Schließe die Türe richtig zu…

…dann erst öffnet sich eine neue.

Rums! Türe zu…

Sicherlich kennst auch du diese vielen Menschen, die stets betonen, sie warten selbstverständlich auf etwas Neues in ihrem Leben — doch bis das kommt, halten sie das Alte noch etwas fest. Sicherheitshalber, sozusagen…

Also in ihrer Partnerschaft sind sie ja schon lange unglücklich — doch ganz bestimmt kommt irgendwann der neue Traumpartner. Solange bleiben sie selbstverständlich noch in ihrer aktuellen Partnerschaft. Aber dann! In ihrem Beruf sind sie ja schon lange unglücklich — doch ganz bestimmt kommt irgendwann der neue Traumberuf. Solange bleiben sie selbstverständlich noch in ihrem aktuellen Arbeitsverhältnis. Aber dann! Und auch in ihrer Wohnung sind sie ja schon lange unglücklich — doch ganz bestimmt kommt irgendwann die neue Traumwohnung. Solange bleiben sie selbstverständlich noch in ihrer aktuellen Wohnung. Aber dann!

Ein abgesicherter Weg bis aufs Sterbebett.


Hm — wird es uns Menschen erfolgreich aberzogen, mutig zu sein? Weshalb haben wir nicht den Mut, einfach auch mal zu springen — ohne zu wissen, wo genau wir landen werden? Warum benötigen wir offensichtlich stets die absolute Sicherheit? Und die Frage, die ich mir stelle, lautet: Gibt es die absolute Sicherheit — oder ist es lediglich eine vermeintliche?

Krampfhaft versuchen wir, diese Sicherheit im Außen zu erschaffen.

Wir versichern uns. Beim Arbeitgeber, indem wir auf einen Arbeitsvertrag bestehen. Möglichst keinen befristeten, sondern einen unendlichen. Woher wollen wir überhaupt wissen, dass wir immer dort arbeiten wollen?

Unseren Partner fragen wir zwischendurch immer mal wieder: Wirst du mich auch immer lieben? Und schon beim geringsten Zweifel empfinden wir es zumindest schon mal etwas sicherer, wenigstens zu heiraten. Wenn schon die Liebe nur lau ist. Soll sich doch der Staat darum kümmern, dass der Partner möglichst bis ins Grab für mich sorgen muss — ähm, sollte er es wagen, mir irgendwann mein gemütliches Nest zu nehmen.

Wir treten Vereinen bei, um uns wenigstens vermutlich Gleichgesinnten zugehörig zu fühlen. Am Grab erwarten wir dann von diesen Gleichgesinnten mindestens eine rührende Rede, in welcher betont wird, welch netter Mensch ich doch zu Lebzeiten gewesen sei. Und ein paar Tränen. Vorausgesetzt, wir bekommen das dann selbst noch irgendwie mit — aus einer höheren Dimension oder so… Doch sicher ist sicher, deshalb vorsorgen. Eventuell wäre auch noch diese tolle Sterbeversicherung etwas für mich — damit bin ich dann aber sowas von aus dem Schneider!

ALTER FALTER! Ist das das Leben,
welches ich mir als Kind immer ausgemalt habe?

Ich beantworte dir diese Frage: Nein. Als Kind hast du sicherlich niemals gesagt: Also wenn ich mal groß bin, dann schließe ich auf alle Fälle eine Sterbeversicherung ab…

Als Kind wolltest du vielleicht Pilot werden. Zauberer. Oder eine berühmte Ballett-Tänzerin. Du träumtest groß und nichts schien dir unerreichbar zu sein. Da pulsierte eine Energie durch deinen Körper. Wie goldener Feenstaub (bei uns Mädchen eventuell auch etwas Einhorn-Staub). Scheiß egal, du hast gelebt! Ohne Netz und doppelten Boden.


Zu welchem Zeitpunkt hast du die Sicherheit über das LEBEN gestellt? Wann hast du begonnen, den Lebensplan anderer Menschen zu kopieren? Hast du damals überprüft, ob diese Menschen mit dem aktuell auch von dir angestrebten Lebensmodell überhaupt glücklich sind?

Also ich habe mir diese Menschen gewissenhaft angesehen. Habe ich doch viele davon in meinem Umfeld (genau wie du auch).

Da ist eine Freundin meiner Mutter. Stets sitzt sie mit verbitterten Gesichtszügen am Tisch. Sie ist Witwe. Vermutlich auch gründlich abgesichert. Und — wo genau ist die Liebe in ihrem Leben? Die Freude und der Spaß? Ihr Lebensinhalt ist eine Fußballmannschaft — mit über siebzig Jahren ein etwas erbärmlicher Lebensinhalt. Genauso wie ihre “vermeintlich heile Familienwelt”. Bluthochdruck, Augenzucken und verbitterte Gesichtszüge. Alles Kampf und Krampf. Doch gut abgesichert.

