17.9.2015 Homeschooling — häuslicher Unterricht

Ein, nicht ganz freiwilliges, Jahresexperiment mit unserer Tochter

Warum?

Während des letzten Jahres wurden wir mit der Schule, einer privaten Alternativschule, immer unzufriedener. Was da alles unserer Ansicht nach falsch gelaufen ist, würde einen eigenen Beitrag brauchen, den ich vielleicht später noch nachhole. Jetzt im Moment ist es wichtiger in die Zukunft zu schauen und zu dokumentieren was die Umstellung auf den häuslichen Unterricht so mit sich bringt.

Der Grund für den häuslichen Unterricht ist leicht erklärt: Die Entscheidung ist schlicht zu spät gefallen. Grundsätzlich hatten wir beide Kinder prophylaktisch von der Schule, in der sie bis dato waren, abgemeldet. Caja haben wir freigestellt, ob sie noch ein Jahr bleiben möchte oder ob sie gleich Schule wechseln will. Ihre Entscheidung war noch ein Jahr zu bleiben und dann in die — hoffentlich entstehende neue — Schule zu wechseln. Dem Wunsch wollten wir nachkommen. Caja ist nun in der 5. Schulstufe, erst im zweiten Semester einen Schulplatz in einem Gym oder einer guten Neuen Mittelschule zu bekommen, ist nicht so einfach. ;)

Die Ereignisse in der Alf, der bisherigen Schule beider Kinder, rund um die, unserer Meinung nach unverantwortlich gelaufenen, Kündigung der Nachmittagsbetreuung haben uns zum Nachdenken gebracht. Unsere zweite Tochter wollte so und so wechseln. Caja in einer Schule zu lassen, deren (gelebte) Werte uns und ihr dermaßen gegen den Strich gehen, erschien uns absurd. Eines Abends fragten wir uns, ob wir uns das wirklich noch ein Jahr antun möchten. Sehr viel Geld zahlen (mit Essen rund 400 €), sehr viel Arbeit reinstecken (Elternarbeit und –abende) und zusätzlich aber noch Nachhilfe oder Kurse zu bezahlen, damit das Kind genügend inhaltliche Förderung bekommt?

Unser Fazit war: Wenn wir den Aufwand und die finanziellen Mittel, die bis dato in die Schule geflossen sind, direkt ins Kind stecken, wird das wohl sinnvoller sein. Wir gaben uns und auch Caja einige Tage Bedenkzeit. Sie war ein Wochenende bei der Oma und kam mit der Entscheidung zurück, dass sie zuhause unterrichtet werden möchte und sich darauf einlässt. Die Vor- und Nachteile haben wir recht ausführlich diskutiert, dass dies eine sehr grundlegende Umstellung für uns alle bedeutet, war allen Beteiligten klar.

Gesagt getan: Interessanter Weise sind die Formalitäten schnell erledigt. Ein Besuch beim Stadtschulrat, alle Formulare mitnehmen, vor allem auch das Zeugnis der 4. Klasse und innerhalb von 15 Minuten war alles erledigt. Die Schulbücher für das Schuljahr erhält man über die Schule in der die Externistenprüfung abgelegt wird. Der genaue Ablauf wird mit dieser Schule geklärt — etwas das wir noch vor uns haben und darüber berichten werden. Unser derzeitiger Stand ist, dass die Externistenprüfung in mehrere Schritte aufgeteilt werden kann. Etwas das den Kindern sehr entgegen kommt.

Ebenso spannend, aber auch einleuchtend ist, dass der Stoff gänzlich anders strukturiert werden kann. Hier müssen wir lernen das Denksystem Schule aus dem Kopf zu bekommen und — was Caja sehr entgegen kommt — selbstgesteuertes Lernen zu unterstützen. Bisserl erschwerend kommt dazu, dass sie einiges aufzuholen hat. Auch wenn ihre bisherige Schule dafür die Möglichkeiten und Ressourcen gehabt hat — geringe Anzahl an SchülerInnen, räumliche Möglichkeiten, Ausstattung, etc. — sie wurden nicht genutzt. Bei unserer Tochter zeigt sich das vor allem im Fach Deutsch, da gibt’s einiges nachzuholen. Das einzubauen ohne ihr den Spaß am Lernen zu vergällen, wird hier die Prämisse sein. Wir werden sehen wie das wird.

Die ersten Tage: Die erste offizielle Schulwoche war sehr dicht. Cajas Schwester hat in einer neuen Schule begonnen, ich hatte zwei Workshoptage und auch bei Robert hat die Arbeit wieder richtig begonnen. Wir möchten, und damit sind wir alle drei gemeint, stark auf die Unterstützung von Medieninhalten, Kursen, Onlineressourcen und ähnlichem zurückgreifen.

Dabei sollen uns Websites bzw. Tools wie Scoyo, ein Orthographietrainer, eine Englischplattform mit Gruppenunterricht oder auch die Khan Academy unterstützen.