Angst vor dem nächsten Tag

Ein Tag nach dem anderen vergeht. Jede Nacht weinend auf ihrem Bett liegend.
Sie vergehen alle. Alles vergeht doch?, dachte sie und sah auf die Uhr.
Er rief sie an um ihr etwas wichtiges mitzuteilen. Es war ihm sehr wichtig, schien es ihr.
Sie nahm ab. Hörte seine Stimme. Sie wollte sie gerne hören, seine Stimme, hatte jedoch angst, angst davor, was er ihr sagen will. Ihre ganzen Gefühle vergrub sie sorgfältig, bis keine Spuren mehr zu sehen waren.
Sie spürt, wie ernst seine Stimme geworden ist. Er verlangt Antworten, Antworten auf welche sie nicht antworten kann. Sie spielt mit dem Wasser, um diese Stille zu verbergen. Um sie nicht mehr im Kopf zu haben, ihre Stille. Er stellte Fragen, immer weitere und davor hatte sie Angst. 
Sie denkt, denkt und denkt. Sie öffnet vergeblich ihren Mund, doch kein Geräusch kommt raus. Absolute Stille. Ihr Mund noch immer offen und schweigend.
Er sagt Sachen über sie und redet über ihre Zukunft der beiden, redet davon, wie stark sie geworden sei und wie einsam er wird, sprach davon, dass er sich vielleicht noch daran gewöhnen müsste.
Sie hat aufgehört mit dem Wasser zu spielen, als sie bemerkte, dass der Schaum, der einst da war, verschwand. Sie dachte nur, wie kurz der Schaum bei ihr blieb und wie schnell alles doch vergeht.
Sie wird langsam wütend, versteckt es aber noch für eine Weile. Die eiskalte Stille bereitet ihr schon Gänsehaut. Die Wärme verlässt sie. Sie lacht und stoppt wieder. „Verlangst du eine Antwort von mir?“, fragte sie ihn. 
„Nein“, antwortet er. Sie erstarrt im Wasser. Sie schaut auf ihre Hände, die schrumpelig von dem Wasser geworden sind. Sie lacht noch einmal und fing an. Sie erzählte und erzählte, als er sie unterbrach.
 „Lenke nicht ab!“, hörte sie ihn sagen und sie wurde still und immer stiller. 
Absolut Still. Er fing wieder an. Als wäre es ihr nicht genug? Er entschuldigte sich bei ihr, dass er sie gestern angeschrien hatte. Aus Versehen, er wollte es nicht. 
Er war hungrig…
Er ist hungrig, hungrig nach ihr. Sie versteht es nicht. Was will er von ihr, dachte sie sich.
Er sagte, er will ihre Energie, ihre Ziele, ihre Gefühle und Träume sehen. Und sie wusste, dass das nichts bringt. Ihre Wut brach aus, die sie einst zurück hielt. Sie schreit. „Sei leise! Halt die Klappe! Du weißt nichts!“. Das Wasser läuft von ihren Haaren auf ihren nackten Oberkörper und dann an ihren Beinen herunter zurück ins Wasser. Sie verlässt die Kälte des Wassers, zieht sich an und geht aus dem Badezimmer.
Er weiß nicht, wo sie gerade hin geht, was sie gerade tut oder an was sie gerade denkt.
Sie nimmt etwas in die Hand.
Das Geräusch, als sie das etwas nimmt, hörte sie, doch hört er es? An diesen Gedanken, dachte sie jetzt nicht. Ihre Stille und ihre Wut sind stärker. Nichts hielt ihre Gefühle noch auf. Er hört einen Stuhl, der langsam und quietschend verschoben wird. „Was machst du jetzt?“, fragt er, doch er hörte keine Antwort auf seine Frage. Stille verschlingt sie und fliest aus ihr heraus. Es war nur noch für paar Minuten so Still. Für ihn fühlte es sich jedoch wie eine halbe Ewigkeit an.
Das Telefondisplay vor ihr wurde schwarz. Ihre Wut von vorhin verwandelte sich. „Glaubst du…“, fing sie an und unterbrach wieder.
Sie lacht. Erneut fing sie an. „Glaubst du es würde weh tun?“, fragt sie lachend.
„Was würde weh tun!?“, fragte er sie zurück.
Er hörte nur noch einen Satz von ihr, kurz bevor sie mit Stille alles füllen konnte. „Ich glaube das klappt nicht, es ist nicht scharf genug“, sagte sie zu ihm.
 
