“Love out Loud” — im Liveblog

Die afk-VJs als Reporter auf der re:publica

„Wir brauchen noch SD-Karten, diese hier funktionieren nicht!“ Hektisch ist es für die Münchner Videojournalisten auf der re:publica. Drei Tage berichten sie nonstop von der Konferenz, besuchen einen Vortrag nach dem anderen — und kämpfen mit den kleinen Tücken der Technik. Denn auch wenn sie mit hochauflösenden Kleinkameras und modernstem Gerät unterwegs sind — quittieren Minuten vor der Rede von Innenminister de Maiziere die Speicherkarten den Dienst, muss schnell Ersatz besorgt werden. Rebekka Scheib wartet auf den Minister, ihre Kollegin Delia Friess saust los. Es bleibt etwas Zeit, noch sind es 20 Minuten bis zum Auftritt des Ministers.

Impressionen von der re:publica

Seit vier Wochen werden die VJ-Stipendiaten trainiert, lernen in Seminaren Recherche-Tricks, Beitragsbau und andere journalistische Grundlagen. Und natürlich: wie die Technik funktioniert. „Man braucht als VJ eigentlich vier Augen, um immer alles im Blick zu haben“, sagt die 25-jährige Rebekka. „Schärfe ziehen, den richtigen Farbton haben, gleichzeitig mit dem Interviewpartner plaudern und im Hinterkopf planen, welche Bilder man noch drehen muss.“ Ein anstrengender Job, nicht nur wegen des Multitaskings, sondern ganz praktisch: das Equipment eines VJs wiegt mehrere Kilos — mit Kamera, Stativ, Licht und Akkus. Und natürlich trägt jeder VJ seine Sachen selbst, schließlich ist es Teil der Jobbeschreibung, als Allein-Alleskönner unterwegs zu sein. Das Tragen? Nunja, sagt Scheib. Und strahlt: „Der Job macht einen Heidenspaß.“

Der Live-Blog von der re:publica:

Im Hotel gegenüber der re:publica haben die VJs ihr Basislager aufgebaut. Einer macht hier den Chef vom Dienst, organisiert die Gruppe und baut das Blog: ein Mix aus Artikeln, Videos und Fotos von der re:publica, optisch hübsch aufbereitet mit dem kachelartigen Storytile-CMS und garniert mit Tweets von anderen Besuchern. Diese Tweets heraussuchen und gucken, dass das Gesamtbild des Blogs stimmt — dafür sorgt der CvD. Lea Neu macht das Spaß, sagt sie: „Es ist schon eine Verantwortung, das hier zusammenzubauen. Allerdings kann man als CvD nicht gleichzeitig auf der Konferenz unterwegs sein. Deswegen wechseln wir uns auch ab.“

Claus Kleber im Interview mit afk tv

Nebenan schneidet Melvina Kotios gerade an einem Interview mit Claus Kleber. Sie hat den ZDF-Anchor zu Falschnachrichten und „Fake News“ befragt. „War schon ein Erlebnis, direkt mit ihm zu sprechen. Total nett und zugänglich“, erzählt sie. Sie hat ihn sich „gegriffen“, wie die VJs sagen — ist nach der Veranstaltung mit dem Mikro in der Hand auf ihn zugestürmt und hat um ein schnelles Interview gebeten. Für Kleber kein Problem — die VJs von afk tv werden hier ernst genommen, so wie jedes andere Kamerateam auch: Sie machen hier Interviews mit bekannten Gesichtern wie beispielsweise Bundeswirtschaftsministerin Zypries oder Medienjournalist Stefan Niggemeier. So auch die 27-jährige Melvina Kotios mit Kleber: Vier Fragen mitten im Gewühl der großen Medienkonferenz, dann mit dem Material in der Hand zurück ins Hotel.

Kleber: “Nur wer Fehler eingesteht, wirkt glaubwürdig!”

Delia Friess hat inzwischen eine neue SD-Karte für ihre Kollegin besorgt. Eigentlich sollte sie längst im Saal sitzen, um gleich den Artikel über de Maizieres Rede zu schreiben. „Aber es ist klar, dass wir uns hier bei der re:publica die Bälle zuwerfen und gegenseitig aushelfen“, sagt sie. Denn auch wenn VJs eigentlich als Einzelkämpfer arbeiten können sollten: Auf der Riesenkonferenz mit 8000 Besuchern und Hunderten Vorträgen und Diskussionen ist das kaum machbar. Dass sich ihre Teamarbeit auszahlt, sehen die VJs an ihrem Blog. Artikel für Artikel wird es länger.

Melvina Kotios hat inzwischen das Interview mit Kleber fertig „verpackt“. Schnell gibt es noch ein Feedback vom technischen Betreuer Tomas Sajdak und von Seminarleiter Jan-Peter Bartels. Die beiden sind ständig als Ansprechpartner greifbar, versorgen die VJs mit Tipps und Tricks, geben Feedback und Verbesserungsvorschläge. Schließlich sollen die VJs auf der re:publica nicht nur den Stress des täglichen Nachrichtengeschäfts erleben und bewältigen lernen, auch die Ausbildung soll nicht zu kurz kommen. „Die afk-VJs schlagen sich richtig gut, die sind schon ziemlich abgebrüht“, stellt Sajdak fest. „Beispielsweise in all dem Trubel die Nerven zu behalten bevor ein Minister auftaucht und ruhig und ohne Panik eine Lösung für ein technisches Problem zu suchen, dazu gehört schon was. Klar, dabei gehen Puls und Blutdruck hoch — aber das gehört zu der Erfahrung hier dazu.“

Eine afk tv VJane beim vorbereiten eines Interviews

Rebekka Scheib hat inzwischen mit ihrem Kollegen Simon Kerber den Bundesinnenminister erspäht. „Ein kurzes Interview für afk tv?“, ruft Kerber de Maizieres Pressesprecher zu. Der gibt einen Korb: zu enger Zeitplan. Schon Schade, sagt Kerber später, aber es gebe ja viele andere spannende Themen und Gesprächspartner auf der re:publica. Die VJs verschwinden im Getümmel, auf der Suche nach dem nächsten Interviewpartner.

Das Motto der rp17