Antifragilität: 26 Wege unabhängig von der Zukunft zu werden

Bastian Wilkat
Jul 19, 2015 · 11 min read

von Bastian Wilkat

Vorwort

Wie viele Personen kennen Sie, die die Terroranschläge des 11.09.2001 vorhergesagt haben?

Wie viele Personen kennen Sie, die die Finanzkrise 2008 vorhergesagt haben?

Vermutlich kennen Sie die ein oder andere Person. Oder vielleicht sogar Sie selber?

Das könnte sogar sein — rückwirkend betrachtet lassen sich obige Ereignisse sehr gut erklären. Das erweckt den Anschein, dass es vor dem Ereignis klar war. Es musste einfach passieren. Diese Art der Argumentation heißt nach Nassim Nicholas Taleb narrative Verzerrung.

Viele Menschen sind überzeugt davon, die Zukunft vorhersagen zu können. Planen zu können. Und sie die Pläne nur noch ausführen müssen, um erfolgreich, glücklich und zufrieden zu sein.

Mich irritiert, dass dieser Glaube noch immer weit verbreitet ist. Nach so vielen Beweisen, dass Planung in vielen Bereichen gefährlich ist.

Die Antwort, die mir Überzeugungsplaner auf zu schlechten Plänen entgegnen: Wir brauchen bessere Modelle.

O.K.. Stellen Sie sich vor, dass Sie das perfekte Modell zur Vorhersage hätten. Und nehmen Sie jetzt an, dass das perfekte Modell aus irgendwelchen Gründen trotzdem nicht funktioniert. Was könnten Sie dann tun?

Vielleicht wie auf dem Titelbild die Finger kreuzen und auf das Beste hoffen? Augen zu und durch? Das wäre ziemlich naiv.

Mein Vorschlag: Die Zukunft erstmal als das akzeptieren was sie ist: unplanbar.

Wir müssen den Umgang mit der Zukunft neu lernen. Nicht indem wir versuchen sie zu beherrschen oder auf metaphysischen Karma hoffen. Sondern indem wir an uns arbeiten. An unserem Verhalten, an unseren Einstellungen und vor allem an unserem Denken. Nicht global als unbestimmte Menge. Sondern Sie zu Hause können mit ein paar kleinen Kniffen unabhängiger von den Entwicklungen der Zukunft werden. Egal was passiert. Sie können sich den Versuch der Zukunftsberechnung dann einfach sparen.

Die Tipps sind sehr oberflächlich. Sie sind das Destillat meiner mittlerweile dreijährigen Arbeit mit den Konzepten von Nassim Nicholas Taleb. Ich empfehle Ihnen die Bücher zu lesen, damit Sie mehr vom “Warum” verstehen.

Bevor es zu den Tipps geht, müssen Sie noch eine Unterscheidung kennen.

Fragil, Robust, Antifragil

Fragil ist alles, das schnell zerbricht und leicht zerstörbar ist: Ein Weinglas, hoch verschuldete Unternehmen, tagesaktuelle Nachrichten (weil sie sich in der nächsten Minute schon als falsch herausstellen können.

Robust ist alles, das stabil ist und Einflüsse ziemlich lange aushält, ohne Schaden zu nehmen: Eine Kugel aus Gusseisen, Unternehmen mit hohen Rücklagen oder Wissen, dass schon lange besteht.

Antifragil ist das Gegenteil von fragil. Etwas ist dann antifragil, wenn es in der Folge von äußeren Einflüssen stärker oder besser wird: Menschliches Gewebe, Knochen oder Muskeln. Oder Unternehmen, die viele kleine Fehler zulassen und dadurch insgesamt besser werden.

Ich empfehle vor der Lektüre der 26 Wege noch einen Blick in die kurze Reportage über das Konzept der Antifragilität auf ZDF.


26 Wege unabhängig von der Zukunft zu werden

Bitte nutzen Sie die Note-Funktion, um Ergänzungen und Gedanken mit den Leser/innen und mir zu teilen.

Disclaimer: Lassen Sie sich von den Aussagesätzen nicht zu blindem Handeln verleiten. Es handelt sich bei den Wegen um mögliche Wege. Wege mit denen ich z.T. sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Genausogut können diese Wege bei Ihnen gar nichts bringen. Reflektieren Sie die Punkte bitte ausführlich selber.

1. Lernen Sie chinesisch.

Weltweit sprechen 1,1 Milliarden Menschen chinesisch. China ist eine riesige Wirtschaftsmacht. Wenn Sie chinesisch sprechen können, werden Sie ohne Probleme in kürzester Zeit interessante Jobs finden.

