…ALLES NUR EINE FRAGE DES BLICKWINKELS

“Alles eine Frage des Blickwinkels” :-)

Ein Jahr der Stille. Des Innehaltens. Der Neuausrichtung. Das ist für mich das Jahr 2017. Ein Vorfall wirft mich scheinbar brutal aus meiner Mitte. Sprengt mich aus der vermeintlichen Sicherheit heraus.

Jetzt, im Nachhinein, erkenne ich darin das größte Geschenk meines Lebens.


So oft bewegen wir uns in einer Spur, welche vielleicht gar nicht die unsere ist. Ähnlich einer Spur im Skilift. Wir folgen dieser Spur, welche schon so viele andere Skifahrer vor uns genommen haben. Meist vollkommen unbewusst. Doch eine eigene Spur zu fahren erfordert Kraft. Willen. Und auch Bewusstsein. Also folgen wir tagtäglich der eingefahrenen Spur. Fast ein bisschen bewusstlos. Es scheint einfach leichter zu sein.

Spuren.

Was erwartet uns, wenn wir oben ankommen? Was genau steht dann oben an der Skilift-Ausfahrt geschrieben?

“VORSICHT” — “LANGSAM FAHREN” — “GEFAHR”

Genau diese Schilder finden wir dann oben am Lifthäuschen vor. Die Warnung ist möglichst groß geschrieben, sodass wir sie auf keinen Fall übersehen können. Wer schreibt sie? Diese Frage dürfen wir uns durchaus einmal stellen. Wir fahren dann also langsam und vorsichtig nach rechts oder nach links — je nachdem, wohin wir gelenkt werden. Und nachdem wir uns vergewissert haben, dass alles richtig eingestellt ist — Bindung, Stöcke, Helm — fahren wir genau dort runter, wo so viele vor uns auch schon gefahren sind. Immer schön der Herde folgend.

Ich werde vor einem Jahr ganz plötzlich aus dieser Spur heraus gesprengt. Ohne jegliche Vorankündigung. Nach einem riesigen Knall befinde ich mich plötzlich außerhalb aller vorgegebenen Spuren — welche uns allen ja irgendwie Sicherheit vermitteln. Finde mich von einem Augenblick auf den anderen im Tiefschnee wieder.


Puuuuh, erst mal schütteln. Von oben bis unten scheine ich voller Schnee zu sein. Sogar bis unter meine Kleidung, welche mich ja normalerweise vor Nässe und Kälte schützen sollte, kommt der Schnee. Mir wurde sie als wasserabweisend und kälteundurchlässig verkauft. Auch mein Leben schien doch stets wasserabweisend und kälteundurchlässig. Und nun?

Es ist kalt und nass. Saukalt. Und irgendwie habe ich keine Ahnung, wie ich jetzt wieder in die Spur kommen soll?! Und ja, in den ersten Tagen fühle ich Angst. Und Panik.

Huch, wo bin ich?

Das frage ich mich. Immer wieder. Stundenlang. Tagelang. Hört mich jemand? Hallo, ich liege hier! Wie komme ich wieder in die Spur zurück? So ruft es in meinem Innersten. Angstvoll. Wieder und wieder.

Bis sich nach einigen Tagen meine Fragestellung plötzlich zu verändern beginnt. In einem winzigen Augenblick frage ich mich nicht mehr: Huch, WO bin ich? — Nein, die neue Frage lautet: Huch, WER bin ich?

WER BIN ICH?

Genau diese Frage dröhnt in meinem Kopf. Und mit dieser Frage setze ich mich auseinander. Ein ganzes Jahr lang. STILLE. Lediglich diese eine Frage in mir: WER bin ich? WER bin ich wirklich- in meinem tiefsten Inneren? WER? Etwas ganz Neues beginnt von mir Besitz zu ergreifen. Ganz behutsam aus meinem Innersten kommend.

