Was die Navy Seals machen, können Schauspieler schon lange! — Teil 4

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©nina grützmacher

 Was die Navy Seals machen, können Schauspieler schon lange!

 Hier kommt der vierte Teil meiner Anleitung für die Techniken der Navy Seals ;-)

 Im Netz kursieren Geschichten darüber mit welchen vier “Tricks” sich die Navy Seals der US Army, ausser körperlich und an ihren Waffen, noch trainieren. Ich habe nach Original-Quellen gesucht und sie leider bisher nicht gefunden.

Aber ehrlich gesagt, ich finde diese Geschichten trotzdem ganz plausibel, denn Schauspieler nutzen ganz ähnliche Techniken um genau das Gegenteil von dem zu erreichen, was die amerikanischen Elitesoldaten vermutlich erreichen wollen:
die einen bleiben in real bedrohlichen und extremen Situationen handlungsfähig, in dem sie dafür sorgen, dass ihr Kopf klar bleibt und die anderen sorgen dafür ihren Verstand kontrolliert zu verlieren, um in einer extremen — jedoch erfundenen — Situation glaubhaft und wahrhaftig zu sein.

 Die vier “Tricks” sind eigentlich ganz einfach:

 positive Selbstgespräche
 Atmung
 Imagination
 ein positives Ziel

 Und da Schauspieler genau dasselbe wie die harten Jungs — nur eben anders rum — machen, braucht man gar nicht die geheime Navy Seals Technik, man kann die knapp zwei Jahrhunderte erprobten, gut dokumentierten und stetig optimierten Techniken von Schauspielern nutzen, um dasselbe zu erreichen.

 Wie? 

 Das zeige ich dir in 4 Schritten.

 Schritt 1 — „positive Selbstgespräche“ findest du hier!
 Schritt 2 — „deine Atmung“ findest du hier!
 Schritt 3 — „die Kraft der Imagination“ findest du hier! 

 Und in diesem Text geht es um:

 Das positive Ziel

Das positive Ziel ist eine extrem effektive Technik der Navy Seals, mit der sie dafür sorgen, dass sie einen klaren Kopf behalten und ihr logisches Denkvermögen vital bleibt!

 Kennst Du den Film Insideout (http://www.pixar.com/features_films/Inside-Out)?

 In dem werden die Emotionen eines kleinen Mädchens personalisiert. Vier der Grundemotionen (Wut, Traurigkeit, Freude und Sorge) wechseln sich am Steuerpult im Gehirn des Mädchens ab. Ihr Verstand kommt in dem Film nicht zu Wort.

 Und leider ist das in allen Gehirnen wirklich genau so!
 Gefühle bekommen schneller die Oberhand, als unser Verstand überhaupt die Gelegenheit hätte das Ganze mitzubekommen. Und sie steuern nicht nur was und wie wir fühlen, sondern auch was wir wahrnehmen und wie wir entscheiden!
Sobald wir gestresst sind, beginnt in unseren Köpfen sowas wie ein Panik-Not-Programm. Und das wird nur mit geringem Einfluss durch unser logisches Denkvermögen gesteuert.
Wenn wir in so einem Zustand vor allem durch Gefühle gesteuert werden und uns Logik nicht helfen kann, dann brauchen wir eben gute Gefühle, die dem Panikmanagement den Saft abdrehen.

In dem erwähnten Kinderfilm kämpft sich deshalb Joy (Freude) durch alle möglichen Abenteuer in den neurologischen Strukturen des kleinen Mädchens hindurch. Denn nur sie kann den totalen Zusammenbruch verhindern. Nur ihre fröhliche und grundsätzlich positive Haltung hat überhaupt den Hauch einer Chance gegen die verheerenden Umstände, die im wirklichen Leben des Mädchens gerade herrschen.

