Der Tatort und die häßliche Fratze der Digitalisierung

by Geralt/Pixabay

Endlich. Jetzt hat die Digitalisierung den Sonntagabend erreicht. Im Ersten, beim Tatort. Beim Stuttgarter Saison-Start in die neue Saison ging es gestern um Big Data, Algorithmen, um Artifical Intelligence und um künstliche Emotionen. Und dass Technik tötet.

Und natürlich um Tote (Vorsicht, Spoiler folgt). Am Ende wurde die Schauspielerin, die ihr Gesicht, ihre Stimme und ihre Emotionen für die virtuelle Rezeptionistin verkaufte, nicht durch die Technik, sondern “nur” von ihrem eifersüchtigen Freund getötet. Der Andere (Software-Entwickler) aber, wurde von seiner Schöpfung, Bluesky (im Film als virtueller Neandertaler dargestellt), der sich selbständig gemachten Software des hippen Start-ups zuerst in den (Verfolgungs-)Wahnsinn und dann in den Tod getrieben.

Eigentlich cool. Ein uraltes Krimi-Format zeigt sich technisch auf der Höhe der Zeit (wenngleich die beiden Kommissare und ihr Team da zeitweise ziemlich hinterher hinkten). Aber: Am Ende ist alles gut, die klassische German Angst vor der Digitalisierung hat jetzt seinen Tatort gefunden.

Angereichert mit Zwischentiteln die sich aus Buchtiteln von Kafka ergaben, war dieser Tatort vielleicht der perfekte Spiegel, der uns dafür vorgehalten wurde. Technologie ist böse (tötet), sieht uns überall (Handy tracking, The Circle von Dave Eggers lässt schön grüßen), nimmt uns die Arbeit weg (zumindest, wenn man Rezeptionist/in bei einem Start-up sein möchte) und am Ende regiert und manipuliert sie die Welt.

In 90 Minuten kein Platz für das Gute der Digitalisierung. Für die tollen Chancen und Möglichkeiten, die sie schon heute bietet und uns zukünftig noch bieten wird. Schade.

Was bleibt? Ein Spruch:

“Brille und Bart, so sehen “die” heute alle aus. Wie meinen?”

Wer sind “die”?