Es ist nicht so, dass ich die Antwort auf dem Silbertablett serviert bekomme. Nein, lange Zeit liege ich abseits der vorgegebenen Spur im Schnee. Es ist scho a bissl kalt und nass. Ich fühle mich irgendwie ohne jegliche Orientierung. Gezwungen, mir einen neuen Weg zu suchen. MEINEN Weg.


Und ja: Je mehr ich mich der Frage, wer ich wirklich bin, öffne, umso mehr offenbart mir das Leben meinen Weg. Ganz richtig: Das Leben offenbart mir MEINEN Weg. Ich betone das so nachdrücklich, weil ich es als sehr wichtig empfinde. Ich stehe also nach einigen Tagen auf und schüttle zuerst einmal den vielen Schnee von mir ab. Und die Kälte, welche sich nach dem Sturz in mir breitzumachen schien, weicht. Ich richte mich langsam auf. Pflege die kleinen Verletzungen, welche mir der Sturz zugefügt hatte. Und stehe irgendwann aufrecht im Schnee. Mich erstaunt umblickend.

Was soll ich sagen?? Mit einem veränderten Fokus entdecke ich dort, abseits der mir bekannten Spur, so viel Schönes! Ich sehe Dinge, welche ich bisher noch nie wahrgenommen habe!!

Schönheit. Licht.

Da ist ein Licht. Es scheint direkt aus meinem Innersten zu kommen. Welches Licht ist das? Ich fühle eine Kraft, welche ebenfalls aus meinem Innersten zu kommen scheint. Jeden Tag wird diese Kraft in mir stärker. Welche Kraft ist das? Intuitiv weiß ich, dass es keine Zufälle gibt und diese vermeintlich schwierige Situation genau so passieren musste. Ich kann mich sogar auf den Gedanken einlassen, dass es sich “von der anderen Seite betrachtet“ eventuell sogar um das größte Geschenk meines Lebens handeln könnte…

…VON DER ANDEREN SEITE BETRACHTET?

Ja, genau, das habe ich getan. Im Außen wirkt es noch immer wie ein schrecklicher Vorfall. Ungerecht. Ich fühlte mich im ersten Moment als Opfer. Hilflos. Doch ist nicht alles nur eine Frage meines Blickwinkels? Alles?! Ja, das kann ich jetzt so sagen.

Sehe ich mich also am Anfang nur als Opfer, so erkenne ich immer mehr das darin enthaltene Geschenk. Ein großartiges Geschenk, wie ich inzwischen finde! Um bei meiner Metapher zu bleiben: Ja, ich liege im Tiefschnee. Abseits jeder Spur. Doch bin ich nicht eine begnadete Skifahrerin? Habe ich bis jetzt nicht schon so viele Techniken erlernt? Ich könnte mich zum Beispiel entscheiden, federleicht durch den Tiefschnee nach unten zu wedeln. Auch könnte ich ganz vorsichtig absteigen. Ich könnte langsam nach unten queren — den Talski belastend. All das weiß ich ja schon, habe es in meinem bisherigen Leben erlernt. Weshalb also nicht auch jetzt anwenden?


Ich entscheide mich für eine ganz andere Variante. Meine Lösung soll diese sein: Ich hole mir für jeden Abschnitt einen anderen Skilehrer, der mich ein Stück meines Weges begleitet. Und zwar so, dass ich in diesem einen Jahr immer mehr Techniken erlerne, um meinen Weg künftig auch vollkommen alleine und in Leichtigkeit gehen zu können.


Zuerst lese ich in einem Buch, um zu verstehen. Von Mario Mantese “Im Land der Stille”. Für mich ein absoluter Profi, was das Überwinden des scheinbar Unüberwindbaren betrifft. Und siehe da: Ich kann plötzlich ein erstes Stück nach unten kreuzen.

