Gefühle — Abgründe und Urgründe

Gefühle

Abgründe und Urgründe

Wir kennen sie alle, die schmerzhaften und ungeliebten Gefühle, die uns das Leben in manchen Stunden unerträglich scheinen lassen.

Wut. Angst. Trauer. Scham. Eifersucht. Selbstmitleid. Verachtung. Einsamkeit. Selbstzweifel. Rachsucht. Verzweiflung. Neid. Und all ihre Brüder und Schwestern in unserem Herzen.

Sie vergiften unsere Gedanken. Rauben uns die Ruhe und den Schlaf. Sie lassen uns Dinge sagen oder tun, die wir schon bald darauf bitter bereuen werden. Manchmal erscheint es uns, sie hätten uns in ihrer Hand.

Wie oft wünschten wir uns, von ihnen frei zu sein. Wie oft nehmen wir alle Kraft, die wir haben, zusammen, um sie in Schach zu halten. Nur um wieder und wieder zu erleben, wie sie bereits im nächsten Moment aus dem Dunkel unserer Seele wieder auferstehen.

Warum ist das so? Sind wir so schwach?

Der Mythos von der emotionalen Freiheit

Wie oft haben wir gelesen und gehört, dass es möglich wäre, uns von den Schatten unserer Seele zu befreien. Wenn wir nur auf die richtige Weise denken. Wenn wir nur genug meditieren. Wenn wir nur vielleicht irgendwann endlich erleuchtet sind. Hand auf’s Herz: Kennst du auch nur einen einzigen Menschen, der es wirklich geschafft hat? Und dadurch glücklicher geworden ist?

Ich glaube, wir sitzen da einem riesigen Irrtum auf.

In meinen Augen sind unsere Gefühle und Emotionen nicht weniger als Urkräfte des Lebens selbst. Sie sind: Das Leben selbst in seiner urtümlichsten Form. Darum ist jeder Kampf gegen sie von vornherein: Zum Scheitern verdammt. Wenn wir so wollen, dann ist das die schlechte Nachricht. Den Kampf gegen das Leben selbst können wir ebenso wenig gewinnen wie den Kampf gegen die Realität. Oder besser: Ich habe in meinem Leben bislang keinen Menschen kennen gelernt, dem dies gelungen wäre.

Wenn wir bereit sind, uns dieser Nachricht zu stellen, dann beginnen wir, uns zu öffnen für die gute Nachricht. Die lautet: Wenn unsere Gefühle Urkräfte des reinen Lebens sind, dann können wir vielleicht lernen, diese zu nutzen. Anstatt gegen sie zu kämpfen.

Wenn wir den Kampf gegen unsere ungeliebten Gefühle aufgeben, dann können wir lernen, zu ihrem Kern vorzudringen. Einem Kern aus purer Lebendigkeit und Lebenskraft. In ihrem Kern sind unsere Gefühle nichts als reine Energie, die uns helfen will und kann, unser Leben in allen Daseinsformen anzunehmen und zu formen.

In allen Feldern unseres Lebens begegnen uns diese archaischen Energien. Da sie aus reiner Lebendigkeit geschaffen sind, sind sie in allen allen Aspekten unseres Lebens omnipräsent. Aber viele von uns erleben diese Kräfte in ihrer stärksten Form in den Feldern der Liebe, der Partnerschaft und der Sexualität.

Die Königsdisziplinen des Lebens

Ja. Manchmal erscheint es uns wie bittere Ironie, dass gerade die Menschen, die uns doch am wervollsten und wichtigsten sind, in uns die schwierigsten und heftigsten Emotionen auslösen. Und wir in ihnen. Vielleicht ist auch das eine schlechte Nachricht.

Vielleicht aber ist genau dies nicht weniger als ein Aufruf an uns. Ein Aufruf, diese Bereiche unseres Lebens tatsächlich wichtig und ernst zu nehmen. Ein Aufruf, uns genau hier genau dem zu stellen, was in uns in Aufruhr kommt. Ein Aufruf, unseren Schatten — und denen unserer Liebsten — mit offenem Herzen in die Augen zu schauen. Und zu erleben, was passiert, wenn wir entschlossen sind, dem Leben auf Augenhöhe zu begegnen.

Denn: Liebe, Partnerschaft und Sexualität sind die Königsdisziplinen des Lebens. Was wir hier lernen, lernen wir im gleichen Atemzug für alle anderen Bereiche des Lebens gleich mit.

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Originally published at augenhöhe. lieben will gelernt sein..