Traumzeit 2014

Hätte mich jemand gebeten, mal ein paar KünstlerInnen aufzuschreiben, die ich gern mal (wieder) live sehen würde, wäre ein guter Teil dessen dabei herausgekommen, was beim Traumzeit-Festival geboten wurde. Großartiges Line-up mit vielen gemischten Genres. Dazu mit dem Landschaftspark eine tolle Location: Da war die Kraftzentrale als große Halle, die Gießhalle — halb offen und mit viel industriellem Charme, die Gebläsehalle, in der auch durch die Beleuchtung fast meditative Stimmung zwischen all dem Getöse draußen aufzukommen vermochte und letztlich die kleine Bühne am Gasometer, die kostenlos zugänglich war und die es inmitten von Imbissbuden und Strandliegen wohl am schwersten hatte, das Publikum mitzunehmen. Das Publikum: Auch sehr gemischt — von Jazzliebhabern zu den Indies, von Campern zu Hotelschläferinnen, von ganz jung bis recht alt — alles dabei. Das mochte ich sehr. Dabei auch ein paar bekannte Gesichter aus dem Ruhrgebiet: @simsullen, @snoopsmaus, @gestalterhuette — hat mich gefreut!

Es hätte an dieser Stelle keinen Sinn, zu allen etwas zu schreiben (wir haben uns 18 Konzerte angeschaut), aber doch zumindest zu denen, die mir besonders gefallen haben:

Die höchste Eisenbahn
Ach, die höchste Eisenbahn. Wir haben sie neulich erst in Essen live gesehen und ich hatte mich sehr auf sie gefreut. Ich mag den Stil und die Art und Weise, wie sie miteinander umgehen. Ich glaube, ich kann alle Songs mitsingen. Etwas schade war, dass sie so früh dran waren — die Stimmung wäre zu späterer Stunde sicher noch besser gewesen, aber sei’s drum.

Knappenchor
Das ist einfach Ruhrgebiet pur. Die Knappen, die mit dem Steigerlied die ganze Halle zum Mitsingen bewogen. Plus Schnäpschen am Auftrittsende. Und: Sie werden bei einem solchen Event komplett ernstgenommen. Da spielt keine Ironie mit, wenn man da hingeht. Glück auf!

Nils Frahm
Das war wirklich beeindruckend. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ein Mann, drei Instrumente, flexible Wechsel dazwischen. Die Musik zwischen experimentell und andächtig, mit eingespielten Elektroloops und wirklich viel, viel Fingerfertigkeit am Klavier und Toilettenbürsten im Flügel. Ganz groß!

Kat Frankie
Eine Überraschung. Ich kannte Kat Frankie zuvor wenig bis gar nicht und hatte sie überhaupt eher in der Folk-Ecke verortet. Sehr schöne Stimme — sie hat sich dabei immer wieder selbst gesampelt und man konnte die Entstehung eines Songs quasi live miterleben. Ganz unaufgeregte Bühnenpräsenz mit merklichem Spaß an der Musik.

Hauschka
Auch sehr experimentierfreudig mit Tischtennisbällen und versteckten Rasseln im Flügel. Dazu immer wieder Erläuterungen und Geschichten zu den Songs, die es geschafft haben, mich mitzureißen.

The Notwist
The Notwist hatten wahrscheinlich das breiteste Spektrum an Stilen innerhalb eines Konzerts. Viel Elektro, aber auch akustische Titel, fast ein bisschen jazzig und auch echt laut. Ich mochte vor allem die Detailverliebtheit (dass z.B. die Marimba bespielt wurde, da man oft fast nicht hören konnte). Hier passte auch die Location hervorragend.

Hundreds
Von den Hundreds kannte ich das letzte Album und fand die Mischung aus Elektro und der tiefen, sanften Stimme der Sängerin immer sehr gut. Ist eine schwer zu beschreibende Musik, weil sie trotz ihrer Beats trotzdem keine Abtanzmusik ist. Auch hier passte der Ort.

Dear Reader
Dear Reader klingen wie der Soundtrack eines Einhornfilmes und dabei ganz herzig. Sehr schön arrangiert und mit großer Beteiligung jedes einzelnen Bandmitglieds.

Ach ja, und ansonsten war es schön, Duisburg mal von einer anderen Seite kennenzulernen. Obwohl ich 5 Jahre lang dort gearbeitet habe, sind mir die schönen Seiten der Stadt oft verborgen geblieben. Und nun hatten wir mit Musik, Hotel, Schifffahrt und schönem Essen eine richtig gute Zeit in Duisburg.

Originally published June 23, 2014.

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