Mit Unterstützung eines wunderbaren Skilehrers-Paares — Roman und Anette — entferne ich meinen Schmerzkörper, welcher mich Zeit meines Lebens unbemerkt zu belasten scheint. Lerne bei ihnen vieles über die neue Zeitlinie. Wow, wie geil ist das denn? Ich nehme erneut Fahrt auf. Kraftvoll. Jetzt fast schon ein bisschen zwischen den beiden Zeitlinien hin- und herwedelnd…

Eine ganz besondere Skilehrerin treffe ich dann auf meinem Weg abseits der Piste. Sie lässt mich an ihrem tiefen Wissen über unseren Grundton teilhaben. Denn jedem von uns ist ein ganz eigener Grundton mitgegeben, so weiß sie. Mit Hilfe einer “Sprech-Auswertung” erkennt sie auch schnell meinen Grundton. Es ist das G. Ein Ton, in welchem auch unsere Erde schwingt. Was bedeutet das für mich? Diese wunderbare Frau erzählt mir, dass ich durch diesen Grundton die Gabe besitze, viele Menschen zu erreichen. Wow, das sollte mir doch in meinem Leben eine große Hilfe sein. Sie erklärt mir auch noch lächelnd, dass ich Neues überaus schnell aufnehmen kann und ich tiefere Zusammenhänge schnell erkenne. Auch das werde ich in meiner herausfordernden Situation selbstverständlich nutzen. Ich beginne, mich immer besser zu verstehen. Mir selbst immer mehr zu vertrauen. Und ehe ich mich versehe, habe ich gerade federleicht einen steilen Abhang passiert. (Wer selbst seinen Grundton erfahren möchte: Frau Kohberg kann ich ganzen Herzens empfehlen! Auch ein Besuch ihrer Seite lohnt sich sehr.)

Viele andere wunderbare Skilehrer unterstützten mich vor allem darin, all das wiederzufinden, was ich im Laufe meines Lebens offensichtlich verloren habe. Vielleicht kann man es mit der Suche nach meinen Skistöcken vergleichen. Die Stöcke wieder fest in der Hand, gelingt mir die Abfahrt gleich noch ein bisschen leichter. Der eine Stock steht für die Vergebung, während der andere das Vertrauen symbolisiert.

Vielen Lehrern begegne ich also in diesem Jahr: Einige von ihnen treffe ich in Deutschland — doch auch in Österreich, in der Schweiz und in Portugal werde ich fündig. Gemeinsam mit meinem Lebenspartner. So viele Begegnungen mit ganz besonderen Menschen, welche alle eine wertvolle Botschaft für mich haben. Es scheint für mich in diesem Jahr nicht so, als würde ich nach ihnen suchen. Es ist eher so, dass sie dort im Tiefschnee, abseits der Spur, plötzlich von oben gefahren kommen um bei mir anzuhalten, um mich zu fragen, ob ich gerade etwas Unterstützung gebrauchen könne…

Meine Technik wird in diesem Jahr immer weiter perfektioniert. Wobei ich nicht sage, dass ich auf der Suche nach Perfektion bin. Nein, die einzige Frage, die ich mir in diesem Jahr immer wieder stelle, lautet: WER bin ich?


Und genau dort im Tiefschnee, abseits der eingefahrenen Spur, soll ich die Antwort auf meine Frage bekommen. Die Antworten, welche ich zu hören bekomme, ist stets die Gleiche: ICH BIN ein Schöpfer. ICH BIN. Dieser ist nicht außerhalb von mir zu finden. Niemals. Der Schöpfer ist inwendig in mir. ICH BIN eine Schöpferin und erschaffe. Stets. Und einzig ich selbst entscheide. So auch über meinen weiteren Weg. Ich kann wählen: Fahre ich durch die schroffen Felsen? Durch den Wald? Nehme ich die Buckelpiste? Oder wähle ich das freie Gelände? Ich entscheide, ob ich laut juchzend auf meinen Skiern fahre. Lachend. Ausgelassen. Vor Freude singend. Oder missmutig und verbittert. Verbittert darüber, dass ich aus der Spur gefallen bin. Ich kann mich entscheiden, voller Dankbarkeit zu sein, dass ich dort so viel Neues entdecke. Ich entscheide, ob ich langsam oder volle Fahrt auf meinen Skiern fahre. Ob ich vorsichtig abbremse — oder ob ich angstfrei meine Weg fortsetze. Fühle ich mich als Opfer der Umstände oder erkenne ich, dass nichts — absolut nichts — ohne Sinn passiert? Dass mich nichts aufhalten kann — auch kein vermeintlich schlimmer Sturz aus meiner Spur?