Das ist bei einem Navy Seals — oder bei dir — auch nicht anders!
Wenn der Navy Seals zulassen würde, dass sich in seinem Fühlen vor allem seine aktuelle Realität, mitten in einem Einsatz, breit machen würde, wäre er vermutlich paralysiert.
Da Logik im Ernstfall nicht mehr funktioniert, hilft sich der Soldat mit einem besonders positiven Ziel.
Und damit ist nicht das erfolgreiche Ziel der Mission gemeint!
Sondern: etwas dass ihn wirklich zutiefst glücklich und erfüllt fühlen lässt.
Bin Laden zu killen ist der Auftrag — und nichts was ihn erfüllt.
Das kann aber vielleicht seine Freundin oder Ehefrau zu hause. Oder vielleicht das Gefühl wenn seine Tochter ihre Hand in seine schiebt. Oder das Lachen seines Vaters. Wenn seine Schwester ihm Witze erzählt. Oder auch die tiefe Verbundenheit mit dem besten Freund beim Paddeln in der Wildnis.

Was immer es ist, was er nach dem Einsatz ersehnt: er malt es sich detailreich und emotional aufgeladen aus und ankert es in Bewegungen oder am Körper, so dass er zu jeder Zeit darauf zurückgreifen kann.

Andersrum gibt es eine Schauspieltechnik, mit der man wahrhaftig und abrufbar bodenlose Panik in sich herstellen kann. Und für die braucht es genau so ein positives Ziel wie es auch die Navy Seals angeblich benutzen. Und dann wenn das Gefühl am schönsten ist und alles sich weit und leicht und wundervoll anfühlt, wird der Mensch, an den die emotionale Erfüllung gebunden ist, einfach ausgelöscht…
Zack: Panik!!!

Wie Du das jetzt für dich nutzen kannst?
Lass einfach das Löschen der Person aus, an die dein wundervolles Gefühl geankert ist, und mach nur den ersten Teil!
Such dir, vor deiner Herausforderung, ein positives Ziel!
Das kann der Moment sein, wenn Du dein Kind von der Kita abholst und es “Mama, Mama, Mama” ruft, auf dich zu rennt und seinen kleinen Kopf an deinen Hals drückt. Oder das Gefühl die Hand eines geliebten Menschen in deiner zu spüren oder oder oder…
Such dir etwas aus, was dich unglaublich glücklich macht! Alleine nur weil Du daran denkst. Es sollte dir eine Freude sein, dir dieses kleine Ereignis mit allen Sinnen auszumalen.

Und dann ankere es an dir!

Der imaginäre, sanfte Druck beim Griff nach der anderen Hand, der Duft deines Kindes an deinem Hals oder Sonne in deinem Nacken, während der Rhythmus mit dem ihr die Paddel ins Wasser taucht — ohne Worte zwischen dir und deinem ältesten Freund — selbstverständlich fühlbar ist.
Ein Bild, eine Bewegung, ein Geruch…
Dinge, die Du mit all deinen Sinnen jederzeit abrufen kannst! Überall und völlig unabhängig von den Umständen.

Und wenn Du das nächste Mal spürst, dass das Panik-Not-Programm in deinem System startet, dann nutz deine Bewegung, das Bild, das Gefühl, das Geräusch, den Geruch, den Geschmack etc. um das Ereignis deines Glückes in dir lebendig zu machen.
Du wirst sehen, die Vorstellung des Lachens deiner Kinder auf dem Trampolin kann dafür sorgen, dass deine Bauchdecke sich entspannt, dein Atem sich vertieft und dein Herzschlag sich beruhigt. Es kann sein, dass es etwas dauert, aber mit etwas Training kannst Du so dafür sorgen, dass Du, auch unter extremen Herausforderungen, weiter Zugriff auf deinen ganzen Verstand behalten kannst!

Das waren alle vier „Tricks” der Navy Seals und der Schauspieler, um dich bestens für herausfordernde Situationen zu wappnen!

Wenn Du heute erst angefangen hast zu lesen, dann lies gerne noch mal die anderen drei Tips: Atmung, Imagination und positive Selbstgespräche.

 Und in jedem Fall wünsche ich dir viel Spaß beim Üben und freue mich immer sehr, wenn Du mir schreibst, wie es dir ergangen ist mit meinen Tipps. Oder vielleicht sogar was Du so anstellst und was dir hilft, wenn Du dich für Herausforderungen wappnest!

Und wenn Du den ganzen Text lieber hören als lesen möchtest, dann schau hier rein:

Was die Navy Seals machen, können Schauspieler schon lange! auf soundcloud

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