Er ist nicht bei ihr. Es wurde wieder stiller und sie sagt nichts weiter. Langsam überschrie ein wiederholtes Geräusch diese Stille. 
Er hörte am Telefon dies. Hörte, wie es sich öfter und immer öfter wiederholte.
Er schrie verzweifelt. „Mach nichts dummes! Geh in dein Zimmer! Wecke deine Eltern“, doch er bekam keine Antwort von ihr.
 Sie hört ihn nicht. Für ein paar male hörte er es noch mal, noch mal und immer wieder. 
Er wiederholte seine schreiende Verzweiflung. Mit Angst in der Stimme schrie er ihren Namen noch für eine kurze Ewigkeit.
Sie hörte nichts, dachte an nichts, spürte kein Schmerz, schreit nicht, vergoss keine Tränen und sagte nichts. Ihre Gedanken überfüllt und ertränkt davon. Nach einer Ewigkeit wurden sie leerer. 
Sie hört ihn langsam immer lauter und lauter werden, obwohl sie es nicht tun sollte, hörte sie ihn wieder…
„Ich komme zu dir! Mach nichts dummes in der Zeit, sonst rufe ich die Polizei!“.
Er legte auf. Sie guckt auf die Uhr. Sie kam mit ihren Gedanken zurück aus einem gefühllosen Traum. Wachte auf und sah an, was sie getan hatte. Sie rief ihn an, doch sie hörte für lange Zeit lautes Piepen, welches nicht aufhörte. Wiederholt hörte sie diesen Ton, bis sie seine Stimme endlich erreichen konnte.
„Ich bin gleich da! Mach nichts dummes!“, rief seine Stimme aus ihrem Telefon.
Sie wollte sagen, dass sie aufgewacht ist, doch bevor sie es sagen konnte, legte er erneut auf.
Es folgte eine erneute Zeitschleife in ihrem Kopf, bis sie eine Klingel unterbrach. Ruft er sie an? 
Sie machte die Tür auf und sah Jemanden, einen alten Freund. Sie fragte sich, warum der Jemand da steht. „Er hat mich geschickt.“, sagte der Jemand zu ihr. „Wollen wir raus gehen?“, fragte der Jemand. Sie nickte.
Nach jenen Schritt in dieser Nacht, bemerkte sie keinen schönen Sternenhimmel über sich, obwohl der Himmel klar war. 
Frei von allen Wolken. Doch war sie frei? Sie verarbeitete ihre Gedanken. Verarbeitete alles, 
was zuvor geschehen war.
„Na, was ist passiert?“, fragte der Jemand sie. Sie wollte zuerst still sein, aber sie entschied sich nicht dafür. „Nichts ist passiert“, antwortete sie mit einem Lächeln in ihrem Gesicht. 
Sie fing an.
„Ich kenne dich schon so lange und weiß, dass du gerne Sachen in dich rein frisst.“, sagte der Jemand zu ihr.
Sie blieb stehen und schaute den Jemanden tief in die Augen. Zweifel stieg in ihr auf. 
Sie las vertieft in seinen Augen, doch verstehen konnte sie nichts, von dem, was sie darin las. 
Eine Weile lang, dachte sie nicht daran und fing lächelnd an. Doch bevor sie wirklich fliehen konnte, fiel sie wieder tief.
Spürte ihn auf sie zu kommen. Immer näher und näher. Sie sah seinen Gesichtsausdruck, der alles und nichts bedeuten konnte. Sie hat sich geschämt. Ihr lächeln verging wieder und sie fällt tiefer. Wie ausgewechselt schien sie. So fremd von der echten Person. Geschämt hat sie sich für ihre Tat. Sie vergrub ihren Kopf und ihr Blick wanderte nach unten. 
Er ging an ihr vorbei, ohne ein Wort zu sagen.
Sein Verhalten, konnte sie nachvollziehen und lud die Stille in sich rein. Die beiden redeten miteinander. Dauerhaft blickte sie nach unten, folgte ihnen und sah auf ihre Schritte. Sie fühlte sich wie ein Kleinkind hinter ihnen. Immer deren Schritte folgend, sah sie ihren Schatten hinterher. Absolute Stille in ihr.
Sie blieben stehen, an einem dunklen Ort. Sie sah nur auf die brennenden Lichter strahlen. Spricht er jetzt mit ihr? Sie weiß es nicht. Ihre Gedanken wollten gehen, fliehen von diesen Ort. 
„Soll ich bleiben oder wollt ihr alleine reden“, fragte der Jemand. Sie weigerte sich etwas zu sagen und ihr Blick wanderte zu den nächsten Lichtern. Sie gab keinen Ton von sich und der Jemand blieb.
Blieb stehen, wo er zuvor stand. War sie einst auf diesem Platz? Ein zweifelhaftes Gefühl breitete sich kurz in ihr aus.
Er blickt zu ihr. „Du hast ein Problem!“, sagte er mit einer ernsten Stimme zu ihr.
Seine Stimme wollte in sie durchdringen, aber ob seine Worte das taten? Ob seine Worte sie nicht durchstechen wollten? Vielleicht sogar verletzen oder sogar retten?
Mit harten Worten, fing er jedoch an. Ist sie jetzt die Kranke? Und sie verlor jeglichen Verstand in ihr.
„Ich habe kein Problem! Warum bist du her gekommen!?“. Ihre Stimme schrie nicht, sondern nur der in ihrem Kopf. Noch lauter als zuvor schrie sie auf diese Art und Weiße.
„Du weißt, was du getan hast“, sprach er weiter und sie war sich dem bewusst. Ihr Kopf wanderte in eine andere Richtung, immer noch weg gedreht von ihm. Immer mehr Lichter gingen an und immer mehr Lichter gingen aus. Woran das lag? Er unterbricht jegliche Gedanken erneut.
„Du hast Depression!“, schrie er wütend. Sie zeigte immer noch keine Reaktion, kein Kopfschütteln und oder ihr Gesicht. In ihren inneren herrschte Stille, doch dann hörte sie es. Sie hörte es wieder, das vom Anfang. Es war eine Wiederholung in ihrem Kopf. Es verschlang sie komplett und immer mehr.
„Guck mich an!“, sagte er zu ihr. Sie reagierte kaum. Das Geräusch immer lauter. Ihre Augen wandern von Licht zu Licht, bis ihre Augen stoppten. Sie stoppten von alleine bei seinen Lippen.
War das Geräusch endlich verschwunden?
 
