Tag 16–19 (Java, Yogyakarta)

Von Yogyakarta, der Kunst- & Kulturstadt Javas, hatten wir uns aufgrund zahlreicher Reiseblogs und “da MUSS man unbedingt gewesen sein”-Empfehlungen ein paar wirklich tolle Tage mit vielen indonesischen Eindrücken versprochen und uns daher auch gleich für 5 Nächte einquartiert.

Nun ja, indonesische Eindrücke hatten wir dort zur Genüge und wir könnten vermutlich über jedes Restaurant und jeden Warung in Laufweite unseres Hotels eine umfassende Bewertung abgeben, soviel Zeit wie wir dort verbacht haben…aber bevor sich nochmal jemand auf die Empfehlungen irgendwelcher Krishna verfallenen Backpacker-Aussteiger im Internet verlässt: Nein, in Yogya muss man so ganz und gar nicht gewesen sein! Wirklich nicht!

Aber wo wir schon mal da waren, haben wir natürlich das Beste draus gemacht (außer uns rund um unser Hotel vollzufressen). Am ersten Tag, als wir noch ganz erwartungsvoll und blauäugig losstiefelten, stand der Kraton — Königspalast — und der alte Wasserpalast des Sultans, sowie die “Shoppingmeile” Maliboro auf dem Plan. Was man uns schon mal verschwiegen hatte: Zu Fuß kann man indonesische Großstädte so ganz und gar nicht genießen und erkunden. Von 10km Laufweg möchte man nur 500m gesehen haben…aber das Beste verpasst man dann ohnehin, da man die ganze Zeit auf den Boden schauen muss, um nicht in eines der gerne mal 50cm breiten und 1m tiefen (!) Löcher im Gehweg zu fallen, denn wenn eine Gehwegplatte kaputt ist, muss man sie bei der nicht vorhandenen Anzahl an Fußgängern ja auch nicht ersetzen.

Der Wasserpalast war trotz des beschwerlichen Weges ein echter Hingucker und im Eintrittspreis war auch eine kleine Führung enthalten, was uns die alten Bräuche des Sultans und seiner bis zu 40 Frauen näher gebracht hat. Der Königspalast hingegen war zwar ein großer Komplex, quasi eine kleine Stadt in der Stadt, aber zu sehen gab es da nicht viel. Wir waren lediglich sehr überrascht, dass dieser historische Meilenstein der Stadt als Wohnraum genutzt und nicht als Sehenswürdigkeit gepflegt wird.

Nachdem wir genug Geschichte intus hatten, wollten wir den Nachmittag beim Bummeln auf der angepriesenen Shoppingmeile ausklingen lassen. Wir wussten zwar, dass uns hier auch viele Marktstände erwarten würden, aber dass sich sämtliche Waren nach 10m wiederholen und das auf 3km Länge, hatten wir wohl überlesen. Immerhin entdeckten wir einen indonesischen McDonald’s mit diversen Reisgerichten neben den üblichen Burgern, kauften eine Box Bakpia Pathok, den”berühmten” lokalen Keksen mit Mungobohnenfüllung, welche ein beliebtes Mitbringsel unter den lokalen Reisenden war (es konnte dort niemand Englisch, also lernten wir erst später über Wikipedia, was wir da genau gekauft hatten) und versuchten mit deutscher Struktur und Ordnung die 4spurige Straße an einer Fußgängerampel zu überqueren, die aber nach Reaktion der Autofahrer zu urteilen noch nie zuvor betätigt worden war. Der auf ca. 2m Höhe angebrachte Ampelknopf hätte uns schon ein Warnhinweis sein müssen, da ihn so kein Indonesier betätigen könnte.

Am zweiten Tag in Yogya waren wir entsprechend etwas demotiviert und hatten uns für nachmittags schon eine 90minütige javanesische Massage für ca. 6 EUR pro Person im Hotel vorgebucht. Trotzdem machten wir noch einen Ausflug zum Vogelmarkt, wo die Einheimischen ihrem Faible für kleine Singvögel nachgehen, aber auch Schlangen, Fische, Katzen, Hunde, Affen, Eulen, Fledermäuse und alles, was sonst noch in einen Käfig passt, verkauft wird. Nichts für schwache Nerven, aber defintiv ein Erlebnis.

Für den vorletzten Tag hatten wir uns eine Tour zum Borobodur Tempel und zum Prambaran Tempel gebucht, welche beide zum Weltkulturerbe gehören und jeweils ca. 1 Stunde von Yogya entfernt liegen. Für die Tour ging es wieder recht früh los, da wir zum Sonnenaufgang am Borobodur sein wollten. Und auch wenn es letztlich ein bisschen zu diesig war, um einen Bilderbuch-Sonnenaufgang zu sehen, so war der Tempel im Morgengrauen auf jeden Fall unser Highlight auf Java.

Da wir nach den ersten Erfahrungen weitere lange Fußwege vermeiden wollten, entschlossen wir uns, den letzten Tag mit einem der vielen Rikscha-Fahrer zu bestreiten, die wir bisher immer erfolgreich abgewimmelt hatten. Eine motorisierte Rikscha war schnell gefunden und ein angemessener Preis ausgehandelt und auf ging es nach Kota Gede, dem Silberschmiede-Viertel von Yogyakarta. Ein bestimmtes Ziel hatten wir nicht, aber vielleicht konnte man ja irgendwo ein Schnäppchen ergattern. Unser Fahrer brachte uns zuerst zu einer recht großen Silbermanufaktur, wo wir eine kleine Führung über die Herstellung des Silberschmucks bekamen. Ein kleiner interessanter Hinweis an alle Damen oder Silberschmuckfreunde: Wir haben hier gelernt, dass man mattes oder oxidiertes Silber mit einer Zahnbürste und natürlichen Waschnüssen wieder glänzend bekommt! (Waschnüsse gibts in Deutschland z.B. bei dm und Co.)
Wir durchstöberten noch ein paar weitere Shops, fanden einen schönen Silberring für nicht mal 8 EUR und ließen uns gemütlich wieder zum Hotel fahren, um für den Flug am nächsten Morgen zu packen.

- Melanie

Betten-Counter: 9 (siehe Tag 13–15)
Photo-Counter: 3

P.S.: Hätte man zu diesem Zeitpunkt ein Rückreiseticket nach Deutschland gekauft, statt nach Sumatra weiter zu fliegen, würde man bei ca. 1500€ p. Person für 3 Wochen Indonesien inklusive aller Ausgaben auf unserer Tour liegen. Vielleicht hat der Ein oder Andere jetzt ein neues Reiseziel. :)

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