Aus Liebe zur Sprache —Wertschöpfung durch Wortschöpfung

In den vergangenen Jahren habe ich zwar stets geschrieben, doch meist auf Englisch. Manchmal habe ich die Texte dann übersetzt. Da ich das professionell gemacht habe, waren die Resultate gut bis sehr gut. Doch so gut die Texte auch waren und so sehr ich meine Methoden auf Übersetze Worte nicht Wörter angepasst habe, die Texte waren nie so gut wie ein Text, die in Recherche und Schreibe original in Deutsch waren, also vom initialen Gedanken, dass etwas geschrieben wird bis hin zum fertigen Text.

Denn Sprache ist, anders als es in der gemeinen Wahrnehmung dargestellt scheint, etwas, das genossen werden kann. Sie kann mit kleinen Lauten, Kommasetzungen und anderen Stilelementen schön gemacht werden. Was nun schön ist und was nicht, das liegt im Auge des Betrachters.

Sprache, egal welche, hat sowohl Form als auch Funktion.

  • Funktion: Der Leser versteht am Ende die Botschaft des Inhalts. Der Texte und die Sprache werden nur dazu verwendet den Inhalt widerzugeben.
  • Form: Wie wird der Inhalt präsentiert? Welche Wörter werden gewählt? Wo werden welche Satzzeichen gesetzt? Die Funktion bleibt zwar bestehen, aber die Art, in der sie präsentiert wird, wird bewusst als Faktor des Textes wahrgenommen.

Die wohl schönsten Worte zur Form hat der englische Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur, Journalist, Dichter, Comedian und Fernsehmoderator Stephen Fry gesprochen:

Noch schöner gemacht sind die Worte durch die kreative Typographie.

Darin kommt auch folgender Satz vor:

Do they ever yoke impossible words together for the sound-sex of it?

zu Deutsch:

Jochen sie jemals unmögliche Wörter zusammen, nur um des Klang-Sex willen?

Fry spricht damit die Form des Textes an, was er in obigem Video — einem der wohl besten zum Thema Sprache und deren Wahrnehmung — ausführt.

Science Fiction als Wiege der Neologismen

Sprache lebt. Sprache verändert sich Tag für Tag. Ob die Sprache nun durch die Veränderung besser oder schlechter wird, liegt im Verständnis und den Vorlieben der Leser und Zuhörer. Dann und wann wieder muss ein Begriff für etwas her, das es in der echten Welt noch nicht gibt. Im literarischen Genre der Science Fiction ist das Gang und Gäbe, behandeln Autoren doch oft Stoffe, die gar nicht in der echten Welt existieren.

Die Crew der Enterprise bringt uns nicht nur fantastische Abenteuer, sondern auch neue Wörter und Funktionen für die Sprache.

Star Trek hat uns Begriffe wie beamen und Warp gebracht. Doctor Who brachte das Konzept des Schallschraubenziehers — des Sonic Screwdrivers — und jeder weiss, das Luke Skywalker aus Star Wars ein Lichtschwert schwingt. Beamen, Warp, der Schallschraubenzieher und das Lichtschwert sind aber alle aus einer Übersetzung oder aus einer Übernahme aus dem Englischen entstanden. Sie bringen zwar neue Funktionen in die Sprache, aber die Form ist immer noch die einer Übersetzung.

Da ein Grossteil der deutschen Sprache in der heutigen Popkultur aus dem Englischen kommt, daher Übersetzung ist, bleibt die Kreativität in der deutschen Sprache oft etwas auf der Strecke, denn es ist zu einfach, einfach Wörter zu übernehmen und so wird der deutschen Sprache die Form genommen, da Anglizismen andere Bedingungen schaffen und andere Anforderungen bringen. Wo in der englischen Science Fiction die Kreativität stattfindet, wird im Deutschen lediglich eine Anpassung nötig.

Das betrifft den Grossteil der Stories, die ihren Weg auf deutsche Seiten oder deutsche Bildschirme finden.

Es gibt aber eine Ausnahme: Perry Rhodan.

Kreativität aus Notwendigkeit

Die Raumfahrer um die Titelgebende Hauptfigur Perry Rhodan, die der Serie auch den Titel gibt, teleportieren oder beamen sich zwar auch dann und wann wieder hin und her, aber sie beamen nicht, sie überwechseln.

Perry Rhodan reist durch Raum und Zeit, schafft aber wunderschöne Begriffe.

Wenn eines der Raumschiffe Perrys angegriffen wird, dann übernehmen keine Starfighter den Kampf, sondern das machen die Beiboote. Und sie werden auch nicht abgedockt, sondern ausgeschleust.

Der Grund, weshalb Perry Rhodan diese merkwürdig deutsch anmutenden Wörter und Begriffe verwendet ist aber nicht zwingend der, dass das Autorenteam der Heftromanserie sich bewusst als Kämpfer für die deutsche Sprache versteht, sondern da sie rein historisch keine andere Wahl hatte. Denn Perry Rhodan erschien erstmals im Jahr 1961, zwei Jahre bevor Doctor Who in England über die Bildschirme flimmerte und fünf Jahre bevor die das Raumschiff Enterprise in Star Trek in die unendlichen Weiten des Alls aufbrach. Wörter wie beamen gab es damals einfach nicht.

“Wir sind nicht pauschal gegen englischsprachige Begriffe”, sagt Klaus N. Frick, Chefredaktor der Heftserie. Begriffe wie Hyperraum und Positronik seien Begriffe, die es in der Science Fiction seit den 1950er-Jahren gibt und seitdem auch eingedeutscht worden seien. “Warum sollten wir das jetzt krampfhaft wieder ins Englische zurückübersetzen?”

Frick geht sogar einen Schritt weiter, um das Sprachkuddelmuddel perfekt zu machen. Augenzwinkernd sieht er sich und seine Redaktion dennoch als Übersetzer:

Unsere Helden sprechen sowieso Interkosmo — und wir übersetzen aus dem Interkosmo gewissermaßen ins Deutsche.

Interkosmo oder Englisch spielt eigentlich keine Rolle. Unabstreitbar ist, dass die Serie um den Astronauten einen ganz besonderen Platz in der deutschen Schreibwelt einnimmt, ungeachtet, ob das in der Absicht der Autoren liegt oder nicht. Nicht nur hält sie praktisch im Alleingang ein Genre am Leben, sondern bringt auch den Klang-Sex von Wörtern zurück in eine Sprache, die oft nurmehr Funktion und nicht Form ist. Und das ist gut so.