Mein erster UX Test auf freier Wildbahn

Unsere Agentur hat die Aufgabe, die App eine Radiosenders neu zu entwickeln. Dazu haben wir bereits die bestehende App auf Strich und Faden auseinandergenommen und einen Prototypen mit den entstandenen Anforderungen zusammengebaut. Natürlich wurde ausgiebig Sekundärrecherche bezüglich der Zielgruppe und des gegenwärtigen Radio-Marktes betrieben auch mit Hinblick auf zwar branchenfremde Anbieter, die aber rein von der UX her wirklich schon sehr viel richtig machen (Spotify & Deezer).

Das war uns aber natürlich noch nicht genug. Da wir ein Endkunden-Produkt schaffen, ist hier eine nutzerzentrierte Arbeitsweise von großer Bedeutung, um ein Produkt mit großem Potenzial zu kreieren. Aus diesem Grund wollten wir diesen bereits zur internen Abstimmung erstellten Prototypen für das Guerilla-Testing verwenden — dem Test in freier Wildbahn.

Wir haben uns zu dieser Testform entschieden, da wir schnelle Ergebnisse haben wollen abseits einer Laborsituation mit gecasteten Probanden und Gewissheit in unserer Konzeptidee.

SetUp

1. Wo wollen wir testen

Wir sitzen in Berlin, das Radio, um das es geht nicht. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, den Test in Berlin und im Bundesland des Kundens durchzuführen. So wollen wir Vergleiche ziehen, ob die Ergebnisse extrem anders ausfallen.

In Berlin wollten wir den Test in einem Shoppingcenter durchführen — doch leider hat sich herausgestellt, dass man dafür eine Genehmigung benötigt, die wir leider nicht bekommen haben. Also hieß es für uns: ab auf den Alexanderplatz — dort ist die Chance am größten, unsere Zielgruppe zu erreichen. Das führt uns zum nächsten Punkt:

2. Wen wollen wir testen

Wir suchten nach männlichen und weiblichen Vertretern der Zielgruppe in einem Alter zwischen 25 und 55 Jahren.

3. Was wollen wir herausfinden

  • Hören Sie Radio über eine App? Wenn ja, wann, wie und welchen Sender?
  • Gefällt Ihnen das Look and feel des Prototypens?
  • Versetzen sie sich in die Lage: “Ich will jetzt Radio hören” — Schaffen Sie das auf Anhieb?
  • Was ist Ihnen an einer Radio-App am wichtigsten?

Für den Fragebogen haben wir einige Testcase vorbereitet, die wir unbedingt vom Nutzer erlebt haben wollen. Wir wollten ihn dabei nicht zu viel guiden, sondern viel mehr seine First Time User Experience walten lassen. Die einzige Aufgabe, die wir ihm gegeben haben: Stell dir vor, du willst jetzt Radio hören. Los. Das ist die Hauptaufgabe der App. Für die weiteren Cases haben wir dann einfach moderiert abgefragt, ob der Proband hinter den dargestellten Schaltflächen etc. auch das erwartet, was wir uns gedacht haben.

4.Was soll das Ergebnis sein

Wir wollen die First Time User Experience der potenziellen und ggf. auch gegenwärtigen Nutzer abzufragen und zu prüfen, an welchen Stellen in der App sie an ihre Grenzen stoßen. Außerdem soll uns der Test dazu dienen die generellen Anforderungen von Nutzern an eine Radio-App zu erkunden.

5. Wie soll getestet werden

Wir haben ein Leitfadengestütztes Interview der Nutzergruppe inklusive der Bereitstellung des Prototypens. Dabei werden wir den Nutzer beobachten und ihm ggf. Hilfestellung auf Basis der wichtigsten Szenarien geben. Der Test wird in der Durchführung flexibel angepasst. Das heißt: wir sehen, welche Personen wir erreichen, die ein iPhone verwenden. Wenn wir sehen, dass wir uns weiter einschränken können, um die Ergebnisse spezifischer zu gestalten, dann werden wir den Test entsprechend anpassen. Die Notizen werden in eine Tabelle eingetragen. Wenn es uns die Person erlaubt, wollen wir sie gerne bei der Nutzung filmen.

Tools:

  • 1 Prototyp der App auf einem iPhone 6 mit Lookback.io
  • 1 iPhone zum Aufnehmen der Audiospur
  • 2 Personen
  • 1 Leitfaden
  • 2 Kladden
  • Ladegerät für die benutzten Devices
  • Muffins für die Probanden

Erstes Recap

Wir waren sehr gut ausgestattet. Lediglich eine Tasche für die ganzen Dinge zum umhängen wäre praktisch gewesen und einmal ist uns das iPhone 6 aufgrund der Kälte (-2°C) abgeschmiert. Da wir im Vorfeld keinen Ersatzakku eingepackt hatten, mussten wir das Gerät schnell an das MacBook Air anschließen. Damit konnte der Test dann weiter durchgeführt werden. In der Zwischenzeit hat die Kollegin die Fragen gestellt, zu denen nicht der Prototyp notwendig war.

Wir haben 7 Personen befragt, die meisten Ergebnisse waren ähnlich. Danach wäre es redundant geworden. Allerdings hat uns jeder untersuchte Proband neue Ideen mitgegeben oder uns in anderen Ergebnissen bestärkt.

Es wurden uns auch viele Punkte aufgezeigt, die sich den Probanden nicht sofort erschlossen haben. Dafür war es also genau richtig. Gerade zur Konzeptvalidierung ist ein solcher Schnelltest echt super, da sich der Nutzer nicht in einer Laborsituation befindet, sondern in einer echten. Wir haben explizit wartende Menschen angesprochen, da dies auch die Szenarie ist, in der man vielleicht das Radio auf seinem Smartphone öffnen würde.

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