Nutzung von Open Data im Rahmen der Radverkehrsstrategie Hamburg

Wie kann Open Data Hamburg zu einer fahrradfreundlicheren Stadt machen?

Vision von SPD und Grünen für Hamburg: 25 Prozent aufs Rad

“Wir wollen den Radverkehr in Hamburg weiter ausbauen. Unser Ziel ist es, innerhalb der 2020er Jahre den Radverkehrsanteil von 12 auf 25 Prozent zu steigern.” Diese Zielsetzung haben SPD und Grüne für die Legislaturperiode 2015 bis 2020 in Hamburg im Koalitionsvertrag formuliert. Bis in die 20er Jahre soll der Radverkehrsanteil somit auf 25 Prozent in Hamburg steigen. Dazu sind viele bauliche Maßnahmen notwendig. Zum Beispiel sollen jährlich 50 Kilometer Radverkehrsanlagen gebaut oder saniert werden. [Quelle]

Fahrradstadt Hamburg? Von wegen!

Im ADFC-Fahrradklima-Test 2016 konnten Radfahrer bewerten, wie fahrradfreundlich ihre Stadt ist. Mit einer Gesamtnote von 4,2 (schlechtester Wert wie in der Schule: 6) landet Hamburg dabei auf Platz 31 — von 39 Städten. Mit einer krachenden 5,3 wurde die Falschparkerkontrolle auf Radwegen am negativsten bewertet, gefolgt von der Verkehrsführung an Baustellen und der (oft nicht ausreichend vorhandenen) Breite der Radwege. [Quelle]

Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle

Auf Grundlage welcher Informationen werden Entscheidungen für die Radverkehrsstrategie in Hamburg getroffen? Hier sind drei Faktoren zu nennen:

  • Das Radverkehrsaufkommen in Hamburg wird an 38 sogenannten Fahrradpegeln an einem möglichst repräsentativen Tag pro Jahr manuell erhoben. Auch unter Berücksichtigung der Streuung der Jahreswerte z. B. auf Grund der Witterung zeigt die aus diesen Pegelmessungen resultierende Kurve einen seit Jahren ansteigenden Trend, wobei die Grafik nur bis einschließlich 2014 geht (siehe Grafik unten).
  • Zur Ergänzung und Weiterentwicklung der Fahrradpegel wird die Einführung neuer Zähltechniken wie z. B. automatischer Dauerzählstellen geprüft; bei Erfolg sollen diese weiter ausgebaut werden. Auf Initiative des Bezirksamtes Hamburg-Mitte wurde im Oktober 2014 eine erste derartige Dauerzählstelle für den Radverkehr am Radweg An der Alster / Höhe GurlittInsel eingerichtet.
  • Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen, d. h. an allen zurückgelegten Wegen (Modal-Split) wird über Haushaltsbefragungen ermittelt. Daten liegen nur für die Jahre vor, in denen die bundesweite Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD) durchgeführt wurde. Bei der letzten Befragung im Jahr 2008 wurde für Hamburg eben ein Radverkehrsanteil von 12,2 % ermittelt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bereitet zurzeit eine Aktualisierung der MiD-Studie für das Erhebungsjahr 2016 vor, deren Ergebnisse voraussichtlich im Jahr 2017 verfügbar sein werden (liegt Stand 15.07.2017 nicht vor). [Quelle]
Offizielle Grafik der Stadt Hamburg zum Fahrradverkehrsaufkommen bis 2014

Die letzte offiziell veröffentlichte Grafik zu den Messergebnissen der 38 Fahrradpegel entstammen dem Fortschrittsbericht der Radverkehrsstrategie für Hamburg aus dem Jahr 2015 und decken wie gesagt nur Daten bis 2014 ab (siehe Grafik oben). Aktuellere Zahlen finden sich aber in der Antwort des Senats auf eine schriftliche Anfrage des Abgeordneten Martin Bill (GRÜNE) vom 16.02.2017. In den hierzu veröffentlichten Daten finden sich die genauen Standorte der Messungen sowie Messergebnisse der 38 Fahrradpegel von 2011 bis 2016. [Quelle]

