Wie in der Wüste Algeriens Nahrungsmittel wachsen

Trockene Böden und starke Hitze machen es schwer, in Algeriens Wüste Nahrungsmittel anzubauen. Darunter leiden besonders die Sahrawi-Flüchtlinge, denen es an Grünfutter für ihre Nutztiere fehlt. Doch ein innovatives WFP-Projekt hat sich vorgenommen, das zu ändern — und bietet den Sahrawi in Algerien durch moderne Hydrokulturen eine neue Lebensgrundlage.

Die Böden rund um die Flüchtlingscamps in West-Algerien erlauben keine traditionelle Landwirtschaft. Foto: WFP/Heidi Haugen

Inmitten der Sanddünen der algerischen Wüste scheint das Grün der Gerste — oder jedes anderen Getreides — ein eher unwahrscheinlicher Anblick. Doch in fünf Camps in der Nähe von Tindouf im Südwesten des Landes, wo Sahrawi-Flüchtlinge wohnen, keimt Gerstenfutter auf Miniatur-Feldern.

Miniatur-Gerstenfelder wachsen dank Hydrokulturen mitten in der Wüste. Foto: WFP/Nina Schröder

Das Geheimnis hinter diesen tablettgroßen Oasen sind Hydrokulturen. Mit dieser Technik können Landwirte Nutzpflanzen mit bis zu 90% weniger Wasser als in der traditionellen Landwirtschaft anbauen. Die Pflanzen brauchen keine Erde, Nährstoffe ziehen sie aus speziellen Lösungen. So entwickeln sie sich bis zu doppelt so schnell wie im klassischen Anbau auf dem Feld. In Hydrokultur-Einheiten, die durch Sonnenenergie betrieben werden können, sind Temperatur und Wasserversorgung außerdem präziser steuer- und überprüfbar. Und die Kulturpflanzen brauchen keine Pestizide!

„Das fehlende Grünfutter zur Ernährung unserer Tiere ist ein großes Problem für uns“, sagt Sahrawi-Flüchtling Maryam Abdelkader.

Da die trockene Wüstenumgebung keinen Ackerbau zulässt, ist der Viehbestand die wichtigste Lebensgrundlage für die fast 90.000 Sahrawi. Und folglich ist er auch ihr am meisten geschätzter Besitz.

Auf dem Markt ist Grünfutter sehr teuer. Daher sehen sich viele Flüchtlinge gezwungen, ihre Tiere mit übrig gebliebenem Essen und Müll zu füttern, der teils sogar Plastik enthält. Das wirkt sich nicht nur schlecht auf die Milchproduktion der Tiere sondern auch auf die Qualität und Menge ihres Fleisches aus, dessen Verzehr krank machen soll. Außerdem stirbt die Hälfte aller Schafe und Ziegen schon kurz nach der Geburt wegen der unzureichenden Nahrung.

Vorher/Nachher: Hochwertigeres Futter verbessert die Qualität und die Menge von Fleisch und Milch. Foto: WFP/ Nina Schroeder

“Wir können noch gar nicht glauben, dass wir jetzt Futter in den Camps haben“, sagt Maryam. „Wir haben eine deutliche Veränderung im Fleisch und in der Milchproduktion unserer Tiere bemerkt. Unser Essen wird nun viel besser sein.“

Maryam, ihre Schwester Fatma und viele weitere Flüchtlinge haben das Hydrokulturen-Projekt mit der Unterstützung von WFP in den letzten drei Monaten begeistert umgesetzt.

Durch Hydrokulturen können Sahrawi-Flüchtlinge ihre Lebensgrundlage in der kargen Wüste deutlich verbessern. Foto:WFP/Nina Schroeder

Innovative Technologien wie Hydrokulturen geben den Familien in den Camps Hoffnung. Ihre Gemeinschaft muss täglich mit den schweren Wetterbedingungen und um genügend Nahrung kämpfen.

Das Hydrokulturen-Projekt konzentriert sich in Algerien zunächst auf Gerstensaat, die vor Ort erhältlich ist. Unterstützt durch den WFP Innovation Accelerator helfen die algerischen WFP-Mitarbeiter den Sahrawi-Flüchtlingen dabei, ein geeignetes Gewächshaus aus lokal verfügbaren Materialien zu bauen und die besten Hydrokultur–Methoden in einem Versuchslabor auszutesten. Es ist das erste Mal, dass Hilfsorganisationen in Nordafrika und im Mittleren Osten Hydrokulturen einsetzen.

Eine solarbetriebene Produktionseinheit in einem der Flüchtlingslager nahe Tindouf in Algerien. Foto: WFP/Nina Schroeder

Das Futter wächst in einem Zyklus von 7 Tagen in solarbetriebenen Containereinheiten. Diese sind Flüchtlingsfamilien oder jungen Unternehmenskooperativen in den Camps zugeteilt. Bei Ihnen liegt die Verantwortung für die Einheit. Die teilnehmenden Familien erhalten Schulungen zu allen technischen Aspekten der Hydrokulturen und lernen, wie sie überzählige Ernten verkaufen können.

In der Zukunft sollen auch andere Kulturpflanzen einschließlich Moringabäumen, verschiedene Gemüsesorten und die Hülsenfrucht Alfalfa angebaut werden, damit sich die Sahrawi dauerhafte Lebensgrundlagen aufbauen können.

Gefördert wird das innovative Projekt durch den WFP Innovation Accelerator. In der kreativen Denkfabrik kommen WFP-Mitarbeiter mit Experten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft zusammen, um gemeinsam innovative Lösungsansätze für eine Welt ohne Hunger zu entwickeln. Finanziert wird der Innovation Accelerator durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dem Auswärtigem Amt sowie dem Bayrischen Landesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Hydrokultur-Projekte von WFP finden derzeit in Algerien, Peru und Jordanien statt.