10 Dinge, von denen du nicht geglaubt hast, dass sie die Börse beeinflussen.

Ein Artikel von Alexander Stritzinger, www.ueber-geld.com.

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1. Börsenzyklen & Saisonalitäten

bezeichnen Trends an der Börse, welche sich durchaus auch Jahrzehnte etablieren können. Die bekannteste Saisonalität ist “sell in May and go away, (but remember come back in september)”.

Dahinter verbirgt sich die Erfahrung, dass es im Sommer meist zu Kursrückgängen kommt und die Börsen oft gegen Ende des Jahres wieder anziehen. Darüber hinaus existieren noch weitere Zyklen wie etwa der 4-Jahres Wahlzyklus.

Weitere Infos gibt es hier.

2. Börsenpsychologie (Behavioural Finance)

Gier und Angst sind die stärksten Emotionen, mit denen man als Anleger konfrontiert ist. Sie verleiten den nicht immer rational denkenden Menschen oft zu Fehleinschätzungen und falschem Handeln. Gier äußert sich in Übertreibungen und resultiert oft in Blasenbildungen - Angst bewirkt teils irrationale Unterbewertungen und überverkaufte Kurse. Wie schon Börsenaltmeister André Kostolany einst sagte: “Die Börse besteht zu 90 Prozent aus Emotionen.”

Auch der typische Kleinanleger lässt sich von Emotionen oft in die falsche Richtung leiten, wie diese “Fieberkurve” veranschaulicht:

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3. Directors’ Dealings

bezeichnet Wertpapiergeschäfte die von Mitarbeitern des Management eines börsennotierten Unternehmens durchgeführt werden.

Da diese Personen Zugang zu sensiblen Informationen über ihr eigenes Unternehmen haben, sind jegliche Käufe und Verkäufe bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) meldepflichtig. Vor Bilanzstichtagen gibt es außerdem eine Sperrfrist, wo Insider keine Aktien der eigenen Firma kaufen und verkaufen dürfen. Diese Käufe und Verkäufe können für jedermann eingesehen werden und im Normalfall spricht es für steigende Kurse eines Unternehmens, falls das Management hier selbst zugreift.

Inzwischen existieren sogar verschiedene Produkte, welche die Kursentwicklung von Unternehmen abbilden, in denen eine Vielzahl dieser Directors’ Dealings stattfinden.

4. Hochfrequenzhandel (High Frequency Trading)

Im großen Stil beeinflussen inzwischen Computerprogramme den Wertpapierhandel. Sie handeln große Volumina mit sehr kurzer Haltedauer und fällen Entscheidungen in Sekunden- oder sogar Millisekunden-Abständen.

Hohe Geschwindigkeit bringt bei dieser Art des Handelns einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, wodurch der Hochfrequenzhandel teils absurde Blüten treibt:

So wurde extra für diesen Zweck ein 300 Mio $ teures Glasfaserkabel zwischen Chicago und New Jersey verlegt, nur um ein paar Tausendstel Sekunden schneller zu sein als die Konkurrenz. 
Schätzungen zufolge macht der Anteil solcher Algorithmen derzeit über 50% des US-Aktienhandelsvolumen aus.

5. Zentralbanken und Zinsen

Zentralbanken sind in erster Linie für die Geldpolitik eines Landes zuständig. Eine der möglichen Instrumente, um diese zu steuern sind Zinssenkungen oder Zinserhöhungen. Hintergrund ist, dass Zentralbanken damit die Inflation oder anders gesagt die Geldwertstabilität eines Landes oder Währungsraums steuern wollen.

Zinsentscheide von Notenbanken haben sehr weitreichende Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte. Wenn man beispielsweise wenig Zinsen auf dem Sparbuch bekommt, wird vermehrt Geld an der Börse investiert und umgekehrt. Wenn mehr Geld in den Finanzmarkt fließt, spricht das im Normalfall auch für steigende Kurse.

6. Nachrichten

Jegliche Art von unvorhergesehenen Nachrichten kann ein Beben oder Feuerwerk an der Börse entfachen. Dies betrifft nicht nur geopolitische oder wirtschaftliche Nachrichten sondern auch Mitteilungen von Unternehmen, sogenannte Ad-hoc-Meldungen.

Mit Ausnahmen von unvorhergesehen geopolitischen Nachrichten preist die Börse im Vorhinein das wahrscheinlichste Ergebnis ein. Falls es dann aber doch anders kommt als gedacht, fällt die Reaktion umso stärker aus.

