“Weich” ist nur gut, wenn es um Bettwäsche geht.

Oder: Warum das Leben manchmal lieber hart sein sollte.


Ich bin total erwachsen. Und abgeklärt. Und rational — okay, das stimmt vielleicht nicht ganz, aber die meiste Zeit komme ich trotzdem einigermaßen gut zurecht mit meinem emotionalen und intellektuellen Reifegrad. Es gibt aber immer wieder diese Momente, in denen man knallhart zurückgeworfen wird und sich plötzlich wieder fühlt, wie eine Teenager-Version seiner selbst. Und damit meine ich nicht, dass man verlegen kichert, geflochtene Zöpfe trägt oder diese grauenhaften Jeans, die man damals halt so angezogen hat (die mit den komischen Waschungen und mit-ohne Hosentaschen auf dem Hintern, da sah der gleich mal 2 Nummern größer aus — was habe ich mir eigentlich dabei gedacht?!). Äußerlich sind diese Zeiten definitiv vorbei — im Inneren leider nicht. Du glaubst mir nicht? Dann gebe ich dir jetzt ein — wirklich total willkürlich gewähltes! — Beispiel, das sicher nicht auf einem Erlebnis von mir basiert. Echt nicht. Man lernt einen (total netten) Typen kennen, man trifft sich x-Mal und irgendwann beschließt man: heute kannst du mir deine Briefmarkensammlung zeigen. Oder du gehst noch mit auf einen Kaffee zu ihm, weil dir eingefallen ist, dass deiner zu Hause leider alle ist. Oder, oder. Manchmal gehen solche Ereignisse aber leider in die Hose — oder es kommt erst gar nichts aus der Hose heraus. “Sowas ist mir noch nie passiert…” und “Ich hab einfach so viel Stress in der Arbeit, das macht mich fertig…”. Ernsthaft?! Es gibt Länder, in denen die Menschen 20 Stunden am Tag härteste Arbeit leisten — aber dein Bürojob ist natürlich ein ganz anderes Kaliber, der kann einen wirklich fertig machen. Man, wenn jeder so eine niedrige Stresstoleranz hätte wie du, dann wäre in einigen Jahren so mancher Kontinent menschenleer! Das ist es, was ich normalerweise denken würde — wenn ich in diesem Moment und dieser speziellen Situation nicht zu meinem Teenager-Selbst mutiert wäre. Stattdessen baut sich im östrogenüberschwemmten Hirn ein ganz anderer Satz zusammen: “Liegt es an mir? Habe ich etwas falsch gemacht? Findet er mich zu dick? Den Hintern zu groß oder die Brüste zu klein — oder genau andersrum?” Moment: Will ich bzw. mein Teenager-Selbst, gerade ernsthaft die Verantwortung für die Dysfunktionalität des Körperteils einer anderen Person übernehmen?! Das ist vollkommen bizarr — und dennoch bin ich mir sicher, dass sich sogar die Victoria Secret-Engel hin und wieder wegen genau solchen bescheuerten Gedanken in den Schlaf geheult haben! Komplexe, vermeintliche Problemzonen und übersteigertes Verantwortungsgefühl sind aber weder schick — noch ein Zeichen fürs Frau-Sein. Sie sind nur unreif, dämlich und absolut überflüssig. Deshalb sperre ich mein Teenager-Selbst wieder schön in der hintersten Ecke meines Gehirns ein (natürlich mit einer Schachtel Marlboro Light, Süßigkeiten und Vodka-Kirsch — ich bin ja kein Unmensch) und schaue mir die Situation nochmal als Erwachsene an: Dein Job, dein Ding — dein Problem, mein Hintern hat damit echt nichts zu tun. Sorry, ehrlich — lass uns jetzt einfach mal zusammen schauen, was in der Glotze läuft. Ohne viel Blabla — und bitte ohne Kuscheln.

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