Warum ich meine Stelle als Beamter aufgeben werde und was ich danach mache:

Ich habe vor einiger Zeit auf Facebook den mysteriösen Ausdruck gebraucht, dass für mich ein neuer Lebensabschnitt beginnt. 
Dies führte bei einigen Leuten zu Fragen, die ich jetzt langsam mal aufklären möchte.
Genauso habe ich, aus Faulheit, auch einige Leute auf diesen Blogeintrag verwiesen.

Was mache ich?

Kündigen und das Land verlassen, als Digitaler Nomade um die Welt ziehen. Ich habe nichts angestellt, befinde mich auch nicht auf der Flucht. Ich empfinde es nur so, dass es nach fast 10 Jahren beim Staat an der Zeit ist mal etwas Neues auszuprobieren, zum anderen zieht es mich schon seit längerer Zeit wieder in die Ferne. Mein Wunsch, für längere Zeit im Ausland zu leben und zu arbeiten ist mit meiner Stelle als Beamter leider nicht vereinbar, daher musste ich mir etwas anderes überlegen.

Zudem hätte ich gerne einen Beruf, bei dem mein Uni-Abschluss auch bezahlt wird. Nachdem es trotz meines Zweitstudiums keine Möglichkeit gibt, mich intern weiter zu entwickeln, habe ich beschlossen zu kündigen.

Und das ist eben nun die perfekte Möglichkeit beide Ideen zu verbinden.
Zudem habe ich vor ein paar Jahren vom Konzept des Digitalen Nomaden gehört, das mich nicht mehr losgelassen hat. Hierbei geht es darum, seine Arbeit so zu organisieren, dass man ortsunabhängig arbeiten kann. Dies ist in vielerlei Ausgestaltungen möglich, z.B. als Freelancer, Unternehmer oder auch Angestellter, wenn es die Firma unterstützt.

Ausprägungen von Digitalen Nomaden gibt es viele. Ob das ein Lebensstil ist, dem ich mich dauerhaft widmen werde, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Warum mache ich das?

Eine große Motivation für mich ist, dass ich mich aus meiner eigenen Komfortzone heraus bewege. Es geht mir gezielt darum, mich weiter zu entwickeln und das passiert eben nicht, wenn man jeden Tag das Gleiche macht.
Ich möchte von einem Dreamer und Wannabe-entrepreneur zu einem Unternehmer werden und um hierbei erfolgreich zu sein, muss ich 
noch ein paar Fähigkeiten entwickeln.

Und was mache ich jetzt genau?

Das Ganze ist als Projekt angelegt. Es geht darum, herauszufinden, ob ich nachhaltig in der Lage bin zu Reisen, mich selbst zu finanzieren und ob mir das überhaupt Spaß macht.
Ich werde diese Reise zusammen mit einem sehr guten Freund Philipp machen.
Teil 1 meiner Reise ist eine Fahrradtour nach Lissabon. Ziel ist es, sich bewusst zu verabschieden. Dieser Teil der Reise hat einen sehr hohen meditativen Charakter, es geht darum Zeit zu finden, nachzudenken, abzuschalten und sich neu zu definieren. 
Auch eine Zeit lang ohne Internet und Social Media auszukommen ist Teil dieser Reise, Ideen zu sammeln und zu diskutieren.
Danach wollen wir eine erste Zeit in Lissabon verbringen, ca. 2–4 Wochen. Hier soll in erster Linie an eigenen Projekten 
gearbeitet werden und sich mit der örtlichen Szene der Digitalen Nomaden vernetzt werden. Es geht in erster Linie um Testprojekte, um in verschiedenen Bereichen Erfahrungen zu sammeln.
Danach geht es weiter nach Südostasien, ein genauer Plan steht derzeit noch nicht fest. Kriterien für die Auswahl der Orte sind: 
-Digitaler Nomaden Hotspot (es besteht also die Möglichkeit, von anderen zu lernen und sich auszutauschen)
-günstige Lebenshaltungskosten (Nutzung von Geoarbitrage, also die hohen deutschen Einnahmen nutzen und die niedrigen Kosten in 
anderen Ländern zum Leben verwenden)
Die gesamte Reise soll im Stil des Slow Travel gemacht werden, also nicht nur in einen Ort, sich dort abhetzen, um die gesamten touristischen Highlights zu sehen und dann weiter, sondern es geht darum, tiefer in Kulturen einzutauchen, Lebensweisen zu verstehen, auch um Märkte zu verstehen und Ideen zu sammeln. All dies kann man nicht in 3 Tagen machen, sondern muss sich dort für eine Zeit lang niederlassen und sich auch mit den Einheimischen austauschen.
Wir planen an jedem Ort, den wir ausgewählt haben mindestens 3 Wochen zu bleiben.
Eine grobe Zeitplanung sieht so aus:
11.04. bis max. Ende Mai Fahrradtour von München nach Lissabon.
Aufenthalt in Lissabon
Juni bis “Herbst” Südostasien
Herbst bis Mitte Dezember Südamerika
Philipp und ich wollen den Großteil dieser Zeit auch gemeinsam verbringen und teilweise auch gemeinsam an Projekten arbeiten.
Mitte Dezember bzw. für Weihnachten ist mein Plan, dann zurück in München bzw. Landshut zu sein.

