Reines Auffangnetz oder doch mehr?

Wie wertvoll ist dein soziales Netzwerk?

tl;dr: Wie wichtig ein starkes Netzwerk ist, weißt du meist erst in einer waschechten Krise zu schätzen, wenn es eigentlich bereits zu spät ist und du merkst, dass du von keiner Seite Unterstützung und Hilfe erwarten kannst. Das ist bitter und für einige Unternehmen der Anfang vom Ende. Um genau das zu verhindern, gehe ich heute der Frage nach, was dein Netzwerk überhaupt wert ist und weiter, ob du selbst einen Wert für dein Netzwerk hast. Darüber hinaus zeige ich dir, dass dein Netzwerk sehr viel mehr kann, als nur Auffangnetz in Krisensituationen zu sein. Es wird Zeit, echte Wertschätzung in digitale Beziehungen einzubringen. Wie? Lass dich von meiner 10-Punkte-Checkliste leiten.

Ich möchte diesen Beitrag mit einem Dank beginnen. Nein, eigentlich sind es zwei Danksagungen: Die erste geht an all meine LeserInnen und AbonenntInnen, die mir trotz geändertem Blogrhythmus erhalten geblieben sind. Der zweite Dank geht an Alana, die mir ein fundiertes und überaus hilfreiches Feedback zu meinem Blog per Mail geschickt hat. Beides — und die Tatsache, dass ich jetzt ein wenig mehr Luft habe, die ich wiederum in andere Projekte stecke — motiviert mich ungemein noch mehr zu geben und noch besser und nützlicher mit meinen Inhalten zu werden. Vielen Dank!

Die Geschehnisse der letzten zwei Wochen haben mir gezeigt, wie wertvoll ein starkes Netzwerk im Social Web ist, wie gut positives Feedback und Rückhalt tun, wenn du dir selbst nicht sicher bist, ob das, was du tust, irgendeinen Sinn ergibt. Insofern lautet meine heutige Frage an dich: Wie wertvoll ist dein Netzwerk?

Netzwerk als Rückendeckung

In meiner Artikelserie zum Social Web, habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass das Social Web eine Vernetzung von Individuen, echten Menschen und Persönlichkeiten ist. Diese bilden sich nicht an lokalen Orten, sondern entstehen an gemeinsamen Interessenspunkten, von denen wir alle viele verschiedene haben.

Die Vielschichtigkeit unserer Interessen, resultiert in einer Vielschichtigkeit unserer Netzwerke, die uns im Social Web als Menschen sehr viel klarer und eindeutiger erscheinen lassen. Gleichzeitig werden wir dadurch auch leichter angreifbar. Wir legen unsere Werte offen, äußern Standpunkte und interagieren mit anderen und natürlich treffen wir nicht immer und ausschließlich auf Gleichgesinnte. Kritik und Anfeindungen gehen im Social Web schneller über die Tastatur, als im echten Leben über die Lippen.

In solchen Situationen ist es gut und wichtig, ein loyales Netzwerk hinter sich zu haben. Sowohl als Einzelperson, als auch als Marke. So stehst du nie alleine an der Front, sondern kannst auf die Unterstützung deiner Freunde, Fans und Follower vertrauen.

Mehr als nur ein Auffangnetz

Abgesehen von der Schützenhilfe im Falle eines direkten Angriffs oder auch Shitstorms, kann dein Netzwerk aber noch sehr viel mehr für dich leisten, als du vielleicht glaubst. Ich habe aus dem Stand fünf überaus hilfreiche Netzwerkfunktionen finden können. Ich bin mir aber sicher, dass wir gemeinsam noch einige mehr finden werden. Schreib sie doch einfach in die Kommentare! Eines aber vorweg: Diese Leistungen, die ich gleich hervorheben werde, beruhen natürlich auf Gegenseitigkeit und du solltest sie niemals als „selbstverständlich“ ansehen.

