Scarlett Johansson als Motoko Kusanagi

Scarlett oder kein Film: Warum es Ghost in the Shell sonst nie geben würde

Vor einigen Tagen ist das erste Bild der Realverfilmung des Anime-Klassikers Ghost in the Shell veröffentlicht worden. Seither keift das Internet über sogenanntes Whitewashing. Damit beschreiben sie Casting-Entscheidungen, nach denen nicht-Weisse Rollen mit weissen Schauspielern besetzt werden.

Rassismus, schreien die einen und beschuldigen Leute in Hollywood allerlei Übeltaten. Damit verfehlen die Empörten aber komplett das Problem sondern schreien nur ein Symptom an. Bevor wir aber das Problem an sich angehen, müssen wir einen Blick auf die Motive der Filmindustrie werfen, denn die sind ganz andere als die der Zuschauer.

  • Ein Zuschauer will von einem Film unterhalten werden. Ein Zuschauer geht ins Kino, kauft sich ein Ticket, eine Packung Popcorn und ein ungesundes Getränk und setzt sich hin. Zwei Stunden später kommt der Zuschauer aus dem Kino raus und will sagen “Wow, was für ein toller Film”.
  • Die Filmindustrie will das Geld des Zuschauers. Wie der Zuschauer um sein Geld gebracht wird, ist der Filmindustrie egal, was unter anderem Adam Sandlers Karriere erklären kann. Der Filmindustrie ist nichts heilig. Klar, sie schmeisst hunderte von Millionen von Dollar an einen Film ran, in der Hoffnung, dass ein Vielfaches dieses Betrags wieder eingespielt wird.

Das lassen wir mal so stehen für den Moment.

Das kulturelle Problem und die Filmindustrie

Um einen Film wie Ghost in the Shell zu machen, braucht man eine Menge CGI. Das ist kein Problem. Die Technologie existiert und kann eingesetzt werden wie in Filmen wie dem Remake des Dschungelbuchs — ebenfalls mit Scarlett Johansson in einer Rolle — ersichtlich ist. Das Problem ist aber, dass das Geld kostet. Je besser die Computereffekte werden sollen, desto mehr Geld kostet das ganze.

Doch bevor es so weit ist, muss ein Film erst mal verkauft werden. Ein Produzent und ein Studio müssen daran interessiert sein, sonst passiert gar nichts. Diese wiederum basieren ihre Entscheidungen auf Metriken, die dem Laien wohl reichlich beliebig und zufällig vorkommen, in der Szene aber bestimmt Sinn ergeben. Unter diesen Metriken sind folgende Punkte zu finden.

  • Stars
  • Marktwert gewisser Filme und Geschichten

Das Schwinden der Stars

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Stars kontinuierlich geschwunden. Wieviele grosse Namen kennst du noch? Bei den Frauen ist das die in diesem Artikel schon oft benannte Scarlett Johansson, Emma Watson, Kate Winslet, Angelina Jolie und Jennifer Lawrence. Das wars schon bald.

Bei den Männern: Brad Pitt, George Clooney, Matt Damon, Ryan Reynolds und Leonardo di Caprio. Vielleicht noch Tom Hardy.

Kurz: Die Liste der grossen Namen ist kurz. Klar, da waren einst andere Namen wie Nicholas Cage oder Julia Roberts, die vor einigen Jahren einige grosse Filme gemacht haben. Die sind jetzt aber in kleineren Filmen mit nur beschränkter Verbreitung zu finden.

Wenn wir die Liste der Frauen unter den A-List Celebrities da oben ansehen, dann stellen wir fest, das zwei davon zu alt für die Rolle der Kusanagi in Ghost in the Shell sind und die anderen beiden sind in praktisch jedem zweiten Film. Aber alle haben sie eines gemein: Sie sind alle keine Asiatinnen.

Was hat das mit Ghost in the Shell zu tun?

Warum jetzt Scarlett Johansson unbedingt die Hauptrolle im Film über einen asiatischen Cyborg, der einen Hacker jagt, der sich in Gehirne hackt, spielen muss, ist klar. Das Konzept des Filmes ist irgendwie seltsam. Es ist kein Transformers-Film, kein Avengers-Film und kein Hunger-Games-Film. Ohne Franchise einen solchen Film zu lancieren ist extrem riskant.

Das sehen die Studios natürlich ein, daher setzen sie auf die Anziehungskraft eines Stars, sprich Scarlett Johansson. Der Film wäre ohne einen grossen Star in der Hauptrolle gar nie gemacht worden. Das bedeutet, dass es ohne Scarlett Johansson gar nie ein Ghost in the Shell geben wird.

Ohne Scarlett Johansson würde es wohl kein Ghost in the Shell geben.

Es wäre natürlich toll, wenn wir in einer Welt leben könnten, in denen Filme höhere Bedeutung zugemessen wird als den Stars. Aber das ist nicht so. Es gibt aber eine grosse Ausnahme. Ein Franchise ist grösser als die Stars darin: Star Wars. Der Krieg der Sterne scheint sich aufs Banner geschrieben zu haben, dass jetzt mal die Frauen drankommen und so gibt Daisy Ridley die Rey in The Force Awakens und Felicity Jones die Jyn Erso in Rogue One: A Star Wars Story.

Das Problem liegt also nicht im Whitewashing. Das Problem liegt darin, dass die Studios aus einer Angst heraus handeln. Angst, dass ihr Produkt, in das sie mehr Geld investiert haben als manch einer von uns in seinem Leben verdienen wird, scheitert. Das Casting der grossen Stars ist nur dazu da, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes Publikumsmagneten sind.

Wenn wir als Publikum über unseren Personenkult hinwegkommen würden, dann könnten riskante Filme mit anderen Leuten als den selben zehn Stars gemacht werden. Dann wird es auch möglich, eine asiatische Frau als Hauptrolle zu casten. Denn die gibt es:

Rinko Kikuchi, zum Beispiel. Wer? Die Mako Mori, Co-Pilotin des Jaegers Gipsy Danger aus Pacific Rim. Die:

Rinko Kikuchi als Mako Mori