Wenn Sie das Erlernen der Sprache zu einem Großteil in China tätigen, werden Sie noch antifragiler. Sich an andere Kulturen anzupassen ist persönlich und im Berufsleben eine wertvolle Eigenschaft.

2. Spezialisieren Sie sich in Ihrem Beruf nicht zu stark.

Als echter Spezialist haben Sie viele Vorteile ­ wenn Ihre Spezialisierung gefragt ist. Eine neue Technologie, eine neue Gesetzgebung, oder ein Unfall kann Ihren Vorteil zunichte machen.

Wenn Sie antifragil sein wollen, orientieren Sie sich lieber an Optionen. Egal was passiert, Sie sind in der Lage in kurzer Zeit Ihre Einkommensquelle zu wechseln.

Zu diesem Gedanken empfehle ich noch diesen Artikel (klick).

3. Wenn Sie angestellt sind, versuchen Sie möglichst oft Ihren Aufgabenbereich zu wechseln.

Dieser Tipp baut auf Tipp 2 auf. Gewinnen Sie möglichst viele Einblicke in verschiedene Tätigkeiten, Funktionen und Bereiche der Wertschöpfungskette. So wird Sie eine Kündigungswelle vermutlich weniger stören. Sie können vorweisen, dass Sie in anderen Bereichen bereits Erfahrungen sammeln konnten.

4. Beginnen Sie zu schreiben.

Blogs, Artikel oder irgendwann ein Buch? Schreiben macht Sie auf so viele Arten antifragil.

Schreiben fördert Ihre eigene Fähigkeit zu kreativem Denken. Schreiben eröffnet neue Perspektiven. Lockeres Schreiben über ein Problem, lässt das Problem wie von alleine lösen. Schreiben kann zu Geld führen.

Wenn Sie veröffentlichen, machen Sie sich angreifbar. Das trainiert Sie.

5. Konsumieren Sie so selten Nachrichten wie möglich.

99,99% der tagesaktuellen Nachrichten sind Rauschen. Durch den Dringlichkeitscharakter, den Sie durch prominente Platzierungen in Zeitungen haben, wirken sie, als seien sie für irgendetwas relevant. Doch das ist schlicht falsch.

Ich könnte Ihnen jetzt über mehrere Seiten herleiten, warum mehr Informationen zu schlechteren Entscheidungen führen. Doch ich schlage folgendes vor: Verzichten Sie 14 Tage auf alle Medien, in denen Sie über Nachrichten stolpern könnten. Ziehen Sie danach Bilanz: Wie fühlen Sie sich? Haben Sie tatsächlich irgendwas für Sie oder Ihre Umfeld relevantes verpasst? Das Ergebnis wird Sie erstaunen.

Ein anderes Gedankenspiel: Bei welchen großen persönlichen oder beruflichen Erfolg spielten Tagesaktuelle Nachrichten eine signifikante Rolle?

6. Probieren Sie regelmäßig neue Hobbys aus: Schießen, Angeln, Kampfsport, Töpfern.

Neues lernen, insbesondere körperliche Fähigkeiten, trainiert das Gehirn. Sobald Sie etwas tun, was nicht Ihrer Routine entspricht, werden neue Verbindungen im Gehirn geknüpft. Darüberhinaus gewinnen Sie neue Einsichten, können einige Fähigkeiten vielleicht übertragen, lernen neue Menschen kennen und vielleicht sogar ein neues Lieblingshobby.

7. Besitzen Sie so wenig wie möglich. Besitz macht abhängig (finanziell, geographisch).

Dieser Tipp klingt evtl. moralisierend. So ist es jedoch nicht gemeint. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, dass Sie ein großes Haus, ein Klavier, teure Möbel und viele Gadgets besitzen. Ein Einbruch oder ein Feuer kann Ihnen alles nehmen, was Sie haben (zu vernünftigen Versicherungen, siehe unten).

Außerdem wird es Sie hemmen spontane Überraschungen und Möglichkeiten wahrzunehmen. Mal eben für ein paar Monate umziehen ist nicht möglich. (Eigentum ist vergleichbar mit Fixkosten. Weiter unten habe ich auch dazu etwas aufgeschrieben).

8. Reisen Sie viel (ohne Touristenführer und keine Pauschalreise).

Lernen Sie neue Kulturen und Sprachen kennen. Versuchen Sie in fremden Ländern ins echte Leben einzutauchen auch wenn Sie faktisch nur Tourist sind.

