An Euch besorgte Bürger
Christian Dingler
19630

Die Erfinder der Globalisation haben eines nicht bedacht: Wie soll man den Menschen klar machen, dass Waren unbegrenzt reisen dürfen, sie selbst aber nicht. Diese ganze Diskussion geht mir langsam auf die Eier, weil sie viel zu kurzsichtig geführt wird. Wir stehen erst am Anfang von etwas, was wir noch nicht kennen und lernen müssen, damit umzugehen. Momentan sind wir auf der Seite, die genug hat. Zumindest haben wir so viel, dass wir uns noch nicht genug bei denen beschweren, die das Meiste haben. Globalisierung funktioniert momentan auf Grund des Kapitalismus und das ist für mich fast ausschließlich ein Nehmen, aber sicher kein Geben. Uns wird nur so viel gegeben, dass wir uns nicht dafür interessieren, wieviel andere sich nehmen. Und sie nehmen sich viel. Nimmt sich jemand viel, so hat irgendjemand fast nichts mehr. Dies kann Geld sein, Freiheit oder Macht. Nun gibt es Länder, in denen vielen Menschen genau das weggenommen wird. Kann es ihnen jemand verübeln, wenn sie dorthin wollen, wo sie wenigstens ein bißchen Aussicht auf etwas haben? Anscheinend gibt es hier Menschen, die haben Angst um das Wenige, was sie haben und es ist verständlich, dass sie sich dagegen wehren möchten, auch wenn es nicht sehr weit gedacht ist. Sie als dumme Nazis hinzustellen finde ich genauso hohl, weil es erst einmal nicht weiterhilft und die Fronten nur verhärtet. Der Migrationsstrom wird nicht abreißen und wenn die Diskussion so bleibt, werden wir uns hier noch an die Gurgel gehen. Und das alles nur, weil sich wenige ganz viel nehmen und es ihnen egal ist, wie sich die Vielen um das Wenige streiten. Lenkt doch die Diskussion dahin. Und trampelt nicht auf Menschen herum, die noch weniger haben als ihr (und sei es nur Gehirn). Das ist purer Egoismus. Und in der Hinsicht unterscheidet sich das nicht von denen, die sich alles nehmen. Von mir aus dürfen alle kommen. Und bleiben. Ohne Ausnahme.