Schluss mit “Management-By”
Gedanken zu einem neuen Sprachbild
Die 80er Jahre waren die Hochzeit des Management by “setzen Sie hier einen beliebigen Begriff ein“. Und auch heute gibt es hier und da irgendwelche semikreativen Wortschöpfungen mit dem Präfix Management by. Einige von Ihnen werden diesen Text gleich mit einer abwiegelnden Hand zur Seite legen: “Jetzt holt er die Theoriekeule raus!” Doch nicht zu schnell: Es ist ein Denkangebot. Und daraus kann durchaus konkretes Handeln erwachsen.
Management by Objectives ist eine Managementmethode, bei der es darum geht, Mitarbeiter über konkrete Ziele zu managen. Das Management by steht also für eine Umschreibung, wie das Management durchgeführt wird, bzw. unter welchem Einfluss es wirkt. Die ganzen by-Moden vermitteln den Eindruck, dass es sich Management um eine einfache Rechnung handelt, bei der die eine Seite der Gleichung der anderen entsprechen muss, und dann wird das Unternehmen schon funktionieren. Es sind jedoch immer Menschen, die die by-Moden anwenden müssen (durch eine Machtasymmetrie hin zu den Zielpersonen der Methoden). Menschen denken — Gleichungen nicht. Und auch Methoden denken nicht. Das ist der Grund weswegen ich auf jede Management-by-Formulierung verschnupft reagiere — wohlwissend, dass ein Großteil davon selbst nur ironisch gemeint sind (wer kennt nicht Management-by-Helikopter oder –Känguruh?).
Die Praxis in Organisationen zeigt schon länger, dass man mit dem Betriebssystem Management schnell an Grenzen kommt. Die Probleme sind nicht Methoden und Tools, die schlecht eingesetzt werden, sondern der per Problemanforderung nicht geeignete Einsatz eben jener Methoden und Tools. Kein Unternehmen kommt heute auf die Idee einen dedizierten 10-Jahres-Finanz- und Personalplan auf die Beine zu stellen. Denn selbst wenn dieser bis auf jede Nachkommastelle perfekt durchgerechnet wird, kann zwei Sekunden nachdem die Tinte getrocknet ist, schon wieder alles anders aussehen. Und die Planungen sind dahin. Das dahinter stehende Problem ist die Denke hinter dem Betriebssystem Management: Der Glaube an die Steuerbarkeit von etwas im Großteil unsteuerbaren. Um diesen Denkansatz zu lösen, existieren viele Ansätze — ich möchte die Möglichkeit der Sprachbilder in die Waagschale legen.
Das Ende der Management-by-Ära einläuten
Management by ist ein Sprachbild, das immer impliziert, dass es sich eben um eine Art des Managements handelt. Selbst wenn es so kreativ wird, wie Management by Chaos, by Internet, by Dynamics usw., es ist und bleibt Management by Managers. Mein bescheidener Vorschlag ist, das Ende der Management-by-Ära einzuläuten, wenn auch nur auf dem Papier. Ich will gar nichts anderes etablieren, da kann sich jeder selbst Gedanken machen: Ob es ein wertneutrales Business by oder Organization for wird? Keine Ahnung — und so wirklich interessiert es mich auch nicht, da in jedem Begriff sowieso wieder unzählige Grauzonen stecken.
Deswegen erstmal: „Weg-Von“ statt „Hin-Zu“.
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