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Mangelernährung in Somalia bekämpfen — in Zeiten von COVID-19

Wie WFP und UNICEF mit deutscher Unterstützung Mütter und Kinder vor dem Virus schützen und ihre Ernährung verbessern

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Eine Gesundheitsarbeiterin überprüft Mohameds Oberarmumfang. Foto: WFP/Ismail Taxta

Mohamed Ali Warsame, gerade ein Jahr alt, blickt zu der Gesundheitsarbeiterin auf, die den Umfang seines Oberarms misst. Er ist ein wichtiger Indikator seines Ernährungszustands, um festzustellen, ob er weiterhin mit Nährstoffen angereicherte Spezialnahrung benötigt. Das Gesicht der medizinischen Angestellten verbirgt sich hinter einer Einwegmaske, ihre Hände stecken in Latexhandschuhen, aber der kleine Mohamed ist unbeeindruckt. Wahrscheinlich hat er sich in den letzten Monaten durch die COVID-19-Pandemie daran gewöhnt, dass das Personal des Shangani-Gesundheitszentrums in der somalischen Hauptstadt Mogadischu diese Art von Schutzkleidung trägt.

„Er hat das Zentrum jetzt vier Mal besucht, um am Programm für gezielte Zusatznahrung teilzunehmen“, erklärt seine Mutter, die 30-jährige Barwaago Aden Abdi.

Nebenan hilft Shamso Ibrahim Aden einer anderen Gesundheitsarbeiterin, die auch maskiert und mit Handschuhen bekleidet ist, ihren 14 Monate alten Sohn Abdi Herow Hussein zu wiegen. Denn auch das Verhältnis zwischen Gewicht zu Größe und Alter ist ein weiterer wichtiger Ernährungsindikator.

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Shamso überpüft das Gewicht ihres Sohnes Abdi mit Hilfe einer Gesundheitsarbeiterin. Foto: WFP/Ismail Taxta

Mohamed, Abdi, Shamso und Barwaaqo nehmen alle an einem Programm teil, das in Somalia mittlere und schwere akute Mangelernährung bekämpft. Das Programm wird vom UN World Food Programme (WFP) gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) dank deutscher Finanzierung durchgeführt. In Zusammenarbeit mit dem somalischen Gesundheitsministerium kombiniert das UNICEF-WFP-Programm die UNICEF-Expertise in der Vorbeugung und Behandlung von Mangelernährung und in Wasser-, Sanitär- und Hygienemaßnahmen, sowie das WFP-Knowhow in der Unterstützung mit gezielter Ernährungshilfe mittels Spezialnahrung und Programmen für Mutter-Kind-Gesundheit und -Ernährung.

Die Bekämpfung von Mangelernährung in Somalia ist besonders wichtig. Mehr als 10% der Kinder unter 5 Jahren sind verkümmert — zu klein für ihr Alter. Das ist ein Ergebnis verschiedener Faktoren, zu denen vor allem auch unzureichender Zugang zu sauberem Wasser und nährstoffreichem Essen gehören.

„Mein Mann arbeitet auf einem Eselkarren und muss damit für die ganze Familie sorgen. Leider reicht das nicht aus, um unsere Kinder zu ernähren und auszubilden“, sagt Barwaaqo.

Shamsos Geschichte ist ähnlich: Sie und ihr Mann waren Bäuer*innen, aber nachdem sie durch Bürgerkrieg vertrieben wurden, leben sie jetzt nur mehr von dem Geld, das er durch kleine Schubkarrentransporte verdient.

„Wir haben keine andere Einkommensquelle, von der wir leben könnten — außer WFP!“, sagt sie.

Durch COVID-19 mussten UNICEF und WFP das Programm anpassen, um das Infektionsrisiko für schwangere Frauen, stillende Mütter und Kleinkinder zu minimieren. Eine Reihe neuer Maßnahmen für den Selbstschutz und den des Gesundheitspersonals sind in den letzten Monaten beim Besuch der Gesundheitszentren hinzugekommen, wo die Familien regelmäßig die Ernährungsindikatoren überprüfen lassen und Spezialnahrung erhalten.

Bei der Ankunft in den Zentren wird aus sicherer Entfernung mit kontaktlosen Infrarot-Thermometern die Temperatur abgenommen und alle Personen mit möglichen COVID-19-Symptomen werden untersucht und entsprechend behandelt.

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Fiebermessung vor einem Gesundheitszentrum. Foto: WFP/Ismail Taxta

Außerdem muss jede*r — sowohl Programmteilnehmer*innen als auch das Personal — die Hände vor Betreten der Gesundheitszentren waschen.

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Verpflichtendes Händewaschen vor Betreten der Gesundheitszentren. Foto: WFP/Ismail Taxta

Drinnen warten Mütter und Kinder auf Stühlen oder Bänken, die so aufgestellt wurden, dass die soziale Distanz gewahrt werden kann. Gesundheitspersonal steht bereit, um sie während der Wartezeit gezielt zu informieren. Schwangere Frauen und Mütter, die das erste Mal da sind, erhalten nützliche Fakten zu Gesundheit, Ernährung und den Registrierungsprozessen im Zentrum. Wiederkehrende Teilnehmer*innen können Rat und Informationen über andere Leistungen einholen, die ihnen helfen könnten.

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Eine Informationsrunde in einem Gesundheitszentrum. Foto: WFP/Ismail Taxta

Die Registrierung wird in sicherem Abstand von Personal in Schutzkleidung mit Masken und Handschuhen durchgeführt — Handdesinfektionsmittel ist ausreichend vorhanden.

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Registrierung in einem Gesundheitszentrum mit Personal in Schutzkleidung. Foto: WFP/Ismail Taxta

Die Programmteilnehmer*innen lassen dann die wichtigsten Untersuchungen an ihren Kindern vornehmen, um deren Ernährungszustand zu ermitteln. Zu den Messungen gehören die Oberarm- und Gewichtskontrollen, wie bei Mohamed und Abdi gerade.

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Teilnehmer*innen des Ernährungsprogrammes warten, um ihre Kinder unter Social-Distancing-Maßnahmen messen zu lassen. Foto: WFP/Ismail Taxta
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Aufzeichnung der wichtigsten Ernährungsindikatoren. Foto: WFP/Ismail Taxta

Schließlich erhalten die Teilnehmer*innen die Päckchen mit Spezialnahrung, um ihre Ernährung und die ihrer Kinder zu verbessern. Die Spezialnahrung ist mit zusätzlichen Nährstoffen angereichert.

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Abholung von Spezialnahrung. Foto: WFP/Ismail Taxta

Der gesamte Prozesses macht die Anpassungen, die zum Schutz der Menschen vor COVID-19 vorgenommen wurden gut sichtbar. Mitarbeiter*innen und Partner von WFP und UNICEF sowie die Teilnehmer*innen mussten sich schnell anpassen. Aber die Änderungen waren notwendig. Das Programm ist zu wichtig, um durch das Virus unterbrochen zu werden, weil es sicherstellt, dass Kinder wie Abdi Hedrow Hussein trotz der andauernden Pandemie das Essen erhalten, das sie für eine gute körperliche und geistige Entwicklung benötigen.

„Das ist unser sechster Besuch im Zentrum für die zusätzliche Spezialnahrung“, lächelt seine Mutter Shamso. „Es hilft uns gegen den Hunger und gegen seine Mangelernährung.“

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Offizieller Kanal des UN World Food Programme (WFP). WFP ist die größte humanitäre Organisation der Welt und bekämpft Hunger weltweit. Mehr unter: de.wfp.org

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