Sie lernen schneller und besser eine Sprache, wenn Sie versuchen mit lokalen Personen in Austausch zu treten. Ähnlich wie bei den Hobbys, prasseln auf Ihr Gehirn viele neue Eindrücke nieder.

9. Experimentieren Sie beruflich und privat, solange Sie mögliche Verluste verschmerzen können: Trial & Error.

Warum nicht mal eine Prise Salz in den Kaffeefilter geben, bevor der Kaffee durchläuft?

Oder zwei Haltestellen später aussteigen, wenn Sie mit dem Bus auf dem Nachhauseweg sind.?

Oder ein Meeting spontan nach draußen verlegen und beim Spazierengehen die Themen klären?

Im schlimmsten Fall müssen Sie den Kaffee wegkippen, Googlemaps öffnen, um den Weg nach Hause zu finden oder sich ein Nein auf Ihren Vorschlag des Meetings unter freiem Himmel einfangen.

Im besten Fall haben Sie einen leckereren Kaffee, Sie haben ein schönes Waldstück zum Spazieren entdeckt und ein hochkonzentriertes und nettes Meeting durchgeführt.

10. Verschulden Sie sich nicht: Kein Dispo, keine langfristigen Kredite, keine Hypotheken.

Dazu bedarf es eigentlich keiner Erläuterung. Schulden machen unfrei. Unfreiheit schränkt die Kreativität und Schaffensfähigkeit ein. Und schon sind Sie in einer Teufelsspirale.

11. Schlagen Sie nie eine Veranstaltung zu einer Party oder einer Veranstaltung mit Menschen aus.

Klar, wenn Sie schon verplant sind, sollten Sie ihre eigentliche Verabredung nicht absagen. Die Idee ist, dass Sie sich keine Ausreden suchen, um nicht zu einer Party oder einer sonstigen Zusammenkunft mit anderen Menschen gehen zu müssen.

Warum? Partys sind der beste Ort für positive Zufälle. Es reicht die Bekanntschaft mit einem einzigen Menschen, um Ihrem Leben oder einer Idee den lange erhofften Zündfunken zu geben.

Stellen Sie sich auch die Frage: “Was habe ich zu verlieren?” Wenn die Party Sie langweilt, gehen Sie einfach woanders hin.

12. Wenn etwas auch 1000 mal funktioniert hat, machen Sie es absichtlich anders (ohne naives Risiko einzugehen).

Dieser Tipp ist ergänzend zu Nr. 9 zu verstehen.

Sie wissen was gut funktioniert und zu verlässlichen Ergebnissen führt? Das ist eine gute Ausgangslage, um blind für positive Überraschungen und Optionen zu werden. Schocken Sie Ihre verlässlichen Routinen.

Wenn Sie immer den selben Weg zu Arbeit fahren, biegen sie an einer Kreuzung einfach links ab. Das klingt jetzt etwas schwierig: Versuchen Sie sich nicht vorzunehmen einen anderen Weg zu fahren und vergessen Sie diesen Tipp. Und irgendwann biegen Sie einfach ab;­ das wird Sie überraschen und zu neuen Sichtweisen führen.

13. Stellen Sie früh Hypothesen und Vorurteile auf und testen Sie sie. Treffen Sie vorher keine Entscheidung.

Egal in welchem Kontext Sie sich bewegen und worum es geht: Schreiben Sie Ihre Annahmen nieder. Dann überprüfen Sie sie. Bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen ist dieses Vorgehen elementar.

Eine Annahme könnte sein, dass Berufstätige mittags hochwertiges Essen genießen wollen, aber keine Zeit zu kochen haben. Statt auf dieser Annahme einen Businessplan zu erstellen, sprechen Sie mit Berufstätigen.

Der Mensch bildet sich sowieso Annahmen. Wenn wir sie explizit machen, können wir wirkungsvoller mit ihnen arbeiten.

14. Versichern Sie wertvolles und schreiben Sie Kleinigkeiten ab.

Dieser Tipp macht meiner Erfahrung nach ziemlich frei.

Versichern Sie sich so, dass die Gefahr eines Totalschadens nicht gegeben ist. Dazu zählt z.B. eine gute Privathaftpflichtversicherung. Versichern Sie darüber hinaus für Sie wertvolles Eigentum. Doch übertreiben Sie es nicht.

