Weihnachten im Sommer und kurze Abkühlung in Südfrankreich

Balkonblick

Jaa ich weiß, ich habe schon seit über einem Monat keinen Blogeintrag mehr hochgeladen… Das bedeutet aber nicht, dass ich zu faul geworden bin oder keine Lust mehr dazu habe! Ganz im Gegenteil. Ich bin hier so gut beschäftigt, dass ich oft gar nicht die Zeit finde, Artikel zu schreiben. Morgen sind es genau 3 Monate, die ich schon auf der Insel lebe. Aber ich muss sagen, ich habe das Gefühl, dass ich schon viel länger hier bin, weil ich so vieles erlebe und mir einfach nie langweilig wird.

Seit dem letzten Blogartikel ist viel passiert. Es ist mittlerweile Dezember und ich fühle mich ganz und gar nicht in vorweihnachtlicher Winterstimmung. Seit einem Monat hat der Sommer auf der Südhalbkugel begonnen. Es ist hier richtig heiß, und ich gebe zu, ich genieße es sehr. Ein Mal im Leben einen kompletten Winter zu überspringen, das ist schon etwas Verrücktes.

Plätzchen habe ich mit ein paar Studenten hier für mein Volontariat zwar auch schon bei sehr winterlichen +29°C Außentemperatur gebacken, aber die vorherrschenden klimatischen Gegebenheiten hindern einen schlichtweg daran, an Weihnachten zu denken. Da hilft auch die ganze Weihnachtsdeko in den Städten und den Einkaufszentren nichts. Sobald man seine Sonnenbrille absetzt, um die Deko besser auf sich wirken lassen zu können, und dann im Sommerkleidchen darauf wartet, dass das Weihnachtsfeeling eintritt, kann man da noch so lange stehen und hoffen und warten bis es Nacht wird und die Deko zum leuchten anfängt, aber es hilft alles nichts. Hier, auf der anderen Seite des Globus, ist einfach alles anders. Ich werde wohl bis nächstes Jahr warten müssen, um wieder die volle Dröhnung Weihnachten abzubekommen. Wenn ich ehrlich bin, geht mir die ganze Adventszeit und Weihnachtsstimmung trotz all der Annehmlichkeiten hier sogar ein wenig ab. So ist das mit der Gewohnheit und der Tradition, die wird man nicht so schnell los.

Lustigerweise habe ich auf der Insel schon drei oder vier Leute mit Wollmütze herumlaufen sehen, seit ich hier bin. Vielleicht sehnen sie sich ja nach Winter. Man ist ja auch nie zufrieden mit dem was man hat. Vielleicht ist es aber auch ein Fashion Statement, wie die Stars, die in Los Angeles, wo es sogar im Winter warm ist, mit fellgefütterten UGG Boots rumlaufen. Ich freue mich auf jeden Fall, jeden Morgen mit kurzen Sachen nach draußen gehen zu können und zuzusehen, wie sich die Bräunung meiner Haut Tag für Tag intensiviert. Die Pflanzen und Bäume tragen jetzt alle ihre roten und violetten Kleider, die Litschis hängen pflückbereit an den Bäumen und der Verkauf der reifen Mangos hat auf den Märkten begonnen. Gleichzeitig gibt es aber, was, in Kontrast gestellt mit den sommerlichen Eindrücken, ein bisschen absurd wirken mag, ab morgen auch einen Weihnachtsmarkt in Saint-Denis. Ich möchte mir den auf jeden Fall anschauen und bin sehr gespannt drauf. Anstatt der Winterstiefel werde ich aber Flip-Flops anziehen und anstelle der Handschuhe, werde ich eine Sonnencreme in meine Tasche packen.


Marseille
Leuchtturm, Sanary-sur-Mer

Ein kleines bisschen Kälte habe ich jedoch vorletzte Woche abbekommen. Ich war für 8 Tage in Sanary-sur-Mer, einem schönen kleinen Hafenstädtchen in der Nähe von Marseille, in der Geschichte relativ bekannt als Exil für deutsche und österreichische Schriftsteller und Künstler während der Zeit des Dritten Reiches. Hier fand das 2. Seminar meines Volontariats statt. Und eins kann ich sagen: ES WAR SO COOL. Ich glaube, ich habe in dieser kurzen Zeit wieder zu mir gefunden. Wir sind eine Gruppe von 30 Volontären, Deutsche und Franzosen, und wir verstehen uns alle total gut. Zu einigen entwickelt man natürlich eine engere Beziehung als zu anderen, und ich bin sehr froh darüber, einige Personen nun noch besser kennengelernt haben zu dürfen. Außerdem finde ich es sehr amüsant, nur von Leuten umgeben zu sein, die beide Sprachen sprechen. Man braucht also gar nicht aufzupassen, auf welcher Sprache man jemanden anspricht; man kann einfach spontan drauflosreden und wird von seinem Gegenüber problemlos verstanden. Außerdem ist jeder in der Gruppe wirklich sehr aufgeschlossen, das ist sehr angenehm. Es gibt keine Grüppchenbildung, beim Essen sitzen jedes Mal andere Gruppenkonstellationen um die verschiedenen Tische, während der Arbeitsphasen werden jedes Mal neue Tandems ausgelost… Ich finde wir haben ein gutes Gleichgewicht. Ich vermisse euch sehr, liebe volontaires :)

Den Inhalt des Seminars kann man glaube ich folgendermaßen zusammenfassen: 50% vor Lachen auf dem Boden kugeln, 30% reden, zuhören, austauschen und interessante Gespräche führen, 20% essen, essen, essen, 10% kreative Plakate zu unseren Zukunftsplänen gestalten. Schlaf kam hier leider immer etwas zu kurz. Für unseren letzten Abend hatten zwei unserer Kolleginnen eine super Idee: Es wurden unsere Namen auf Zettelchen verlost und jeder sollte auf der Abschiedsparty eine andere Person darstellen und imitieren. Natürlich ohne verletzend oder diskriminierend zu werden. Es war echt so witzig. Auf Grund der Genauigkeit der Imitationen hat man wirklich gemerkt, wie gut wir uns schon kennen, obwohl wir erst zwei Wochen zusammen verbracht haben. Zwei Wochen können schon reichen, wenn man während dieser Zeit quasi 24h aufeinandersitzt und sich so gut versteht. Auf jeden Fall habe ich mich so sehr in Juliane, die ich darstellen sollte, hineinversetzt, dass ich teilweise wirklich das Gefühl hatte, ich bin sie. Hahaha. Ich hatte auch Klamotten von ihr an, und ein paar Mal wurde mir erstaunt zugeraunt „Oh man, Alice, ich hab jetzt echt gerade gedacht da steht Juliane neben mir“. Ich bin sehr stolz auf meine Wandlungsfähigkeit.

Ich glaube die Kombination aus Schlafmangel, Klimaanlage im Flugzeug und die ungewohnte Kälte auf dem Festland haben leider dazu geführt, dass ich nun schon seit 2 Wochen krank bin. Schei… äh, schade. Ich hoffe, dass es bei mir ab jetzt wieder bergauf geht, damit ich am Sonntag mit meinen Freunden zu einem Brunch in einer Strandbar und anschließend zu einer Poolparty mitkommen kann!

Show your support

Clapping shows how much you appreciated Alice’s story.