Digitale Hochkontrastfotografie
Eine fotografische Leidenschaft
Das Buch, “Kreative Hochkontrastfotografie” von J.Seeley, erschien 1982. Ein umfassendes Werk zu einer sehr speziellen fotografischen Ausdrucksmöglichkeit, die mich von Anfang an stark faszinierte. Im Kern bestand die Technik darin, Schwarzweißbilder so zu entwickeln, dass sie so grafisch wirkten wie Lithografien.

Das wurde dadurch erreicht, dass man individuell ausentwickelte Schwarzweißnegative mit lithografischen Verfahren nachbehandelte. Man benutzte dazu Fotomaterial und Entwickler, deren Ergebnisse so gut wie keine Halbtöne wiedergaben, sondern das Bild in reine Weiß- und Schwarzbereiche unterteilten. Eigenschaften, wie sie in der Druckindustrie für die Reproduktionsfotografie und beim Fotosatz benötigt wurden. (In manchen Bereichen bis heute.) Um den Fotografien dennoch Details und Halbtöne zu erhalten, konnte die Kornstruktur, eine natürliche Eigenschaft hochempfindlicher Filme, zur Rasterung genutzt werden.

Zu der Zeit, als ich durch dieses Buch auf die Hochkontrastfotografie aufmerksam wurde, verfügte ich aus beruflichen Gründen über die notwendigen technischen Möglichkeiten, um die beschriebenen Verfahren selbst ausprobieren zu können. Was mir auch erfolgreich gelang. Allerdings, ohne großen Spaß daran entwickelt zu haben. Denn ich fand das Verfahren extrem aufwendig und die Steuermöglichkeiten wenig praktikabel; weshalb ich diese Kunstrichtung nicht weiter verfolgte.
Fotografieren hörte für mich nie an der Stelle auf, an der das Foto aufgenommen war; der Prozess bis zur Sichtbarmachung des Bildes auf Papier gehörte immer schon dazu. Der kreative Reiz lag für mich vor allem in der Möglichkeit, steuernd eingreifen zu können.

Deshalb fotografierte ich — solange die digitale Fotografie nicht etabliert war — selten in Farbe. Ich konnte ja nur den Schwarzweißprozess (da der ausreichend kostengünstig war) meinen Vorstellungen nach gestalten. Das betrieb ich intensiv, bis hin zu den Techniken von Ansel Adams, dessen Zonensystem ich für meine Arbeiten nutzte.
Die digitalen Freiheiten Fotos zu gestalten haben mich von Anfang an überzeugt. Zunächst musste man noch einige Kompromisse eingehen, aber heute ist man mit der Anwendung digitaler Prozesse theoretisch in der Lage — im optisch wahrnehmbaren Ergebnis — sämtliche fotografischen Kunstrichtungen überzeugend zu simulieren. So auch die Hochkontrastfotografie.

Die digitalen Negative, die ich 2006 von einer kurzen Italienreise mitbrachte, unterzog ich nun einem dieser Prozesse. Die Fotos wurden mit einer Vollbild DSLR aufgenommen, einer Spiegelreflexkamera, deren Sensor der Größe der früher üblichen Kleinbildkameras entspricht (24x36mm). Es zeigt sich einmal mehr, um wie viel flexibler und steuerbarer die Fotografie durch die Digitalisierung geworden ist.
Hochkontrastabzüge, wie ich sie auf meinem Artflakes Profil anbiete, hätten 1982, um in dieser Qualität zur Verfügung zu stehen, mit einer Mittelformatkamera aufgenommen werden müssen. Vor der Aufnahme schon, hätte ich mich für einen bestimmten Farbfilter entscheiden müssen, der auf dem Schwarzweißbild die Helligkeitswerte der Motivfarben optimiert. Nach der Entwicklung hätte ich die Aufnahmen, zur Umarbeitung als Hochkontrastbild, gleich auf das beabsichtigte Reproduktionsformat vergrößern müssen. Die benötigten Belichtungswerte wären in mehreren Umkopiervorgängen und einigen Versionen zum Test zu ermitteln gewesen. Unverzichtbar wäre es gewesen, einige Bildbereiche individuell nachzubelichten oder durch Abwedeln in der Belichtung zu reduzieren. Eine echte Maskierung, die es erlaubt hätte das Bild partiell zu manipulieren — wie es im Digitalen möglich ist — hätte Stunden der Vorbereitung verschlungen. Kein gangbarer Weg, den man wählt, um einfach mal so, auszuprobieren, ob sich ein Motiv für den angestrebten Bildeffekt anbietet. Ein Grund vielleicht, warum man so wenige Fotos sieht, die als echte Hochkontrastfotografie ausgearbeitet wurden.

Die digitale Bildbearbeitung verkürzt nicht nur den Weg zum gewünschten Ergebnis, sie verbessert es auch. Denn man kann ja als Künstler unmittelbar miterleben, wie sich jede Maßnahme, die man im kreativen Findungsprozess nach dem optimalen Ergebnis einsetzt, auf das Werk auswirkt. Ohne Dunkelkammer und den damit verbundenen chemischen Emissionen, ohne Reprokamera oder Vacuum-Kopierrahmen, ohne den Kampf gegen den Staub oder den Nachteil, manuelle Belichtungskorrekturen nicht exakt wiederholen zu können, kommt man zu Ergebnissen, die die Einschränkungen analoger Arbeitsprozeduren niemals oder zumindest nur unter erheblichen Aufwand erlaubt hätten.

Es macht also großen Spaß (zumindest mir), mit digitalen Mitteln fotografische Techniken nachzuempfinden, die schon zu analogen Zeiten Aufmerksamkeit erregt haben. Das heißt nicht, dass es keinerlei Schwierigkeiten zu überwinden gäbe; etwas Training gehört schon dazu. Aber wenn die entsprechenden Tools und Prozesswege herausgefunden sind, gewinnt man derart weitreichende Kontrolle über die Tonwerte der Fotografien, wie sie den analog arbeitenden Gründern der entsprechenden Stile — in dieser Ausprägung — vermutlich nicht gelungen wären.
Virtuelle Galerien machen digitale Kunst für jedermann verfügbar. Suchen Sie dort aus und bestellen Sie sich, was in Ihren Augen dekorative Kunstwerke sind; In der Größe und Rahmung, die Ihnen vorschwebt (Poster, Fotoleinen, Postkarten). Auch das ist ein Vorteil des digitalen Prozesses.
Matthias Töpfer Fine Art Prints: Digitale Hochkontrastfotos von Venedig Fine Art Prints: Digitale Hochkontrastfotos von Murano