Ein Plädoyer für CheckIn Dienste

Oder warum das vermeintliche Ende von #4sq eine Chance ist

Ein Ausschnitt der 52 Badges, die Herr Backhaus gesammelt hat.

Mich würde sehr interessieren, wie groß die vermeintlich gerade schwindende Gemeinde von Foursquare war. Gefühlt hat halb Deutschland diese Applikation genutzt, die als einzige der 2009/2010 gestarteten Services dieser Art und Dimension (CheckIn-Jünger werden sich noch an das Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gowalla erinnern) überlebt hat. Und jetzt soll also Schluss sein (dazu in einem kleinen Rant später mehr) mit dem CheckIn Spaß, den bis heute nur die wenigsten in seiner Mächtigkeit erkannt haben. Zu den wenigen gehören Vapiano und die Deutsche Bahn, die mit viel Aufwand versucht haben den Dienst für Ihre Interessen einzusetzen. Und um welche Interessen mag es sich da wohl gehandelt haben? Na, die Antwort liegt Nahe, fällt einem aber im Kontext von CheckIn Diensten nicht ein (das soll manchen auch bei sonstigen Social Media Aktivitäten passieren ;-). Das Interesse ist wie immer Vertrieb, Marketing, Kundenbindung und Wachstum. Wie soll es auch anders sein.

Eben hier gelingt zumeist nicht der Querschluss von CheckIn Diensten zu Unternehmensinteressen. Das Unverständnis fängt eigentlich noch viel früher an und ist im Mensch verankert. Wann immer ich Nicht-Checkin-Usern diese Dienste erkläre, stoße ich auf völliges Unverständnis. Unverständnis, warum ich aktiv meinen Ort bekanntgebe. Unverständnis, was das überhaupt soll. Meine Antwort, dass das Teil meines Reputationsmanagements ist oder ich den Gamificationansatz mag (ich erinnere mich gerne an meinen Kampf um das Mayorship des Kölner Hauptbahnhofs), werden mit Kopfschütteln beantwortet. Auch das Argument meinen Standort bekannt zugeben, um von den mir verbundenen gesehen und für ein Treffen angesprochen zu werden oder über den Service in fremden Umgebungen Orientierung (Einkauf, Essen, Kultur) zu finden, zogen nicht. Meine evangelisierenden Versuche das CheckIn Fieber weiterzugeben sind zumeist kläglich gescheitert.

Und hier noch ein weiterer Ausschnitt von vom Herrn Backhaus gesammelten Badges

Völliges Unverständnis schlug mir entgegen, als ich erklärte, dass ich seitdem ich Foursquare nutze, weniger telefonieren, da ich mich mit meiner Frau auf Foursquare verknüpft hatte und sie somit immer wusste wo ich mich gerade aufhielt. Anrufe wie “ich bin gleich zu Hause” entfielen fortan. Zugegeben diese Verknüpfung ist Geschmacks- und Vertrauenssache und nicht für jeden geeinigt.

Wo aber liegt in meinen Augen die Mächtigkeit von CheckIn Diensten? Vorausgesetzt man aktiviert die CheckIn-Gemeinde durch Gamification-Mechaniken wie Badges oder Mayorships, ist eine CheckIn Applikation ein Selbstläufer und findet sein Pendant im früher und heute natürlich auch noch unter One-2-One Marketing oder Empfehlungsmarketing [Wikipedia: Unter Empfehlungsmarketing (auch Mundpropaganda, engl. Word of Mouth) bezeichnet, ist ein Instrument der Neukundengewinnung zu verstehen, das durch Mundpropaganda, Bewertungen und Referenzen von Kunden erfolgt.] bekannten Disziplinen.

Eine echte Win-Win-Situation. Der Eincheckende schmückt sich mit den Locations, gibt bei besonderem Gefallen Bewertungen ab (Kritik kann natürlich auch vorkommen) und erhält dadurch Vorteile. Das Unternehmen partizipiert an der übertragenen Reputation und der inherent in Checkin-Diensten beinhalteten Mundpropaganda.

Und jetzt zum angekündigten Rant: Ich habe die letzten Jahre 8.108 Mal eingecheckt, 52 Badges gesammelt, 19 Bilder hochgeladen, 41 Tipps abgegeben, den SuperUser-Level 1 erreicht, um 44 und manchmal mehr Mayorships gekämpft und mich mit 567 Eincheckern verknüpft. Ich hatte viel Spaß und habe viel Zeit investiert. Manchmal habe ich sogar die Beziehung zu meiner Frau aufs Spiel gesetzt, weil sie durch meine ständige Eincheckerei (berechtigt) genervt war. Ich habe mir echt Mühe gegeben ein guter Einchecker zu sein. Und jetzt schlägt mir Foursquare virtuell ins Gesicht, indem es mich wissen lässt, dass sie mich nicht mehr brauchen, da die mobilen Devices mittlerweile technisch so ausgereift sind, das die Lokalisierung auch ohne meinen CheckIn funktioniert. Dabei schaltet Foursquare einfach meine lieb gewonnenen Badges und Mayorships ab, ohne mich gefragt zu haben. So geht man mit einer Community nicht um. Nein. Liebes Foursquare, ich kündige. Du behandelst mich schlecht und wertschätzt nicht, was ich die letzten Jahre für Dich getan habe. Mir ist klar, dass Dir vollkommen egal ist, denn ich bin einer von Tausenden, aber trotzdem tut es mir gut diese Zeilen zu schreiben, da ich so meinen Abschied von Dir zelebrieren kann und das soll man ja bekanntlich tun.

Das ist übrigens kein Abschied von CheckIn Diensten, sondern nur von Dir. Durch Deinen Wegfall habe ich Platz für einen neuen Dienst bekommen, mal sehen wer das Rennen macht.