Tag zwei nach dem Attentat in Bangkok

Eine Überlebende spricht.


Am Montagabend explodierte eine Bombe in der Innenstadt Bangkoks. Ziel des Anschlags war der hinduistische Schrein Erawan. Er gilt als Touristenmagnet, daher ist er immer gut besucht. Die Polizei vermutet Rebellen hinter dem Anschlag. Insgesamt starben bisher 25 Menschen, über 120 sind (zum Teil schwer) verletzt.

Nun spricht eine, die überlebt hat. Manuela Bauer* ist eine Frau Anfang 30. Die Wiener Lehrerin nutze die Sommerferien zum Reisen. In den letzten 6 Wochen war sie bereits in Singapur, Hongkong, Tokio, Kuala Lumpur, Seoul und Taiwan. Nun war sie wieder in ihrer “Homebase”, wie sie Bangkok selbst bezeichnet. Lebte in der Khao San Road, die bekannte Backpacker Straße Bangkoks. Sie fühlte sich wohl in der Metropole. Jedenfalls bis Montagabend. Da wollte sie shoppen — eigentlich.

“Ich wollte ein bisserl shoppen, aber es war extrem heiß an dem Tag. Deshalb brauchte ich eine Klimaanlage. Ich wusste, dass in jedem Geschäft eine ist, also bin ich in das nächste rein. Ich war erst kurz drinnen, dann gab es einen riesigen Knall. Ich sah nur noch Feuer. Überall. In dem Moment habe ich nicht mehr gedacht, sondern nur noch funktioniert. Danach musste ich raus. Jeder hat für sich gekämpft. Ich bin um mein Leben gerannt. Der Gestank draußen war unerträglich. Aber die Schreie waren das schlimmste. Alle haben geschrien. Ich auch. Das werde ich nie vergessen. Ich weiß nicht, wie ich mir helfen kann. Ich bekomm die Schreie nicht aus dem Kopf.

Foto vom Tatort kurz nach der Explosion. Credit: Flo Kaheli

Überall um mich war Feuer. Ich wollte einfach nur weg. Ich bin gerannt. Weg vom Feuer. Ich bin immer ins Dunkle gelaufen. Einfach nur weg vom Feuer. Beim Laufen habe ich meine Flip Flops verloren. Glassspitter bohrten sich in meine Füße. Ich lief immer weiter, lief weiter um mein Leben. Bis ich nicht mehr konnte. Sowas wirst du nie vergessen, wenn du um dein Leben gerannt bist.

Foto vom Tatort kurz nach der Explosion. Credit: Flo Kaheli

Nach wohl zehn Minuten hab ich mich am Bordstein gesetzt. Danach wollte ich nur noch ins Hotel. Hab ein Taxi genommen. Der Fahrer hat aber gesehen, dass ich verletzt war. Und ich behandelt gehöre. Er meinte immer ‘No Hotel. Hospital!’ Er hat mich ins Krankenhaus gebracht. Ich hab das nicht realisiert. Hatte einen Blackout. Weiß nichts mehr… Der Taxifahrer war mein Retter.

Im Krankenhaus selber waren so viele Verletzte — Furchtbar. Es wurde mir aber direkt geholfen. Man hat meine Füße gereinigt und alle Scherben raus.

Foto vom Tatort kurz nach der Explosion. Credit: Flo Kaheli

Den Tag danach war ich wieder am Tatort. Musste hin — zum Verarbeiten. Ein beängstigendes Gefühl: Überall Polizei. Hab jede Sekunde Angst gehabt, dass es wieder einen Knall gibt.

Funktioniert hat es aber nicht. Ich halt’ das nicht aus. Ich weiß nicht, wie ich mir helfen kann. Hab’ ständig Angst, kann kaum schlafen.

Fliege am 21.8. wieder zurück nach Wien. Ich hoffe, dass es dann besser wird. Denn die Wunden am Körper heilen schnell, die in meiner Seele nicht.”

*Name wurde von der Autorin geändert.