Wie wurde ich zur Tinka? Oder was ist eine Tinka?

Im letzten Teil habe ich beschrieben, wie ich festgestellt habe, dass ich agil arbeite und mit der Frage nach dem Warum aufgehört. Warum stehe ich morgens auf und gehe zur Arbeit? Ich arbeite, weil es mir Spaß macht, weil es mein Leben finanziert, mir die Chance gibt, mich weiter zu entwickeln und weil ich tolle Menschen um mich habe, die mir soziale Sicherheit geben. Damit ich dies jeden Tag tun kann, muss es der Firma gut gehen. Was benötigt es dafür? KUNDEN, die zufrieden sind und deren Bedürfnisse erfüllt werden. In der Regel muss bzw. soll das alles sehr schnell geschehen. Dafür benötigen die Mitarbeiter die richtigen Werkzeuge und vor allem die richtige Einstellung. Hierfür ist eine Grundvoraussetzung, dass die Mitarbeiter sich bei der Arbeit wohlfühlen. Nur jemand der gerne tut, was er tut, macht einen guten Job. Denkt daran, wenn ihr etwas nicht gerne macht, wie viel Kraft und Willen es fordert, sich zu überwinden. Das Ergebnis ist meist nicht zufriedenstellend. Während wenn euch etwas interessiert und ihr Spaß daran habt, kommt ein gutes Ergebnis raus. Viele Unternehmen haben reagiert und Feel Good Manager oder Büro Omas und Opas eingestellt. Massagen und Tischkicker stehen den Mitarbeitern in zahlreichen Start Ups zur Verfügung. Das können wirksame Maßnahmen sein, um das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern, jedoch arbeiten diese Unternehmen noch lange nicht agil. Wie finde ich die richtigen Werkzeuge, damit sich meine Mitarbeiter wohlfühlen und gute Arbeit leisten?

Ich halte ihnen den Rücken frei, frage sie, was sie brauchen, binde sie in Entscheidungen ein, gebe ihnen das notwendige Wissen, damit sie Entscheidungen fällen können, lasse sie aus Fehlern lernen und helfe ihnen, den richtigen Weg zu finden. Ich baue Vertrauen auf, höre zu, gebe Ratschläge und schaffe Transparenz. Dies bedeutet natürlich gleichzeitig, dass ich mehr Arbeit habe. Oft ertappe ich mich bei diesem Gedanken, allerdings führt er nicht zum richtigen Ergebnis, dass der Mitarbeiter eigenverantwortlich und selbstbewusst handelt. Sowie Kinder ebenso lernen müssen, eigene Schritte zu gehen und dies erfordert Geduld, Vertrauen und Offenheit. Offenheit tut oft weh und es ist nicht einfach, ehrliches Feedback zu geben. Feedback ist anstrengend für den Sender sowie den Empfänger. Aber nur aus diesem Feedback können beide lernen und sich weiterentwickeln. Eine gesunde Feedback- und Fehlerkultur schafft Vertrauen. Klar, ich habe manchmal das Gefühl, dass ich den Mitarbeitern den Rücken freihalte und dies ausgenutzt wird, wodurch ich mich wie eine Erzieherin im Kindergarten fühle, da plötzlich die leichtesten Aufgaben bei mir landen. Zum Beispiel finden Mitarbeiter in einem aufgeräumtem Schrank keine Kugelschreiber oder sind mit einer Essensbestellung überfordert oder können keine Papierhandtücher nachlegen und so weiter. Es gibt zahlreiche Beispiele. Wir Menschen sind bequem und geben Verantwortung gerne an andere ab. Der Grat zwischen Rücken freihalten und Verantwortung an die Mitarbeiter delegieren ist sehr schmal. Je mehr Aufgaben ich übernehme, umso selbstverständlicher wird es für die Mitarbeiter diese abzugeben und somit auch die Verantwortung dafür. Die Mitarbeiter verlieren hierdurch vor allem das Gefühl, was sich hinter den einzelnen Arbeitsschritten verbirgt — Warum tue ich das eine und das andere nicht und wieviel Zeit investiere ich dafür? Somit ist hier Transparenz ebenso das A und O. Wenn das Team beispielsweise entscheidet, dass ich eine Aushilfe benötige, müssen die Einzelnen verstehen, warum. Nachfolgend soll es vorerst nur um das Warum gehen und noch nicht um das Wie, über das ich in einem späteren Blog Post berichten möchte.

Diese Tätigkeit geht weit über die einer Office Managerin hinaus. Auch Assistenz der Geschäftsführung ist nicht der richtige Titel. Vor fünf Jahren, wurde ich als Assistenz der Geschäftsführung bei cosee eingestellt. cosee ist allerdings sehr schnell gewachsen und irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich die vielen administrativen Aufgaben nicht mehr alleine bewältigen konnte. Buchhaltung, Controlling, Einkauf, Personalabteilung, Bewirtung, Empfang, Eventorganisation, Marketing, Office Management, ein offenes Ohr und vieles mehr zählen zu meinen Aufgaben. Wie schreibe ich nun eine solche Stelle aus? Und suche ich eine Assistenz für die Assistenz der Geschäftsleitung?

Eine Freundin unterstützte mich vorerst auf Minijob-Basis und ich habe ihr den Job letztendlich in Vollzeit angeboten. „Problem fürs Erste gelöst“, dachte ich. Aber es stellte sich schnell heraus, dass wir keine klare Aufgabenteilung wollen, denn sonst ist eine gegenseitige Urlaubsvertretung nicht möglich. Uns ist zusätzlich klar geworden, dass wir ein Team bilden müssen und neue Job-Titel brauchen.

Da sie großer „Tinkerbell“-Fan ist und mir die Welt der „Tinker“ auch bekannt ist, kamen wir darauf, dass wir genau diese Tinker in unserer Firma sind. Die Tinker-Feen aus Walt Disney sorgen dafür, dass die Natur im Gleichgewicht bleibt und es vier Jahreszeiten gibt. Übersetzt in die cosee-Welt heißt das, dass wir Dinge wieder in Ordnung bringen, wir uns um unsere Mitarbeiter kümmern und cosee im Gleichgewicht halten. Wir sorgen dafür, dass unsere Mitarbeiter einen guten Job machen und verlieren dabei das Unternehmensziel nicht aus den Augen. cosee-Ziel ist es, so viel Geld zu verdienen, dass wir uns weiterentwickeln, mit spannenden Dingen beschäftigen und wir den Spaß dabei nicht verlieren.

Da wir Disney nicht kopieren möchten, haben wir aus Tinker den Eigennamen „Tinka“ kreiert. Das Tinka-Team bei cosee besteht mittlerweile aus vier Feen und wir haben das Glück und gleichzeitig den Luxus, dass wir Freude an unserer Arbeit und in unserem Team haben!

Für euch hört sich das an wie im Märchen? Ein kleines bisschen surreal? Vielleicht sind wir ja der Beweis dafür, dass wir Spaß bei der Arbeit haben.

Wie unsere Geschichte weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Post. Denn auch wir müssen uns ständig weiterentwickeln, stoßen auf manche Herausforderung oder uns passieren Fehler, aus denen wir lernen.