Wo bin ich — und was mache ich hier eigentlich?! Bilanz eines 12-Stunden-Dates.

Irgendwann, an irgendeinem Ort, der sicher nicht in der Nähe ist.


Das Folgende ist ganz sicher nicht mir passiert, sondern der Cousine, der Bekannten, einer Freundin von mir. Alles unklar soweit? Sehr schön. Also diese besagte Person kam auf die grandiose Idee, sich mit einem Typen zu treffen, den sie auf Tinder — ähm…in einem malerischen Straßencafé — kennengelernt hat. An einem hochchristlichen Feiertag, man hat ja sonst nix Besseres zu tun. Außer vielleicht die Steuererklärung machen, Frühjahrsputz oder einfach in der Ecke sitzen und die gegenüberliegende Wand anstarren (das wären alles tolle und empfehlenswerte Alternativen gewesen…im Nachhinein betrachtet). “Ein Kaffee wird dich schon nicht umbringen” wird sie sich wohl gedacht haben, denn sie war einfach zu neugierig auf den Typen, der sie mit “Bock zu ficken” begrüßt hatte (im Straßencafé natürlich, fang jetzt bloß nicht an, die Geschichte zu hinterfragen, ich warne dich, das zerstört den Zauber). Erstaunlich lustige Gesprächsverläufe wechselten sich mit verstörenden Episoden und exzessiver (einseitiger) Zurschaustellung von Genitalien ab — von welcher Seite aus, soll an dieser Stelle ein Geheimnis bleiben. Unsere Protagonistin befand sich geschätze 45 mal an dem Punkt, den Typen endgültig zu blockieren — ähm…aufzustehen und das Straßencafé zu verlassen — tat es aber nicht. Sie war einfach zu neugierig und auch etwas gelangweilt von der Monotonie und den bekannten Mustern des 08/15 Kennenlernens. Außerdem wollte sie herausfinden, wie groß die Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und Realität ihres Gegenübers wirklich war. Vielleicht interpretiere ich an der Stelle auch etwas zu viel und ihre Motivation entsprang einfach eher aus dem Untergeschoss als aus dem obersten Stockwerk. Der Typ war anders — wobei “anders” nicht unbedingt ein Synonym für “besser” sein muss. Aus einem Kaffee wurde ein Eis, aus dem Eis wurde ein Spaziergang, aus dem Spaziergang wurde ein Essen und aus dem Essen wurde ein Kinobesuch. Meisterhafte Verflechtung diverser Aktivitäten zu einem Superdate — und entgegen dem ursprünglichen Plan unserer Protagonistin. Von der Technik können sogar Versicherungsvertreter noch etwas lernen, ein bisschen adaptieren — und schon hat man nem 75jährigen eine Berufsunfähigkeitsversicherung angedreht. Die Moral von der ganzen Geschichte: absolut keine. Damit du, geneigter Leser, jetzt nicht das Gefühl bekommst, deine Zeit verschwendet zu haben, ziehe ich extra für dich eine fiktive Moral, aus einem fiktiven Ende dieser bereits teilweise fiktiven Geschichte (ich liebe Fiktion einfach): Steig nicht zu fremden, bösen Jungs ins Auto — und schon gar nicht, wenn es deren Mutter gehört, mit Familienkutschen wollen sie dich nur in Sicherheit wiegen. Und ganz besonders nicht, wenn sie am liebsten mit offener Hose fahren. Gehe nicht mit fremden, bösen Jungs zu McDolans, denn dort warst du schon als Kind glücklich, als du dein Happy-Fatty Meal gefuttert hast und projizierst dieses Gefühl auf deinen Gegenüber. Und unter gar keinen, gar keinen Umständen solltest du deinen Kopf in Gegenwart von fremden, bösen Jungs weiter als auf Schulterhöhe senken oder dich gar in die Horizontale begeben — um fiese Nackenverspannungen, Rückenschmerzen und nächtliches Weinen unter der Dusche zu vermeiden.

Es leben die Feiertage.

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