„Du kriegst Hilfe!“, sagte er. „Wir, deine Eltern…“, kurz hörte er auf und fing wieder an. 
„Ich bin mir sicher, deine Brüder werden es auch verstehen und werden dich da auch unterstützen“. 
Ihre Augen erblindeten in diesem Moment. Sie guckte ins nichts.
Weigerte sich erneut.
„Gib mir deine Hand“, sagte er zu ihr. Sie spürte einen stechenden Schmerz an ihrer Hand. 
Hatte angst das zu tun und hatte genauso viel angst davor es nicht zu tun. Sie guckte in seine Richtung, hob ihre Hand. Sie zögerte und hob dann ihre andere.
Er nahm ihre Hand, zog sie an sich und nahm sie in seine Arme. Ihr Herz drückte, ihre Gefühle wollten raus. Sie kamen nicht. Ihr Schmerzen worden schlimmer. Sie wollte sich lösen. Lösen von ihm, doch er hielt sie fest. Fester und immer fester. Ein Kampf, bis einer gewonnen hatte. Doch wer hatte denn gewonnen?
Ihre Beine fingen an zu fliehen. Ihre Schritte wurden schneller und sie sah, wie ihr Atem nach oben stieg.
„Komm zurück!“, schrie der Jemand. Durfte der Jemand so etwas sagen, oder hatte sie kein Recht zu fliehen? Sie blieb stehen. Mit ihren Rücken zu ihnen stand sie da. Die Entfernung zeigte ihr, 
wie ernst es schon war.
„Wenn du jetzt weiter gehst, ist es Schluss!“, rief er ihr zu. Ist das ein Film? Sie dachte daran, wie sehr ihre Beine fliehen wollten. Soll sie es wagen? Soll sie es ihm zeigen, die Stille in ihrem Kopf? War das die Stille? Lange blieb sie auf diesem Punkt stehen. Ein Licht aus einem Gebäude erlosch. Genauso wie ihre Entfernung zu ihr selbst, erlosch das Licht. Sie entschied sich dann nach einigen Ewigkeiten…
Sie geht. Geht zurück nach Hause. War das ein Fehler? Sie zweifelt kurz, aber nicht lange. 
Hätte sie es tun sollen?
Es war ihre Entscheidung, auch wenn es dazu kommen musste, dachte sie.
Sie geht die Treppen hoch, schloss ihre Tür auf und ging rein. Sie ging drei Schritte und drehte sich um.
 
Er schloss ihre Tür leise, sah ihn noch ganz kurz und dann wieder das Dunkel. Das letzte Licht verschwand beim Schließen. Es war Dunkel und es verschlang sie. Auf die Uhr konnte sie nicht schauen und Stille brach im Dunkeln aus. Ihre Augen füllten sich und in ihr wurde es lauter. 
Laut war sie für eine ganze Ewigkeit, doch es verging noch in der selben Nacht, bis sie aufwachte 
und erneut auf ihre Uhr sah.

Von: Barbara Orzechowska

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