  • Quelle der Inspiration und Motivation

Nach meinen einleitenden Worten, lag dieser Nutzen wohl klar auf der Hand, das macht ihn jedoch nicht weniger wertvoll. Jede/r von uns hat mal einen schlechten Tag oder einen längeren Durchhänger, das ist normal. Wir sind ja schließlich alle nur Menschen. Gerade in solchen Situationen tut es gut, einen Kreis von Freunden und wohlgesonnenen Menschen um sich herum zu haben. Im Gespräch mit anderen schöpfen wir neue Kraft, kommen auf neue Ideen und lassen uns von der Euphorie des anderen anstecken. Emotionen sind ansteckend! Wenn du also, genauso wenig wie ich ein Baron Münchhausen bist, der sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen kann, dann lass dich einfach von anderen ziehen. ;)

  • Quelle für Content Curation

In eine ähnliche Richtung argumentiert ein zweiter Punkt: Über den Wert von Content Curation für den Aufbau deiner Online-Reputation muss ich dir, sofern du ein/e StammleserIn bist, nicht mehr viel erzählen. Das Social Web basiert auf dem Teilen von Wissen sowie der Wertschätzung der Leistung anderer. Beide Ideen verknüpft, bilden die Basis für Content Curation, also das Zusammentragen und Teilen fremder Inhalte, die jedoch für deine Dialoggruppe nützlich sind und das Bild deiner selbst ergänzen. Gerade bei Content Curation ist die Qualität der Quelle, die du durch dein Teilen empfiehlst, entscheidend. Es ist in diesem Sinne hilfreich, wenn du einigen Ressourcen blind vertrauen kannst. So ein Vertrauen braucht jedoch eine gewisse Zeit um zu wachsen und so ein Vertrauen kann auch nur zwischen realen Menschen entstehen. Trau dich also, sei du selbst!

  • Empfehlungsnetzwerk

Robert und ich haben kürzlich auf toushenne einen Artikel veröffentlicht, in dem es um die Beweggründe für Social Sharing ging. Warum teilen wir Inhalte? Einer der wichtigsten Punkte war, dass wir Inhalte eben auch deshalb teilen, weil uns der/die SenderIn wichtig ist, weil wir die Beziehung zu dieser Person wertschätzen, weil wir uns auf die Qualität der Inhalte unserer Partner verlassen können und weil wir so unsere Beziehung zueinander stärken. Netzwerke sind Beziehungen und Beziehungen führen zu persönlichen Empfehlungen. Zusätzlich kannst du innerhalb deines Netzwerks auch immer höflich um das Teilen deiner Inhalte bitten, ohne jemanden damit vor den Kopf zu stoßen. Es geht hier um ein gegenseitiges Geben und Nehmen — von Inhalten und Ressourcen.

  • Kompetenznetzwerk

Hier bin ich beim Punkt angelangt, der mir persönlich ganz besonders wichtig ist, da ich oft das Gefühl habe, dass es ein Bedürfnis nach qualitativer Interaktion unter KollegInnen gibt, es aber nicht ausreichend angeboten wird. Worum geht es hier genau? Mit Kompetenznetzwerk meine ich, dass das Social Web und unsere gegenseitige Vernetzung die idealen Voraussetzungen dafür bilden, ein digitales Co-Working-Netzwerk zu bilden; eine Plattform für Ideenaustausch, gemeinsames Erarbeiten neuer Konzepte und Strategien sowie gegenseitiges Unterstützen. Und obwohl es wirklich viele Möglichkeiten gibt sich über soziale Netzwerke zusammenzufinden, sind viele dieser Services nicht ideal an die Bedürfnisse von solchen Gruppen angepasst. Ich hatte ja bereits in meinem letzten Beitrag angekündigt, dass ich mit der Idee spiele eben eine solche Slack-Community aufzubauen. Es wird an der Zeit, diese Idee nun umzusetzen. Ihr könnt euch bei Interesse schon jetzt bei mir melden: Welche Wünsche habt ihr? Was würde euch wirklich nützen? Welche Themen gehören unbedingt abgedeckt und wie offen bzw. geschlossen soll ich unsere Community gestalten?