Und warum ist das gar nicht so mutig, wie es sich anhört?

Unabhängig davon, wie erfolgreich diese gesamte Unternehmung jetzt wird, habe ich jederzeit die Möglichkeit wieder zurück zu kehren und mir einen “normalen” Job zu suchen. Ich gehe davon aus, dass ich jederzeit (und damit meine ich wirklich jederzeit) auf mein jetziges Gehalt (1200 Euro netto) pro Monat zu kommen.
Selbst wenn ich vorhaben würde, mir einen “ganz normalen” 9-to-5 Job zu suchen, dann sollte ich das nächste Jahr wie geplant durchführen. Wenn ich mir eine neue Arbeitsstelle suche, dann werde ich mir sicher nicht nach 2 Jahren ein halbes Jahr frei nehmen können, um eine Weltreise zu machen und was in 5 oder 10 Jahren der Fall ist, kann heute niemand wissen.

Auch werde ich weiterhin eine Krankenversicherung und eine private Rentenversicherung haben. Ich werde nicht mein gesamtes Erspartes auf den Kopf hauen, weil wir eben gezielt Länder aussuchen, die günstig sind und wir werden auch nicht wie Touristen alles machen, was teuer ist, sondern uns an die Lebensgewohnheiten der Einheimischen anpassen.

Aber …

… ist das nicht gefährlich?
… wenn du krank wirst?
… wenn dir das Geld ausgeht?
… wenn etwas nicht klappt, wie es geplant war?
… wenn ich es irgendwann bereue?

all diese Gedanken habe ich mir auch gemacht und sie beschäftigen mich auch noch, jedoch sollte man sich von negativen Gedanken nicht selbst beschränken lassen. Mit solchen Gedanken wird man zu einem Feigling, der am besten das Haus nicht verlässt.
Veränderung tut immer weh, ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mut belohnt wird und darauf baue ich jetzt mal.
Es sind nur 8 Monate und in dieser Zeit wird sich so viel ändern und ich so viel Neues erleben, dass ich jetzt noch keine Aussage machen möchte, was darüber hinaus passiert.

Vorurteile

Ich habe vor Nomade zu werden, das bedeutet nicht, dass ich obdachlos werde, sondern nur, dass ich keinen dauerhaften Wohnsitz habe. Ich werde durchaus eine Pension oder Wohnung mieten an den Orten, an denen ich dann lebe. Ich habe mich bewusst für diesen Lebensstil entschieden und nicht aus einem Zwang heraus. Für mich stellt das Luxus dar und nicht Armut.

Dieses Jahr wird kein Jahr, in dem ich nur Urlaub mache. Ich reise nur, werde aber unterwegs auch arbeiten. Zum Teil vor Ort, zum Teil als Freelancer für Auftraggeber in Deutschland, zum Teil an eigenen Projekten (wobei Drittes von mir bevorzugt wird). 
 
Es handelt sich auch nicht um einen geplanten sozialen Abstieg. Menschen, die sich für diesen Lebensstil entscheiden sind überdurchschnittlich gebildet, sie sind Wissensarbeiter, sie sind offen für Neues und haben meist die Einstellung, dass es in unserer Arbeitswelt auch anders funktionieren kann.