Ich bin wer ich will.

Ich sitze alleine an meinem Schreibtisch und bin dennoch mit rund 650 Millionen Anderen vernetzt. Diese Anzahl an Menschen treibt sich täglich auf dem sozialem Netzwerk Facebook herum. So erfahre ich dass Kai, welchen ich aus meiner Schulzeit kenne, nun Vater ist. Mike hat nun endlich(!) einen Job und Julias Schmollmund wirkt auf ihrem Profilfoto äußerst anziehend — like!

Es ist heutzutage so leicht wie nie zuvor Anklang zu finden, soziale Kontakte zu pflegen und keine der Meilensteile aus dem Leben meiner Mitmenschen zu verpassen. Mir fällt auf wie schön doch nur das Leben meiner Facebook-Kontakte ist. Den Bildern zufolge sind sie ständig auf Reisen, tummeln sich auf Feten und schmusen mit ihren Katzen auf dem Sofa. So stellt sich schnell die Frage — Was mache ich falsch?

Anscheinend bin ich nicht der Einzige, welcher sich diese Frage stellt. Die Psychologen Christina Sagioglou und Tobias Greitemeyer von der Universität in Innsbruck nehmen User des Sozialen Netzwerkes unter die Lupe und kamen zu dem Entschluss, dass Facebook den Nutzer höchst unglücklich macht. Betroffen sind selbstzweifelnde, heranwachsende junge Menschen welche den Sturm an “glücklichen-Bildern” nicht richtig einordnen können.

http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologische-studie-facebook-macht-miese-laune-1.1952410
aufgerufen: 24 Novomver 2015, 15:06Uhr

Die sozialen Netzwerke sind knapp gesagt ein gigantischer “Beliebtheitswettbewerb” . Es werden nur die freudigen Erlebnisse im Leben geteilt, dies sollte einem Bewusst sein. Kein gesunder Menschenverstand postet nach dem Aufstehen seine miserabel sitzende Frisur — lichtet sein unaufgeräumtes Zimmer ab oder postet ein Detailschuss seines lichten Haaransatzes.

Doch ist es dem Internet nicht geschuldet in Windeseile sein Selbstbewusstsein aufzubauen? Mit Hilfe eines (sehr) gutem Lichtverhältnisses wirken auch meine Oberarme muskulös — schwöre! Mein Zuname erscheint mir für meinen dunklen Teint etwas zu deutsch — na dann ändere ich ihn eben.

Unsere Digitale Identitäten bestimmen wir selbst. Denken wir zumindest. Geht man ins Detail verbirgt sich hinter unseren User-Namen (AlexAnder, Rednaxela, Pink-Butterfly89) noch mehr. Auf jeder Webseite die wir besuchen, hinterlassen wir einen digitalen Fingerabdruck in Form der IP-Adresse unseres Computers. Auch unsere Wohnadressen sind leichter herauszufinden als vielleicht gedacht. Diese geben wir willenlos auf Online-Versandhäusern preis.

Wäre die digitale Welt sicherer wenn wir alle unter unseren echten Namen auftreten würden? Wir würden uns eventuell zweimal überlegen was und an wen wir etwas schreiben. Die Frage stellt sich ob Mobbingkampagnen sowie sämtlicher Shitstorm verhindert werden kann wenn sich ein Uwe Müller auch als dieser outet. Vor allem große Unternehmen wie Google befürworten diese These.

http://www.zeit.de/2011/32/P-op-ed-Anonymitaet
aufgerufen: 24 Novomver 2015, 16:20Uhr

Doch gesunde Menschen wie wir, wollen diese bestehende Anonymität nicht missen. In unserem digitalem Marktplatz sind wir einer von vielen/ einer den wir vorgeben zu sein.