Wisst ihr was? Inzwischen düse ich volle Kanne, laut juchzend und dankbar für ALLES auf meinen Skiern dahin. Immer mehr Fahrt aufnehmend. Dieser Augenblick, in welchem ich in den Tiefschnee katapultiert wurde, hat mich ganz werden lassen. Kraftvoll. Und klar. Mir meine eigenen Stärke jetzt vollkommen bewusst. Ich suche nicht mehr im Außen — nein, ganz tief in mir drinnen suche ich jetzt nach den Antworte. Und stets werde ich dort auch fündig. Das Leben im Außen wird für mich mehr und mehr bedeutungslos. Ich habe den Blick jetzt liebevoll auf mich selbst gerichtet.


2017 konzentriere ich mich ganz auf mich selbst — und öffne mich gleichzeitig immer mehr dem Leben. In diesem Jahr werde zu wunderbaren spirituellen Lehrern geführt. Es sind Lehrer, welchen ich ohne diesen Vorfall vermutlich nie persönlich begegnet wäre.


Ja, ich will auch dich ermutigen, in schwierigen Situationen bewusst zu bleiben. Und bewusst zu wählen. Bist du Opfer? Oder erkennst du dich als Schöpfer? Übernimmst du die volle Verantwortung für alles was passiert und holst dir damit deine Macht zurück? Oder gibst du anderen die “Schuld” für das Erlebte? Dann bin du absolut machtlos, selbst auch nur irgendetwas daran zu verändern. Du gibst mit diesem Gefühl des Opfers deine ganze Macht an andere ab. Genau so, wie es viele Menschen tagtäglich tun. Du erkennst sie an ihren toten Augen, an ihren herabhängenden Mundwinkeln und ihrer kraftlosen Ausstrahlung. Es ist stets deine Wahl. Denn auch du bist ein großartiger Schöpfer.

“Teile und herrsche” (gleichzusetzen mit Schuld oder Unschuld) ist ein Spiel, aus welchem ich inzwischen ausgestiegen bin. Wir alle sind Brüder und Schwestern. Dessen bin ich mir immer mehr bewusst. Aus den Augen meines größten Feindes blicke ich mir stets nur selbst entgegen.

Ich habe mich entschieden, all das, was kürzlich geschah, als das zu erkennen, was es in Wirklichkeit das: Das großartigste Geschenk meines Lebens. Verbunden mit der Möglichkeit, daran zu wachsen.

Herzlich, eure Andrea.

2017. Mein Jahr der Stille.

In diesem Jahr der Stille ist mein zweites Buch entstanden. Ich freue mich sehr darauf, es ab sofort mit euch teilen zu können: “Stille. Als das SEK unsere Wohnung stürmte — und ich zu mir selbst fand…” Paracelsus-Verlag, Salzburg

Außerdem wird mein erstes Buch “Der kleine Vogel und die Eule” demnächst als Hörbuch vertont.

Und für meine Arbeit als Künstlerin ist ein wunderschöner Prospekt entstanden.

MEINE BOTSCHAFT FÜR JEDEN: DAS LEBEN IST WUNDER-VOLL! WENN DU ES WUNDERVOLL MACHST.

Ich freue mich, wenn du mir künftig auf medium folgen magst.

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