Und es gibt diese ehemalige Arbeitskollegin mit Haus, Mann und Kindern. Stets betont sie, ihr renne die Zeit davon. Hä, wohin rennt denn ihre Zeit? In ihre Freude, ins Glück? Nein, das alles geht sieglos unter in Kampf und Krampf. Doch sicherlich ist sie gut abgesichert bis an ihr Lebensende. LEBENS-Ende — oder Sterbens-Ende? Eine für mich durchaus berechtigte Frage…

Was nutzt mir mein abgesichertes Leben,
wenn ich zu LEB-Zeiten bereits tot bin?

Wie ist es bei dir? Hast du den Mut, eine Türe zu schließen, wenn du in diesem Raum nicht mehr glücklich bist? Oder hältst du dir stets alle Türen offen — ohne dabei auch nur einen einzigen neuen Raum zu betreten?

Kannst du es aushalten, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert?

Tanzt du auch im Regen?

Das ist die alles entscheidende Frage! Bist du flexibel — oder starr? Bist du kreativ — oder starr? Bist du offen für Neues — oder starr? Vielleicht entsteht daraus ja auch der sogenannte Alters-Starrsinn? Menschen, die im Alter plötzlich erkennen, dass sie gar nicht mehr toter werden können, weil sie bereits lange tot sind?


Auch mein Leben hat meine Flexibilität kürzlich entscheidend geprüft. Es hat mich aus meiner Mitte geschossen. Einfach so. Und da ich ja schon lange außerhalb der Komfortzone lebe, landete ich somit ziemlich weit außerhalb. Ja, ich gebe zu, das war eine Erfahrung, die ich mir schon gerne erspart hätte. Doch wisst ihr was: Ich habe darüber ein Buch geschrieben.

Das nenn ich dann mal flexibel und kreativ, wa?

Was dieses neue Buch betrifft, so öffneten sich plötzlich alle Türen. Einschließlich der Türe zu meinem Verlag in Salzburg. Auch die Worte flossen wie selbstverständlich aus meinem Innersten — über Wochen und Monate. Entstanden ist ein wunderbares Buch als Botschaft für alle Menschen, welche sich in einer herausfordernden Situation befinden.

“Stille. Als das SEK unsere Wohnung stürmte — und ich zu mir selbst fand.” Erschienen bei Paracelsus Buchhandlung und Verlag, Salzburg

Zugleich habe ich meine mir selbst verordnete Auszeit genutzt, einen professionellen Prospekt für meine Bilder als Künstlerin zu gestalten. Auch hier gingen viele Türen auf — einschließlich der Türe zu meinem Grafiker in Salzburg.

Und da ich ja jetzt, wenn auch ungewollt, freigeschaufelte Zeit hatte, entschied ich mich, gleich mal mein 2007 erschienenes Büchlein “Der kleine Vogel und die Eule” als Hörbuch vertonen zu lassen. Mit einem ziemlich prominenten Sprecher.

Ins Nichts gesprungen und auf einer Blumenwiese gelandet.


Auch den anderen Weg hätte ich wählen können: Lamentieren, was ich doch für ein Opfer sei. Mich beschweren, wie mit mir umgegangen wurde. Alle anderen dafür verantwortlich machen, dass ich zwei Monate Auszeit hatte. Huch — und als Selbständige bin ich für so etwas nicht einmal abgesichert. Wie blöd, ich hatte es verpasst, eine “Auszeit-Versicherung” abzuschließen!?

Den Freigeist schreckt das Dickicht nicht ab. Er gestaltet einfach einen schönen, blühenden Garten daraus. Die Samen für all die Blumen habe ich in meiner Auszeit behutsam gepflanzt.


Auch mein Lebensgefährte wurde aus seiner Komfortzone geschossen. Was die aktuelle Weg-Auswahl meines Partners betrifft, bin ich voller Zuversicht. Er ENT-wickelt sich. Hin zu seinem wahren Kern. Alles Überflüssige, was ihn noch bremst, darf jetzt gehen.

War er bisher eher ein…

“in-die-Rolle-des-Sicherheits-Fanatikers-hineingequetschter-Beamter”

…zeigt sich immer mehr sein wahres Sein. Lebensfreude. Begeisterung. Ohne Netz und doppelten Boden. Spaß, Freude und Liebe für sein freies Leben. Bisher als Beamter stets kontrolliert. Fremdbestimmt. Und seiner Flügel beraubt. So entdeckt er immer mehr den Freigeist. Der er wohl schon ein Leben lang in seinem Herzen ist.

So, wie jeder Einzelne von uns. Auch du.

Herzlich, dein Freigeist Andrea.

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Andrea Grillenberger. Atmosphären-Gestalterin.