Das könnte Ihnen nicht gefallen

Mit mehr Anti-Pattern gegen Filterbubbles

Gibt es jemanden, der das Empfehlungsfeature von Amazon nicht mag? Ich bin dadurch schon auf viele tolle Bücher und andere Produkte gestoßen, von denen ich vorher nie gehört habe.

Spotify erstellt mir jede Woche einen neuen Mix der Woche. Auch dort stoße ich auf mir unbekannte Künstler, die mir zu 50% tatsächlich gefallen.

Als Student bin ich oft in eine “Youtube-Spirale” gekommen. Nach dem eigentlichen Video, das ich mir angesehen habe, wurden mir weitere Videos empfohlen, die mir gefallen könnten. Auch wenn ich es zwei Stunden später bereut habe: Es war doch unterhaltsam.

In den drei Beispielen geht es darum, mehr von dem, was mir gefällt zu konsumieren. Da es sich um Unternehmen handelt, ist dieses Ziel nachvollziehbar. Und meistens hilft mir das tatsächlich.

Dennoch fehlt mir der Zufallsaspekt. Mir werden selten Produkte oder Musiktitel empfohlen, die ich laut bisheriger Verhaltensmuster schlecht fand.

Ich kann keine Schlagermusik leiden. Das weiß auch jeder Algorithmus da draußen. Mir wäre früher wohl nie das grandiose Schlageralbum “High Mud Leader” empfohlen worden. Warum? Dabei handelt es sich um ein Persiflage-Album der Metaller Knorkator*.

Anti-Patterns und Filterbubbles

Laut Pariser entstehe die Filterblase, weil Webseiten versuchen, algorithmisch vorauszusagen, welche Informationen der Benutzer auffinden möchte — dies basierend auf den verfügbaren Informationen über den Benutzer (beispielsweise Standort des Benutzers, Suchhistorie und Klickverhalten). Daraus resultiere eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen. Vgl: https://de.wikipedia.org/wiki/Filterblase

Den Gedanken der Filterblase können wir auch auf andere Lebensbereiche ausweiten. Diese Blasen entstehen zum Beispiel,

  • wenn man sich sich nur mit Menschen umgibt, die ähnliche Ansichten und Weltbilder haben,
  • wenn man Medien, Menschen und Informationen folgt, die seiner eigenen Überzeugung naheliegen,
  • wenn man monolithisch lebt, d.h. komplett in einem Thema oder einem Job aufgeht und andere Bereiche vernachlässigt.

Bei Produkten, Musik und Büchern sind die Filterblasen ja persönliches Glück oder Pech. Da wir aber in einer Demokratie leben, in der jeder Erwachsene wählen und somit über Regierungen entscheidet, die mich betreffen, würde ich mir wünschen, dass meine Mitbürger/innen sich ausgewogen informieren, bevor sie ein Kreuz machen oder sich für auch gegen eine Wahlteilnahme entscheiden.

Warum nicht mal eher linke (z.B. Der Freitag oder Junge Welt), eher rechte (Junge Freiheit) oder liberale (eigentümlich frei) Blätter lesen — gerade, weil sie nicht der persönlichen Überzeugung entsprechen?

Politische Informiertheit muss auch nicht an deutschen Grenzen aufhören. Wie viele von Ihnen wissen z.B. dass es neben Trump und Clinton mit Gary Johnson einen weiteren Präsidentschaftskandidaten gibt, der ohne Show aber mit Argumenten daherkommt?

Warum empfiehlt Facebook nicht Beiträge oder Links, mit denen “deine Freunde nicht übereinstimmen” etc.?

Warum empfiehlt Amazon nicht ab und zu Artikel, die “andere Kunden, die dir ähnlich sind nie gekauft haben”?

Warum versucht Spotify nicht, mir alle paar Jubelmonate doch mal ein Schlagerlied unterzuschieben?

Bis die Algorithmen solche Anti-Pattern ausprobieren, liegt es wohl weiterhin an uns selbst für Diversität in der Informationsaufnahme und im Bekanntenkreis zu sorgen.


Tipp: In seinem Podcast “Der Flaneur” spricht Bastian Wilkat mit Menschen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie u.v.m. Kostenlos bei iTunes abonnieren, im Webplayer anhören oder als E-Mail abonnieren.

*Vermutlich würde es mir heute schon empfohlen werden, da der Interpret teilweise als Knorkator ausgezeichnet wird und viele anderen Knorkatorfans, die sonst keinen Schlager hören, High Mud Leader in ihren Playlists haben. In dem Beispiel geht es mir um den Punkt, des fehlenden Zufalls.

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