Alles das Sie nicht unmittelbar zum Überleben brauchen, sollten Sie ab dem Kauf geistig schon abschreiben. Denken Sie einfach, dass Sie den neuen Fernseher bezahlt haben, um ihn so lange zu nutzen, bis er kaputt geht. Dadurch regen Sie sich nicht unangemessen darüber auf, wenn der Fernseher tatsächlich nicht mehr angeht. Aufregung ist destruktiv und verhindert ebenfalls Kreativität.

15. Fixkosten und Fixerträge machen Sie fragil. ­Vermeiden Sie sie.

Das Gute an Fixkosten und Fixerträgen ist, dass Sie verlässlich und somit berechenbar sind (unter der Annahme, dass es zu keinen schlechten Überraschungen kommt).

Das Schlechte: Fixkosten fallen auch an, wenn ihnen keine abgerufenen Leistungen gegenüber stehen.

Schlechter ist jedoch die Fixertragsseite. Wenn Sie z.B. für Stundenlöhne arbeiten oder Kunden Tagessätze in Rechnung stellen (beliebt bei freien IT­Fachkräften oder Beratern), ist Ihr Verdienst immer an die geleistete Zeit und nicht an die tatsächliche Leistung, bzw. den Wert gekoppelt. So werden Sie nur mehr verdienen, wenn Sie zeitlich mehr arbeiten. Doch irgendwann sind auch Ihre 24 Stunden pro Tag ausgereizt.

Versuchen Sie Ihr Gehalt oder Ihre Preise nicht an Zeit, sondern an konkrete Ergebnisse zu koppeln. Für Angestellte ist ein schöner Nebeneffekt, dass sie so auch einfacher ortsunabhängig arbeiten können. Für Selbstständige besteht die Möglichkeit, mehr zu verdienen, obwohl man weniger Zeit investiert.

16. Wenn Familie und Freunde Sie brauchen, sagen Sie alles andere ab.

Das ist für viele aus moralischen Gründen selbstverständlich. Abgesehen davon steckt dahinter noch der langfristige Gedanke, dass Sie ebenso in eine Notsituation kommen könnten und jede Hilfe Ihrer Familie und Ihrer Freunde gebrauchen können.

17. Bevor Sie impulsiv reagieren, ­warten Sie vier Sekunden.

Diesen Tipp habe ich dem Buch ​“Four Seconds” von Peter Bregman​entnommen. Es geht darum, dass Sie vor einer impulsiven Reaktion vier Sekunden warten (einmal ruhig ein­ und ausatmen). Es ist unglaublich was das bewirkt. Zu den hirnphysiologischen Hintergründen empfehle ich das Buch oder das folgende Video:

Hier ein 30­minütiges Video (en), in dem der Autor etwas zu den vier Sekunden erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=j2pPRHhsVbw

18. Vor großen Entscheidungen: Betrachten Sie alle sichtbaren Seiten, sprechen Sie mit drei Personen, schlafen eine Nacht und entscheiden dann.

Dieser Tipp soll einerseits “dummen Aktionismus” eindämmen, gleichzeitig aber schnelle und in vielen Fällen gute Entscheidungen ermöglichen.

Wenn Sie sich besser fühlen mit mehr als drei Personen zu sprechen, tun Sie das.

Meiner Erfahrung nach führt jede weitere Person zu einer herausgezögerten Entscheidung. Einerseits, weil es Zeit kostet mit den Personen zu sprechen. Andererseits, weil man das Gespräch mit anderen Gesprächen aufwiegen muss und es zunehmend schwieriger wird Unterscheidungen zu treffen. Die Gefahr gar nicht mehr entscheiden zu können und dann einfach “irgendwas zu tun” ist dabei sehr groß.

19. Sagen Sie nur etwas zu, wenn Sie den Aufwand bestmöglich abschätzen können und Sie die Konsequenzen bei Nicht­erfüllung kennen.

Dieser Tipp soll Sie auch in die Lage versetzen, bei allem was Sie tun, möglichst wenig zu verlieren (hier insb. Zeit und vielleicht Reputation) aber sehr viel gewinnen können.

Wenn Sie in vielen Projekten beteiligt sind, bei denen Sie bei Misserfolg wenig zu verlieren haben, haben Sie Optionen.

20. Zeit geht immer vor Geld: Lagern Sie aus — Einkauf, Wäscherei, Wohnungsreinigung.

Ich muss präzisieren. Rechnen Sie Ihren eigenen Nettoverdienst pro Stunde aus. Rechnen Sie in dann für einzelne Tätigkeiten um: Ein Hemd bügeln, die Wohnung reinigen usw. Wenn die Kosten von Dienstleistern unter ihren eigenen Kosten liegen, lagern Sie die Tätigkeiten aus. Ihre Zeit können Sie für sich sinnvoller nutzen.

