten teilen, so dass ein individueller Arbeitsvertrag aus vielen verschiedenen Bausteinen erschwinglich für alle wird.

In einem Telefonat erklärte ich Britta, wie ich mir so einen Workshop vorstelle. Unsere Ideen sprudelten nur so. Wir legten erste Rahmenbedingungen und zwei Termine fest. An dem ersten Termin Ende April trafen Britta und ich uns in Köln, um die Inhalte des Workshops, der am 17. Oktober 2018 stattfinden soll, zu erarbeiten. Meine Schwester war so nett und hat uns ihre Küche als Arbeitsort zur Verfügung gestellt. Mit Post-its und unserer cosee-Storyline Vorlage ausgestattet, gingen wir ans Werk. Wir schauten uns an, welche Punkte in einem Arbeitsvertrag stehen müssen und welche davon veränderbar oder anpassbar sind. Diese Punkte wollen wir dann im Workshop mit den Teilnehmern individuell erarbeiten. Wir skizzierten einen Zeitplan mit Rücksicht auf die Komplexität der einzelnen Themen. Nach fast 7 Stunden Austausch, Lachen und intensivem Arbeiten hatten wir einen coolen Workshop vorbereitet. Ich bin mit sehr viel Energie und positiver Stimmung nach Hause gefahren. Ich glaube, Britta ging es ähnlich.

Wieder im Büro musste ich mir nun überlegen, wie ich das Ganze vermarkte. Denn dieser Workshop lebt nur von der Vielfalt und den Ideen der Teilnehmer. Mit unseren Marketinkas und Webdesignerinnen wurde die Campus Seite von cosee überarbeitet, neue Fotos gemacht und Texte geschrieben. Wir versuchen auf Xing, Facebook und Twitter den Workshop zu bewerben. Auf jeder Veranstaltung, die ich bis jetzt besucht habe, versuche ich Unternehmen, oder besser gesagt Personaler, dafür zu begeistern. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass nur cosee sich einen neuen agilen minimal viablen Arbeitsvertrag wünscht.

Bei cosee unterstützen wir den crossfunktionalen Gedanken und möchten diesen auch auf HR ausdehnen. Wir arbeiten bereits in cross-funktionalen Teams und binden die Teams in unsere HR Arbeit mit ein. Das heißt, es sind immer ein oder zwei Mitarbeiter aus den Teams bei einem Vorstellungsgespräch dabei. Sie helfen bei den Inhalten für unsere Stellenausschreibungen mit. Sie entscheiden ob Bewerber eingeladen werden und wer eingestellt wird. Somit wäre der nächste Schritt, diesen leicht verständlichen Arbeitsvertrag in Form von Bausteinen zur Erstellung in die Teams zu geben. Daher wird Britta aus den Ergebnissen des Workshops Bausteine bauen, mit denen man einen gültigen Arbeitsvertrag erstellen kann. Welche Prüfschleife es geben wird und wer unterschreiben darf klären wir noch.

Vielleicht habt Ihr Interesse und wollt mit machen? Dann meldet Euch bei mir oder direkt über cosee.biz/workshops an. Ich freue mich, Euch und Eure Ideen kennenzulernen!

quirlig, lebhaft, kreativ, agil, empathisch… mehr über mich hier: https://about.me/sonjajacinto

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