Orte der 38 Fahrradpegel in Hamburg

Anhand der obigen Karte lässt sich zunächst erkennen an welchen Standorten die jährlichen Messungen durchgeführt werden. In mehreren Fällen werden an nur einer Kreuzung an bis zu vier Messpunkten Daten erfasst. Betrachtet man die Karte generell, kann eigentlich nur von einer sehr punktuellen Erfassungen des Radverkehrs geprochen werden. Betrachtet man weiterhin die Messergebnisse der einzelnen Stationen lassen sich keine eindeutigen Trends erkennen (siehe Grafik unten). Vielmehr zeigt sich ein sehr zufälliges Bild an den Messpunkten welches zwischen Auf- und Abwärtstrends sowie Kurvenbewegungen schwankt.

Messergebnisse der 38 Fahrradpegel in Hamburg

Summiert man die Ergebnisse der 38 Fahrradpegel pro Jahr lässt sich der Aufwärtstrend der offiziellen Grafik nur bis 2014 bestätigen. Ab 2014 scheint die Zunahme des Radverkehrsaufkommens in Hamburg zu stagnieren, wobei man bei Betrachtungen der einzelnen Messpunkte generell schwierig überhaupt einen gemeinsamen Trend ausmachen kann (auch wenn es z.B. das Hamburger Abendblatt trotzdem gerne tut).

Fahrradverkehrsaufkommen von 2011 und 2016 (Summe der 38 Fahrradpegel)

Nutzung von Open Data im Rahmen der Radverkehrsstrategie

Im Hamburgischen Transparenzgesetz (HmbTG) ist eine umfassende Veröffentlichungspflicht von bislang verwaltungsinternen Informationen festgelegt, um die vorhandenen Informationsmöglichkeiten zu verbessern, die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu fördern und die Kontrolle staatlichen Handelns zu unterstützen. Im Transparenzportal Hamburg stehen täglich neue Informationen zur Verfügung, die von der klassischen Verwaltung (z.B. Bezirksämter und Fachbehörden) und von öffentlichen Unternehmen (z.B. HafenCity Hamburg GmbH und Elbe-Werkstätten) für das Portal bereitgestellt werden. [Quelle]

Stellt sich nun die Frage wie die sogenannten “Offenen Daten” genutzt werden können um die Radverkehrsstrategie zu unterstützen? Eine erste Option sind die Daten von StadtRAD Hamburg, die über das Open-Data-Portal der Deutschen Bahn zur Verfügung stehen. Aus diesen Daten habe ich eine Karte erstellt. Die Karte nutzt zunächst die Buchungsdaten für den gesamten Monat Juni 2016. Je heller eine Straße desto mehr Leute sind diese Route gefahren. Die roten Punkte markieren die StadtRAD-Stationen. Ich habe ebenfalls eine interaktive Karte erstellt.

Nutzung von StadtRAD Hamburg im Juni 2016

Eine zweite Option sind die Daten von Strava, einem sozialen Netzwerk zum internetbasierten Tracking von Radtouren. Die zurückgelegten Strecken können von den Nutzern über eine APP samt Informationen zur Dauer, der Steigung, der Geschwindigkeit, dem Krafteinsatz, der Temperatur oder dem Energieumsatz abgespeichert werden. Strava Metro, ein Ableger von Strava, stellt den Städten und deren Planern die Rohdaten zur Verfügung. 76 Städte und Regionen weltweit nutzen bereits die Daten von Strava Metro zur Planung der Fahrradinfrastruktur (Stand 2016). Die Karte unten zeigt einen Ausschnitt der Strava Metro Daten für Hamburg. [Quelle]

Strava Daten für den Bereich Hamburg

Diese zwei Open-Data-Ansätze könnten bei der künftigen Planung der Radverkehrsstrategie für Hamburg berücksichtigt werden. Die Daten und der Code für die obenstehenden Grafiken sind auf meinem Github verfügbar.