Tom Yam Gung — Thailand für Einsteiger

by takaokun @ Flickr

Die thailändische süß-säuerliche Garnelensuppe führte mich — einen Durchschnittsdeutschen, der vor allem mit Kartoffelsuppe groß geworden ist und Suppe noch nie im Restaurant bestellt hat — zu zwei interessanten Erkenntnissen über Speisen.

Das erste Mal hatte ich von dieser Suppe in Australien gehört. Wir waren bei einer Gastfamilie in Melbourne untergekommen, die uns abends zum Thailänder einluden. Die Gastmutter bestellte Tom-Yam Suppe und jeder durfte probieren. Lecker, die muss ich mir merken, lautete mein Fazit an dem Abend, doch wie das nunmal so ist, wusste ich vier Wochen später in Thailand nicht mehr so recht, wie die Suppe denn nun hieß und ich konnte mich ehrlich gesagt auch nicht mehr genau daran erinnern, warum ich sie mir merken wollte. Nur eben, dass sie irgendwie lecker war.

Bei unserem ersten Mittagessen in Ayutthaya bestellte ich also eine Suppe, die entfernt zu dem Tom-irgendwas in meinem Kopf passte. Mir wurde erst später klar, dass jede zweite Suppe in Thailand Tom-irgendwas heißt.

Es kam eine Suppenschüssel mit allerlei Gemüse drin und zwei Garnelen in Schale. Champions, gehackte Chilischoten und Cherry-Tomaten konnte ich leicht erkennen und etwas, das wie Basilikum aussah. Ich beschnupperte verschiedene Scheibchen und Röhrchen und kaute für einen Geschmackstest darauf herum. Ungewohnt hart, sehr faserig und ich fragte mich, ob man das wirklich essen kann. Ein unsicherer Blick zu den Nachbartischen, doch schlauer wurde ich nicht.

Ich pulte die Garnelen aus ihren Schalen, aß, was ich kannte, schlürfte den Rest, wischte mir die Tränen aus den Augen und wusste nicht, ob die Suppe lediglich sehr heiß oder verdammt scharf war. Betäubte Geschmacksnerven kühlte ich mit einem Singha-Bier. Nach dem letzten Löffel beschaute ich das Suppenerlebnis. Die Hälfte war noch übrig, um die Schüssel herum hatte ich Garnelenschalen und halb zerkaute Fasern und Hülsen verteilt.

Die zweite Suppe ein paar Tage später sollte meine Souveränität stärken. Immerhin waren die Zutaten in etwa gleich. Die Garnelen ebenfalls in ihren Schalen, erneut unkaubare Scheibchen und Sprösschen. Dann in einem Gespräch mit einem Thailänder: Ja, das gehört so. Thai-Ingwer (Gargant) und Zitronengras sind nur zum Würzen da und bleiben übrig — ein deutlicher Unterschied zur deutschen Esskultur.

Die erste Erkenntnis: Wir essen den Teller leer. Übrig bleiben höchstens Lorbeerblätter und Wachholderbeeren und auch nur dann, wenn der Koch beschlossen hat, diese nicht vor dem Servieren herauszunehmen.

Im Süden auf Kho Lanta gab es geschmacklich ähnliche süß-saure Tom-Yam-Suppen, jedoch deutlich touristenfreundlicher zubereitet. Reine Würzmittel — die Hälfte aller Zutaten — wurden vor dem Servieren herausgenommen, die Schärfe mit Kokosmilch gemildert, der Preis vervierfacht.

Die zweite Erkenntnis kam zu Hause in Deutschland. Ich hatte beschlossen, meine neue Lieblingssuppe nachzukochen. Thai-Ingwer und Zitronengras bekommt man im Asia-Laden, tiefgekühlt oder frisch. Dazu Koriander und rote Chilipaste. Limetten, Champions, Garnelen und Gemüsebrühe waren nicht aus Thailand. Die fertige Suppe erstaunte mich. Die Zutaten machen die Suppe. Wenn die wichtigsten Zutaten aus Thailand kommen, schmeckt die ganze Suppe nach Thailand. Und noch mehr: Von Koriander hatte ich bis dahin gehört, konnte diesen geschmacklich jedoch nicht zuordnen. Koriander ist für den Asiaten das, was für den Deutschen die Zwiebel ist.

Seitdem schmecke ich Thailand, wenn ich Koriander esse.