Menschen quasseln in Messengers ohne Punkt und Komma. Wie wörtlich man das nehmen darf, zeigt der eigene Chatverlauf. Wann haben Sie das letzte Mal bewusst einen Punkt an ein Satzende gesetzt? Zeit, sich ein paar Gedanken über das kleinste Satzzeichen zu machen.

Punktförmige Lampe auf Holzboden
Punktförmige Lampe auf Holzboden
© Miriam Lochner { @auxkvisit }

Ich habe eine Bitte an Sie: Nehmen Sie Ihr Smartphone oder Tablet zur Hand, was Sie vermutlich ohnehin schon tun, und öffnen Ihren Lieblings-Messenger. Und dann sehen Sie sich mal Ihre letzten Chatverläufe an.

Alles ganz normal, meinen Sie?

Schauen Sie nochmal genauer hin. Ich wette, Sie machen es wie so viele andere, wie ich natürlich auch —…


Photo by Katie McNabb on Unsplash

Menschen sind sich ähnlicher, als ihnen 2019 lieb ist. Dennoch oder gerade deswegen versuchen viele krampfhaft, ihre Individualität zur Schau zu stellen. Was nur noch mehr zeigt, wie gleich alle sind.

Menschen sind einander ähnlicher, als sie es sich in Zeiten des Hyperindividualismus eingestehen wollen. Das merkt man spätestens daran, wenn man sich die Instagram-Feeds der ach so Individuellen ansieht: Das weiße Shirt mit dem roten Jeansmarken-Emblem, darunter die Jeans-Shorts inklusive apfelrund trainiertem Knackarsch, weil der 2019 so sein muss. Die im Skandi-Chic eingerichtete Wohnung: Ein omnipräsenter Weiß-Grau-dezent-naturfarbiger Minimalismus mit vielen Pflanzen und wenigen Messing-Objekten in Polygonform. [ Gekauft für Einsfuffzich, made in China, aber wenn der Laden einen skandinavisch klingenden Namen hat, wird das schon passen. Natürlich hat man ohne Plastik-Beutel eingekauft, denn man lebt ja #zerowaste. Das muss genau…


Im Sommer ist es schön, einfach und schön einfach, fürs erste Date etwas auszumachen: Man trifft sich am See, im Park, zum abendlichen Draußen-Sitzen-und-was-trinken; kann viele Orte aufsuchen, zusammen entdecken und sich so besser kennenlernen. Aber was ist im Winter?

„Oh, es läuft gerade … Lass uns ins Kino gehen!“ Aber macht es Sinn und Spaß, 90 Minuten plus Werbung stumm nebeneinander zu sitzen, wenn man sich noch nicht so gut kennt? Nicht jeder will beim ersten Date ausschließlich nonverbal kommunizieren.

Ab Dezember wird es einfacher: Die Weihnachsmärke haben auf. Ich muss zugeben, ich mag die nicht: Zu voll –…


Illustration: © Miriam Lochner (@auxkvisit)

Wir wollen üppiges, volles, gesundes, kräftiges Haar: Auf dem Kopf, einige auch im Gesicht. Da wird mit Ölen gepflegt, gestutzt und geformt. Aber Körperbehaarung? Iiiiih, wie eklig! Arte Creative hinterfragt mit dem Poilorama „Haarige Sache“, was es mit der Körperbehaarung auf sich hat — und warum sich so viele vor ihr so grauen.

Heraus kam eine extrem interessante, tabulose und sehr amüsante zehnteilige Serie, die dabei auch die Geschichte der Sexualität erzählt, vor allem die der Frau. Ganz nebenbei fließen historische, kunsthistorische und gesellschaftliche Aspekte ein. „Haarige Sache“ ist damit ein sehr informatives, vielfältiges und überaus kurzweiliges Format.

Psychologen, Philosophen…


Manchmal gibt es Neuigkeiten, die schockieren. Weil sie so neu sind. Dann gibt es welche, die schocken auch: Weil man sich gar nicht bewusst war, dass das neu, falsch oder sonstwie bedenklich ist. So wie Weizen oder Milch, oder neulich, als ich auf den Artikel stieß: „Wer alleine wohnt, muss kein Weirdo sein“ von Puls.

Heute bin ich um 12 Uhr aufgestanden. Etwas, das sich vor allem Alleinwohner gönnen können; niemand störte sich daran, außer der Taube, die gegen meine Fensterscheibe dotzte und mich damit aus dem Halbschlaf riss. Wäre ich schon länger wach gewesen, wäre das Fenster weit offen…


Liebes Instagram,
lange Zeit warst Du eine meiner Lieblingsplattformen: Bei Dir ging es einfach um Bilder. Die User waren freundlich und sind es immer noch. An ihnen liegt es nicht, dass ich Dich plötzlich nicht mehr mag. Hass in den Kommentaren, wie sie sonst online schnell passieren, sucht man auf Dir vergeblich.

Alles ist „Oh, so beautiful!“ und „Awwwww“! Nun könnte man Dich für diese Oberflächlichkeit hassen. Aber so schlimm sind diese zumeist nur kurz angerissenen Kommentare gar nicht, weil man zu schönen Bildern eben nicht viel mehr sagen kann. Nicht in dieser kurzlebigen Zeit und schon gar nicht, wenn…


Wer Single über 30 ist, muss sich oft erklären. In dem Geschwader aus Pärchen, aus dem die meisten privaten Parties mittlerweile bestehen, fühle ich mich dann schnell wie etwas, das an einer unheilbaren Krankheit leidet oder zumindest an einem grauenvollen Ausschlag. „Was, du bist Single?!“ fragen neu hinzugekommene Pärchen und gucken einmal schnell an mir auf und ab, als würden sie an irgendeiner Stelle ein zusätzliches Körperteil vermuten. Ich drehe mich possierlich im Kreis, wie ein Tier im Zoo, das ich hier bin, und zeige, dass auch von hinten alles okay ist — kein Schwanz, keine Flügel. Sie schieben ein…

Miriam Lochner

Creative Director, bloggt auf auxkvisit.de über { ihr } Leben in Augsburg

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