Sechs Jahre Krieg in Syrien — Umgang mit einer beispiellosen Krise

Photo: WFP/Abeer Etefa.

Das siebte Jahr des Syrienkonflikts bricht an und auch 2017 wird das UN World Food Programme (WFP) rund vier Millionen Menschen im Land und unzählige geflüchtete Familien in den Nachbarländern Syriens mit Ernährungshilfe unterstützen. Zum sechsten Jahrestag der Krise blicken wir zurück, welchen Verlauf der Konflikt in den vergangenen Jahren genommen und wie hat sich die Nothilfe von WFP in dieser Zeit verändert hat.

2011

2011 unterstützt WFP zunächst syrische und irakische Flüchtlinge im Nordosten des Landes mit „Food for Education“-Programmen. Danach weitet sich derKonflikt auf ganz Syrien aus.

2011 kommt es in ganz Syrien zu lokalen Unruhen und Protesten — die erste Phase des Konflikts. WFP hat bis dahin Flüchtlinge aus dem Irak und Menschen in dürregeplagten Gebieten Syriens unterstützt. Nun startet die Organisation einen Nothilfeeinsatz, der 50.000 Menschen erreichen soll.

2012

Als sich die Krise 2012 schnell in ganz Syrien ausbreitet, werden vier Millionen Menschen von humanitärer Hilfe abhängig. 400.000 verlassen das Land und suchen in Nachbarländern Zuflucht. WFP baut den Nothilfeeinsatz kontinuierlich aus, um Ende des Jahres 1,5 Millionen Menschen zu erreichen. Der Sektor Ernährungssicherung und der Logistik Cluster werden aktiviert, um humanitäre Hilfseinsätze von WFP und Partnern verstärkt zu unterstützen.

2013

Im dritten Jahr der Krise verschlechtern sich die Umstände drastisch. Mehr als 9,3 Millionen Menschen — fast die Hälfte der syrischen Bevölkerung — sind in kurzer Zeit auf humanitäre Hilfe angewiesen. Ihre Situation verschlimmert sich rasch, sie sind schutzlos und müssen oft ihre gesamten Mittel aufbrauchen, um zu überleben. Um die Not der syrischen Familien zu lindern, werden Weizenmehl und Hefe in die monatlichen Notrationen aufgenommen. Außerdem startet WFP ein Programm, das mit angereicherter Spezialnahrung Mangelernährung bei Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und 5 Jahren vorbeugt, um die Ernährung der Bedürftigsten zu sichern.

2014

Links: Notrationen erreichen die belagerte Stadt Madaya| Rechts: Kinder erhalten angereicherte Snacks in der Schule. (Fotos: WFP/ Hussam Al Saleh)

Während der Konflikt schon im vierten Jahr wütet, kann ein wachsender Teil der syrischen Bevölkerung nicht mehr über Wege innerhalb Syriens erreicht werden. In Reaktion darauf verabschiedet der UN-Sicherheitsrat die Resolution 2165, die es den Vereinten Nationen erlaubt, über Landesgrenzen hinweg Hilfe aus den Nachbarstaaten nach Syrien zu bringen. Daraufhin transportiert WFP sofort Hilfsgüter aus der Türkei und Jordanien in Gebiete, die im Norden und Süden von der Opposition gehalten werden.

Außerdem wird im Rahmen der Initiative „Keine verlorene Generation“ — die dagegen kämpft, eine ganze Generation Syrer an Gewalt und Vertreibung zu verlieren — zu Beginn des neuen Schuljahres ein Schulmahlzeitenprogramm ins Leben gerufen. WFP startet außerdem ein spezielles Ernährungsprogramm für schwangere Frauen und stillende Mütter, die besonders unter dem verschärften Konflikt leiden. In dem Programm werden Frauen mit Bargeldtransfers unterstützt, durch die sie die Notrationen von WFP mit frischen Nahrungsmitteln verbessern und ergänzen können.

2015

Gemeinsam mit Partnern wie dem Syrischen Roten Halbmond unterstützt WFP Millionen Syrer im Land mit Ernährungshilfe. (Foto: WFP/ Hussam Al Saleh)

Die Herausforderungen, humanitäre Hilfe zu leisten, nehmen 2015 zu. Die Zahl der bedürftigen Menschen in Syrien steigt auf über 12 Millionen an. In belagerten Gebieten sind Millionen von funktionierenden Märkten abgeschnitten und können von WFP und Partnern nicht erreicht werden.

Hunderttausende Syrer fliehen in der zweiten Jahreshälfte nach Europa, Ende Dezember haben 4,3 Millionen Syrien verlassen. WFP leistet weiterhin Ernährungshilfe im Land, trotz wachsender Schwierigkeiten vor Ort. Um die Umsetzung der Programme zu stärken und mehr Menschen zu erreichen, erweitert WFP seine Partnerschaften bis Jahresende auf über 40. 2015 kann WFP in den verschiedenen Programmen insgesamt 4,25 Millionen Menschen unterstützen.

2016

Das sechste gewaltsame Jahr des Konflikts bricht an und die Not der Syrer wächst immer weiter: 13,5 Millionen Menschen — 75 Prozent der syrischen Bevölkerung — sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Während Millionen in schwer zugänglichen Gebieten des Landes festsitzen, gelingt es den Vereinten Nationen und WFP, mehr Familien in diesen Gebieten zu erreichen als in den vergangenen Jahren. Im April startet WFP außerdem Luftabwürfe, um tausende Menschen in Deir ez-Zor zu erreichen, die vom ISIS belagert werden.

Darüber hinaus richtet WFP im Juli eine Luftbrücke in den Al-Hasaka Bezirk ein, nachdem alle Grenzübergänge in das Gebiet abgeschnitten werden. Um Syrern ein Einkommen und damit ein Stück Normalität wiederzugeben, laufen Projekte zur Existenzsicherung an.

Eine detaillierte Übersicht aller WFP-Aktivitäten in Syrien 2016 gibt Ihnen der der WFP-Jahresrückblick Syrien.

2017

WFP unterstützt die Nahrungsmittelproduktion in Syrien. (Fotos: WFP/ Hussam Al Saleh)

Trotz enormer Herausforderungen, plant WFP auch im siebten Jahr des Syrienkonflikts vier Millionen Syrer pro Monat zu unterstützen. Dabei steht nicht nur die Hilfe im Jetzt, sondern auch die Zukunft der Menschen im Vordergrund. Vom Krieg betroffene Bevölkerungsgruppen sollen in Syrien dabei unterstützt werden, ihre Lebensgrundlagen wiederherzustellen und zu stabilisieren. In den kommenden zwei Jahren wird WFP die lebensrettende Ernährungshilfe aufrechterhalten, gleichzeitig aber auch Programme entwickeln, die darauf abzielen, die Existenzgrundlage der Menschen wieder herzustellen und sie für die Zeit nach dem Konflikt zu stärken. Letztere Programme sollen schrittweise ausgebaut werden, sodass bis zu 5,74 Millionen Menschen erreicht werden.

Sie wollen die Familien in Syrien unterstützen? Helfen Sie jetzt mit Ihrer Spende. Danke!

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