Das konnte man vor Kurzem gut an den Folgen des Brexits beobachten.
Jedoch besagt eine alte Börsenweisheit: “Politische Börsen haben kurze Beine.” Was bedeutet, dass politische Entscheidungen im Normalfall nur kurze Auswirkungen an der Börse haben. Da Geld an den internationalen Finanzmärkten nicht an fixe Orte gebunden ist, fließt es dorthin, wo sich die besten Investitionschancen bieten.

7. Size matters

Je größer ein Fonds oder eine Investmentgesellschaft ist, desto größer ist theoretisch ihre Marktmacht und auch die Möglichkeit den Markt in eine Richtung zu bewegen. Beispielsweise ist die tolle Performance des ATX vor der Finanzkrise, von 2003 bis Mitte 2007, unter anderem darauf zurückzuführen, dass die österreichischen Pensionsversicherungsanstalten ein neues staatlich gefördertes Zukunftsvorsorgeprodukt aufsetzen mussten.

Diese “prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge” zwang plötzlich die Pensionsversicherungen, mindestens 40% ihres Geldes in vorwiegend österreichische Aktien zu investieren. Erstens wurden somit viele Österreicher unbewusst zu Aktieninvestoren und zweitens trieben diese Käufe den gesamten Aktienmarkt stark in die Höhe. Der ATX konnte in diesem Zeitraum mehr als 330 % zulegen. Im Vergleich: Unsere deutschen Nachbarn schafften es mit dem DAX auf “nur” knapp 190 %.

8. Wetter

Selbst das Wetter hat Auswirkungen auf die Börse.
Beispielsweise ist zu beobachten, dass in einer amerikanischen Wirbelsturm-Jahreszeit Aktien von Baumärkten stärker steigen, weil sich Haushalte vor großen Stürmen mit Baumaterialien eindecken.

Besonders abhängig vom Wetter sind auch Energieversorger und Versicherungen. Fegen beispielsweise starke Hagelstürme über das Land, müssen Versicherungen mit teils hohen Auszahlungen rechnen, was sich negativ auf den Börsenkurs auswirken kann.

Auch eine Hitzewelle im Sommer oder starke Kälte im Winter haben direkte Auswirkungen auf den Stromverbrauch und dementsprechend auch auf die Einkünfte von Energieunternehmen. Diese Effekte werden sich in der Bilanz eines Unternehmens niederschlagen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Energieversorger eigene Meteorologen anstellen.

9. Rohstoffe

Rohstoffe sind der Ausgangspunkt aller Produkte, somit haben deren Preise natürlich große Auswirkungen auf börsennotierte Unternehmen. 
Fällt beispielsweise der Ölpreis, wirkt sich das positiv auf die Ausgaben von Fluglinien und Transportunternehmen aus, die von billigem “schwarzen Gold” profitieren. Auf der anderen Seite ist der niedrige Preis wiederum schlecht für Produzenten.

Apropos Gold: Gold und andere Metalle wie Kupfer oder Aluminium spielen als Industrierohstoffe eine wichtige Rolle und beeinflussen maßgeblich ganze Industriesektoren.

Gold im Speziellen ist auch als Wertanlage von größerer Wichtigkeit. Es wird auch oft als Krisenbarometer bezeichnet, da es gerne zur Absicherung in wirtschaftlich schlechten Zeiten gekauft wird. In der Finanzkrise 2008/2009 stieg Gold beispielsweise auf neue Höchststände, während es an den Aktienmärkten zu starken Verlusten kam.

10. Analysten

Große Banken und Investmentgesellschaften geben regelmäßig Kauf und Verkaufsempfehlungen zu bestimmten Unternehmen ab. Diese haben nicht selten direkte Auswirkungen auf den Kurs einer Aktie. Gerne versehen dann Analysten eine Aktie mit “overweight” oder “equal-weight”, was soviel wie Kaufempfehlung oder Halten einer Aktie bedeutet.

Viele dieser Analysten basieren ihre Empfehlungen auf der sogenannten Fundamentalanalyse des jeweiligen Unternehmens. Dabei wird die Bilanz eines Unternehmens auseinander genommen und anhand von buchhalterischen Größen wie etwa Gewinn und Verlust, Eigenkapitalquote oder Dividendenrendite bewertet.


Dieser Gastbeitrag stammt von dem Energy-Trader Mag. Alexander Stritzinger. Mehr von seinen Beiträgen können auf seiner Website nachgelesen werden.


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