Bastille Day

Solide Actionfilme sind im Moment rar gesät. Entweder leiden sie darunter, kein Budget zu haben, oder sie sind im Wesentlichen Computereffekte, die von echten Szenen unterbrochen werden. Doch aus dem Nichts ist da Bastille Day (2016) erschienen und haucht einem totgeglaubten Genre wieder Atem ein. Bastille Day zeigt, dass der Actionfilm doch noch Zukunft hat.

Der Plot ist bekannt, ausser dass der Handlungsort nicht New York, Los Angeles sondern Paris ist. Kurz vor dem 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag an dem 1789 die Bastille gestürmt wurde, explodiert an einem wenig belebten Platz eine Bombe. Gelegt wurde sie vom Amerikaner Michael Mason (Richard Madden), der die Tasche mit der Bombe darin kurz zuvor der Französin Zoe Naville (Charlotte Le Bon) gestohlen hatte. Naville hat die Tasche von ihrem Freund Jean erhalten. Denn die beiden sind linksextreme Radikale, die “den Faschisten” zeigen wollen, was Sache ist.

Da Michael Mason aber von einer Kamera aufgenommen wurde, kurz bevor er die Tasche weggeworfen hatte, gerät der Taschendieb unter Verdacht. Aus politischen Gründen ist die CIA daran interessiert, den Terroristen vor den Franzosen zu finden. Sie setzen den impulsiven und oft unnötig aggressiven und wütenden Sean Briar (Idris Elba) auf den Fall an.

Plot wenig überraschend, aber sehr unterhaltsam

Jeder, der The Rock (1996) und/oder Die Hard (1988) gesehen hat, kennt den Plot und weil Bastille Day ein Actionfilm vom alten Schlag ist, auch das Ende. Wie sich herausstellt, ist der Freund Jean kein Freund, sondern ein verdeckter Ermittler einer korrupten Polizeispezialeinheit, deren Plan es ist, eine Bank auszurauben.

Obwohl Bastille Day die religiösen Spannungen im Umfeld des Islams anspricht, kommentiert der Film diese aber nie.

Ihnen gegenüber stehen Briar, Mason und Naville. Alle anderen finden, dass der Taschendieb, der CIA-Agent und die Linksextreme einen an der Waffel haben. Denn die Medien sind überflutet von einer Art PR-Kampagne der Korrupten, die sowohl die Bombe wie auch weitere Schandtaten Moslems anhängen wollen. Damit treffen die Bösewichte den Nerv der Zeit, der medial das das ewige Hin und Her vom Bild des bösen Moslem-Terroristen und den friedlichen Moslems, die solche Schandtaten verurteilen zu zelebrieren scheint. Darauf eingegangen wird aber nicht, was den Film zu einem angenehmen Aussenseiter macht, der zwar die kulturellen Spannungen anspricht, sie aber nicht kommentiert.

Tachendieb Michael Mason arbeitet mit Ablenkungsmanövern und Tarnung.

Nach etlichen Prügeleien und Schiessereien wie auch ein paar Verfolgungsjagden per Auto kommt es zum Showdown, der dann doch etwas überraschend ist, endlich aber auch Klischees bedient.

Klischees gut getroffen,

Ein Klischee ist ja nicht zwingend etwas schlechtes. Klischees sind nur schlecht, wenn sie als lahme Entschuldigung für einen Plot genutzt werden. Wenn aber Klischees gut eingesetzt werden und so einen bewusst seichten und unterhaltsamen Film schaffen, dann sind Klischees eine wirklich gute Sache.

Bastille Day macht keinerlei Ansprüche, einen Oscar gewinnen zu wollen. Oder auch sonst irgendeinen Award. Der Film weiss genau, was er ist und wo die Limiten liegen. Das ist aber keine Schwäche des Films, denn so entgeht der Film dem Schicksal des ambitious but rubbish — also ambitioniert aber Müll — und spielt diese Limiten gezielt aus.

So kommt es auch, dass am Ende die Frage steht “Wo sind denn da die Computereffekte geblieben?”. Die Antwort ist schwierig, denn Bastille Day kann sich damit rühmen, wirklich realistisch zu sein.

Warum Amerikaner?

Der einzige klare Nachteil des Film ist die Tatsache, dass sowohl der Schotte Richard Madden und der Engländer Idris Elba Amerikaner spielen. Vor allem darum, weil Elba keinen konsistent überzeugenden amerikanischen Akzent hinkriegt, wenn sein Leben davon abhängen würde. Das gibt er auch selbst zu:

Die vorherrschende Theorie, weshalb der britische Recke denn nun Amerikaner hat sein müssen ist, dass die Szene mit dem versteckten Foltergefängnis im Herzen Paris nicht realistisch gewesen sei. Aber seien wir mal ehrlich, wenn er jetzt vom britischen MI6 wäre, dann hätten wir die eine Szene vergeben können.

Alles in allem gibt es nicht viel zu Bastille Day zu sagen. Gute Unterhaltung. Gute Action. Solide Schauspielerei. Ein guter Film für einen Sommerabend, an dem nichts anderes läuft oder einen verregneten Sonntagnachmittag.