21. Lieben Sie “uncomfortable situations”: Es ist nur eine geistige Bewertung. Sie gewinnen immer.

Jeder hat Bereiche und Situationen, in denen man sich nicht wohl fühlt. Es ist in der Tat einfacher geschrieben als gemacht aber versuchen Sie ab sofort solche Situationen zu genießen.

Fragen Sie sich in solchen Momenten einfach, was Sie aus dieser Situation für Ihre persönliche Zukunft und für ähnliche Situationen lernen können.

22. Analog vor Digital, wenn es um Denken & Kreativität geht.

Computer und Software sind gut geeignet, um Ergebnisse festzuhalten, zu perfektionieren oder zu veröffentlichen. Bildschirm, Tastatur und Maus verhindern aber offene Denkprozesse.

Es ist schlicht nicht möglich intuitiv zu arbeiten: Spontan einen Gedanken auf ein Post­It schreiben und an die Wand kleben, dann eine schnelle Zeichnung daneben scribblen, sich während des Prozesses mit anderen Menschen austauschen… das ist rein technisch natürlich möglich, aber eben nicht intuitiv.

Stehen Sie für neue Projekte oder Probleme erst einmal auf.­ Möglichst weit weg vom Rechner. Nehmen Sie sich ein paar Post­Its, stellen sich vor ein Whiteboard und beginnen einfach.

23. Vermeiden Sie Multitasking.

Der größte Denkfehler von Unternehmen und vielen Menschen ist, dass Multitasking funktioniert. Multitasking meint hier das konzentrierte Arbeiten an mehr als einer Aufgabe. Das ist schlicht nicht möglich. Wenn Sie z.B. telefonieren und gleichzeitig eine E­-Mail schreiben, denken Sie, dass Sie multitasken. Tatsächlich finden auf hirnphysiologischer Ebene jedoch ein extrem schneller Aufmerksamkeitswechsel zwischen den Tätigkeiten statt. Dieser Wechsel kostet dem Gehirn sehr viel Energie. Qualität und Schnelligkeit ihrer Arbeit sinken.

Es existieren viele Strategien zur Vermeidung von Multitasking. Eine einfache Methode: Setzen Sie sich kurze Zeitslots (z.B. 20 Minuten), in denen Sie sich ausschließlich auf eine Aufgabe konzentrieren. Schalten Sie Benachrichtigungen Ihres Handys und Ihres E­Mail­Programms aus. Schließen Sie Ihre Tür. Bei Bedarf hängen Sie ein Schild auf: “Bitte nicht stören. Ich bin ab 12:00 Uhr wieder für Sie erreichbar”.

24. Schlafen Sie so lange Sie schlafen, nicht bis zum Klingeln des Weckers.

Mittlerweile herrscht Einigkeit darüber, wie wichtig ausreichender Schlaf für alle Bereiche des Lebens ist. Bestätigt durch die Forschung ist, dass man verlorenen Schlaf nie wieder aufholen kann. Die Faustregel lautet, dass man eben so lange schläft, wie man schläft. Wenn man das erste Mal am Morgen wach wird, steht man auf.

Außerdem hat sich einiges in der Forschung von “Powernaps” getan. Es konnte mittlerweile die positive Wirkung eines 10­-minütigen Mittagsschlafes auf die Konzentration und Merkfähigkeit von Menschen nachgewiesen werden. (Viele Quellen zur Forschungsarbeiten finden Sie in Daniel Levitins Buch “The Organized Mind”)

25. Redundanzen sind von außen betrachtet ineffizient. Tatsächlich machen sie aber robust.

Je mehr doppelte Böden Sie haben, umso weniger Gedanken müssen Sie sich darüber machen, was eintreten könnte. Sie werden robust.

26. Lesen Sie ​Antifragilität von Nassim Nicholas Taleb​.


Danke fürs Lesen. Wenn Sie etwas mitnehmen konnten und Ihnen der Artikel gefällt, klicken Sie bitte auf “Recommend”, damit auch andere ihn finden.

Nächster Artikel Die Welt mit 1000 Augen sehen — Eine Ode an die Generalisten

Bastian Wilkat

Written by

I'm a flaneur. Podcast (DE): www.bastianwilkat.de/podcast