  • Businessnetzwerk

Wenn wir mit einer Gruppe von Gleichgesinnten eng zusammenarbeiten, uns austauschen und gemeinsamen Interessen nachgehen, dann kommt es nicht selten (aber eben auch nicht sofort) zu beruflichen Netzwerken. Es ist mir nicht nur einmal passiert, dass aus flüchtigen Bekanntschaften, vertrauensvolle Freundschaften entstanden sind und daraus wiederum berufliche Vernetzungen resultierten. Es geht hier nicht um “Freunderlwirtschaft”, sondern um die Tatsache, dass wir nunmal lieber mit jenen Menschen Geschäfte machen, denen wir vertrauen und sie nicht erst seit gestern kennen. Menschen sind in so mancher Hinsicht total simpel gestrickt. ;) Vertrauen ist nunmal die Basis unserer sozialen Gemeinschaften — im privaten und auch beruflichen Alltag.

How to network? Ein Leitfaden

Eine der häufigsten Fragen, die ich in meinen Seminaren aber auch in persönliche Gesprächen immer wieder gestellt bekomme, ist, wie man sich so ein Netzwerk aufbauen kann. An dieser Stelle muss ich immer grinsen, denn die Antwort lautet: Schritt für Schritt, so wie im echten Leben auch!

Ja, es ist langwierig. Ja, es ist zum Teil auch enttäuschend. Ja, es ist harte Arbeit, aber es ist und bleibt unbezahlbar! Ich meine das absolut ernst. Dass Beziehung im Social Web einen absolut realen Charakter haben (können), habe ich schon mehrmals festgehalten. Es liegt dabei ganz alleine an dir, welche Qualität dieses Netzwerk aufweist.

Wie willst du von anderen angesprochen, wie von ihnen behandelt werden? Worüber würdest du dich freuen? Was unterscheidet für dich eine gute von einer miserablen Freundschaftsanfrage? Welche Unterstützung wünscht du dir aus dem Social Web? Welchen Wert hat für dich Gemeinschaft? Wann ist für dich die Zeit reif, jemanden zu vertrauen? Genau so und nicht anders, solltest du in den Aufbau deines eigenen Netzwerks gehen.

Was ich dir noch mit auf den Weg geben will, ist eine kurze 10-Punkte-Checkliste, die dir verdeutlicht, ob du am richtigen Weg bist. Frage dich immer wieder:

  1. Bist du in deinem Online-Auftritt authentisch und gibst du dich so, wie du auch im analogen Leben bist?
  2. Suchst du im Social Web nach einem ehrlichen Dialog und einem konstanten Informationsaustausch?
  3. Zählen für dich nachhaltige Beziehungen und Freundschaften eindeutig mehr, als schnelle Erfolgsgeschichten?
  4. Beruht dein digitales Handeln auf Wertschätzung, Respekt und Integrität?
  5. Lebst du in deinem digitalen Handeln das Prinzip der Gegenseitigkeit?
  6. Unterstützt du andere im selben Ausmaß, wie sie dich?
  7. Kannst du die Beweggründe für dein Online-Engagement ohne schlechtes Gewissen, deinem Kind/deiner Mutter/deinem besten Freund darlegen?
  8. Würdest du im Social Web gerne selbst an eine Person wie dich stoßen?
  9. Würdest du die Personen aus deinem bestehenden Netzwerk vermissen, wenn es sie morgen nicht mehr gäbe?
  10. Würdest du vermisst werden wollen?

Vielleicht findest du einige dieser Fragen etwas „schräg“, gut möglich, denn ich habe sie bewusst etwas überzeichnet. Dennoch, im Grunde solltest du alle (!) mit einem klaren „Ja“ beantworten können — auch als Unternehmen!

Dass das nicht für alle Personen in deinem Netzwerk und nicht sofort zutrifft bzw. zutreffen muss, ist natürlich klar. Lass dich einfach von diesen zehn Fragen in deinem Online-Handeln leiten. Du wirst sehen, dass sich dein Freundes- und Bekanntenkreis von selbst verdichten wird. Du wirst wahrscheinlich mit weniger, aber dafür mit sehr viel stärkeren, Kontakten verbleiben — genau das ist das Ziel. Nicht die Menge, sondern die Qualität deiner Beziehungen ist entscheidend.

Was meinst du, ist es überhaupt möglich ein solches Netzwerk aufzubauen? Hast du es versucht? Hast du es geschafft? Bist du noch mitten drin? Empfindest du meinen Ansatz als illusorisch und naiv? Bitte lass es mich wissen!


Originally published at keen online communication.