Was ist Atheismus?

Apóstolo da Razão
Oct 20 · 3 min read
Garten-Stiefmütterchen, das Symbol des Freidenkertums (© Paulo Bitencourt)
Garten-Stiefmütterchen, das Symbol des Freidenkertums (© Paulo Bitencourt)
Garten-Stiefmütterchen, das Symbol des Freidenkertums (© Paulo Bitencourt)

Aus offensichtlichen Gründen haben Gottgläubige Fehlvorstellungen über den Atheismus, mehr oder weniger wie biblische Fundamentalisten über die Evolution, wenn sie lächerlicherweise fragen: “Wenn der Mensch vom Affen abstammt, warum gibt es noch Affen?”. Leider wissen einige Menschen, die sich für Atheisten halten, auch nicht, was Atheismus ist.

Die zwei Fehlvorstellungen über den Atheismus:

1. “Atheismus ist auch Religion.” (Sagen religiöse Menschen.)
2. “Atheismus ist Negation der Existenz Gottes.” (Sagen religiöse Menschen und einige Atheisten.)

Religion ist Glaube an das Übernatürliche: Götter, Engel, Dämonen, Geister, Himmel, Hölle, Reinkarnation, Wunder usw. Über diese Dinge haben Religionen Doktrinen, die in “heiligen” Büchern zusammengestellt sind, an denen sogar nicht gezweifelt werden darf. Die Bibel und der Koran zum Beispiel lehren, dass Menschen getötet werden müssen, die daran zweifeln, was in diesen Büchern steht. In den meisten Ländern führt Verspottung von Religionen zu Inhaftierung. Darüber hinaus diktieren Religionen, was richtig und was falsch ist, und fordern die Ausübung von Ritualen.

Atheismus ist Unglaube an das Übernatürliche. Unglaube hat keinen Inhalt, das heißt keine Doktrinen. Der Glaube zum Beispiel an den Krampus hat Inhalt: wie er ist, wo er lebt, was er tut, was er will usw. Der Unglaube an den Krampus hat keinen Inhalt. Folglich lehrt der Unglaube an den Krampus nichts. Ebenso fordert der Unglaube an Gott nichts und befiehlt nichts zu tun, weder gutes noch böses. Daher ist Atheismus auf keinen Fall eine Religion.

Atheismus ist nicht sagen “Gott existiert nicht”, sondern “Es gibt keine Indizien dafür, dass Gott existiert”. So wie es nicht unmöglich ist, dass der Krampus existiert, ist es nicht unmöglich, dass Gott existiert. Jedoch gibt es mangels Indizien keinen Grund, an ihn zu glauben. Da es töricht ist, an Dinge zu glauben, für die es keine Indizien gibt, an Gott auch.

Das ist Atheismus.

Wenn es, wie Juden, Christen und Muslime sagen, notwendig ist, Glauben zu haben, um nicht an Gott zu glauben — Grund, warum der Unglaube an Gott Religion wäre —, dann ist es notwendig, Glauben zu haben auch, um zum Beispiel an Zeus nicht zu glauben, was offensichtlich absurd ist. Jehova, der Gott der Bibel, und Allah, der Gott des Korans, sind nur zwei Götter unter den Tausenden von Göttern verschiedenster Religionen. So wie Juden, Christen und Muslime keinen Grund sehen, an die Götter anderer Religionen zu glauben (weswegen sie übrigens keine einzige Sekunde Schlaf verlieren), Atheisten auch nicht — mit dem einzigen Unterschied, dass Atheisten intellektuell ehrlich sind: Wenn es keinen Grund gibt, an die Götter anderer Religionen zu glauben, dann auch nicht an die des Judentums, des Christentums und des Islam.

Die Bibel zum Beispiel sagt: “Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt” (Hebräer 11:6). Nun, wenn es notwendig ist, Glauben zu haben, um an Gott zu glauben, ist der Glaube selbst ein Indiz dafür, dass Gott nicht existiert. Wenn Gott existieren würde, gäbe es keine Notwendigkeit, Glauben zu haben, denn niemand würde an seiner Existenz zweifeln.

“Atheismus ist das natürliche Ergebnis intellektueller Ehrlichkeit.”
— Paulo Bitencourt

(Autor des Buches Befreit von Religion: Die Unschätzbare Wonne Ein Freidenker zu Sein [auf Portugiesisch])

de.liberto.cc

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