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Wenn Wissen nicht verstanden wird, ist es nutzlos

Philipp von Roeder
May 25 · 3 min read
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Seit fast dreißig Jahren beschäftige ich mich damit, Wissen zu vermitteln. Zunächst als Journalist, wo es bei mir im Radio (ich fing beim Kinderfunk an) und bei der Zeitung vor allem um lokale Themen ging, dann beim ZDF Morgenmagazin, wo ich täglich News aus aller Welt in verständliche Stücke verarbeitet habe. Seit 2008 vermittele ich Wissen mit meiner eigenen Kommunikationsberatung VONROEDER COMMUNICATIONS. Hier kümmern wir uns vorzugsweise um besonders komplexe Themen, nach dem Motto je schwieriger zu verstehen, desto lieber. AI, eMobility, IoT, Machine-Learning, Health-Tech oder Smart-City sind nicht nur Schlagworte, sondern unser tägliches Brot.

Die jahrzehntelange Erfahrung in der Vermittlung komplexer Zusammenhänge macht mich besonders empfindlich gegenüber schlechter Kommunikation und den damit verbundenen Missverständnissen. Seit dem GAU von Tschernobyl (1986!) gab es keine Zeit, in der Kommunikation und Information so lebenswichtig war. Leider schaffen es die Wissenschaftsakteure nicht, die Botschaften so klar zu transportieren, dass sie auch richtig ankommen.

Die Corona-Krise zeigt ganz deutlich, wo die Lücken sind: hervorragende Wissenschaftler produzieren am laufenden Band nützliches Wissen. Das ist ihre Kernaufgabe und das können sie auch sehr gut. Was ihnen “dafür” fehlt, ist das Skillset, diese Informationen so zu kommunizieren, dass sie auch außerhalb ihrer Sphäre verstanden werden. Sie schaffen es nicht heraus aus dem berühmten Elfenbeinturm.

Ihnen gegenüber sitzen Journalisten, die meist schnell kommunizieren wollen, aber dafür eher selten wirklich komplexe naturwissenschaftliche Sachverhalte verstehen wollen oder können. Ein Hoch auf den Wissenschaftsjournalismus, insbesondere im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, wo Vollprofis wie Harald Lesch und Mai Thi Nguyen-Kim für nachvollziehbare Klarheit sorgen. Aber offenbar reicht das nicht aus, denn es kursieren eine Vielzahl von Halbwahrheiten und Fehlinformationen, insbesondere in Social Media Bubbles, aber auch in zahlreichen Pseudo-Publikationen, die dann als Quelle genutzt werden.

Schließlich bleiben noch die Politiker. Ihnen fehlt häufig schlicht die passende Bildung und die Zeit, um wissenschaftliche Sachverhalte wirklich zu durchdringen, um daraus die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Lieber wird auf die Wissenschaft geschimpft, weil sie “ihre Meinung ständig ändere”. Dass das das Wesen von Naturwissenschaft ist, ist in breiten Teilen der Politik noch nicht angekommen. Erfolgreiche Politiker benötigen unter anderem sehr gute kommunikative Skills und auch Interesse an fremden Menschen. Aber auch das Unscharfe, weniger fakten- sondern vielmehr meinungsbasierte Handeln ist Wesen der Politik. Alles Dinge und Herangehensweisen, die unter Naturwissenschaftlern und Ingenieuren nicht unbedingt beliebt sind. Denn diese verlassen sich lieber auf sich selbst und auf Nachvollziehbares. Ergo gibt es seltener Politiker aus diesem Personenkreis.

Was ist also zu tun? Wissenschaftler sollten nicht nur ihr Fach beherrschen, sondern auch lernen und üben, die Erkenntnisse an Leute außerhalb ihres Fachs zu vermitteln. Dadurch würden viele Missverständnisse vermieden. Journalisten sollten versuchen, sich der Lockvogel-Logik ihrer Überschriften zu entziehen und die komplexen Zusammenhänge nicht zu sehr vereinfachen. Politiker sollten sich nicht nur aus Sozial- und Rechtswissenschaften rekrutieren. Der Politikbetrieb benötigt viel mehr Leute aus der Wissenschaft und sollte sich wenigstens teilweise der damit verbundenen nachvollziehbaren Logik anpassen.

Es gibt aber einen Lichtblick: Die Bundesregierung hat einen Draht zu einem der weltweit führenden “Corona”-Forscher gefunden. Professor Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, ist eine seltene Ausnahme unter den Wissenschaftlern, der Spitzenforschung und Kommunikationsskills vereint. Davon kann sich jedermann selbst überzeugen, denn Christian Drosten hat genau aus dem Grund, dass er häufig zu verkürzt wiedergegeben wurde, gemeinsam mit dem NDR einen Podcast aufgesetzt, in dem er regelmäßig den Stand der Forschung transparent und verständlich kommuniziert.

Weil kaum jemand so ein kommunikatives Ausnahmetalent wie Professor Drosten ist, gibt es Menschen, die zwischen Wissenschaft (und Technologie) und Politik (und Medien) Wissen vermitteln. Das ist auch Teil unserer Arbeit bei VONROEDER COMMUNICATIONS. Wir helfen dabei, Information für ein breiteres Publikum nutzbar zu machen. Unsere Kunden haben häufig Produkte oder Services, die ganz neu und teilweise sogar einzigartig sind. Das Problem ist, dass es den Erfindern selbst oft gar nicht so klar ist, wie speziell das ist. Sie können es sich nicht vorstellen, dass Dritte den Nutzen gar nicht nachvollziehen können. Dann finden wir gemeinsam mit dem Kunden den Kern und arbeiten ihn so auf, dass er ohne Verlust kommuniziert werden kann und verstanden wird.

Philipp von Roeder

Written by

Philipp von Roeder is a Berlin-based communications professional with over two decades of experience in journalism, public affairs, and PR.

Philipp von Roeder

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Philipp von Roeder is a Berlin-based communications professional with over two decades of experience in journalism, public affairs, and PR.

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